Neue E-Mail-Af­fä­re be­las­tet Cl­in­ton

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON FRANK HERR­MANN

Die Füh­rung der De­mo­kra­ten mach­te Cl­in­tons Ri­va­len San­ders das Le­ben schwer. Die Par­tei­che­fin tritt zu­rück – ein Fehl­start in den Par­tei­tag.

PHIL­ADEL­PHIA Ei­gent­lich soll­te es der bis­he­ri­ge Hö­he­punkt in der Kar­rie­re der Deb­bie Was­ser­man Schultz wer­den. Wä­re al­les nach Plan ver­lau­fen, hät­te die auf­stre­ben­de 49-jäh­ri­ge Kon­gress­ab­ge­ord­ne­te aus Flo­ri­da vier Aben­de hin­ter­ein­an­der im Ram­pen­licht ge­stan­den. Wä­re sie nicht ge­stol­pert über die E-Mail-Af­fä­re, die zum Auf­takt des Wahl­kon­vents der De­mo­kra­ti­schen Par­tei für kräf­ti­gen Wir­bel sorgt, hät­te sie in der Rol­le der Chef­or­ga­ni­sa­to­rin Re­gie ge­führt. So aber muss­te die Vor­sit­zen­de des Na­tio­nal­ko­mi­tees der De­mo­kra­ten (DNC) ih­ren Rück­tritt ein­rei­chen – der­art ab­rupt, dass je­dem klar war, dass Hil­la­ry Cl­in­ton sie mas­siv un­ter Druck ge­setzt hat­te.

Zu­min­dest zu Be­ginn al­so wird die Ver­an­stal­tung im Wells Far­go Cen­ter zu Phil­adel­phia, die doch ei­gent­lich ein Fest der Har­mo­nie wer­den, im mar­kan­ten Kon­trast zum Par­tei­tag der laut­stark zer­strit­te­nen Re­pu­bli­ka­ner, über­schat­tet von ei­nem Skan­dal. Er­neut wirft ei­ne EMail-Af­fä­re die schö­nen Sze­na­ri­en über den Hau­fen, nach­dem schon der fahr­läs­si­ge Um­gang der Au­ßen­mi­nis­te­rin Cl­in­ton mit elek­tro­ni­scher Di­enst­post de­ren Wahl­kampf ge­trübt hat­te.

Dies­mal geht es um 19.252 ge­hack­te Mails vom in­ter­nen Par­tei­ser­ver, ver­öf­fent­licht von der Ent- hül­lungs­platt­form Wi­ki­leaks. Sie er­ge­ben das Bild ei­nes Par­tei­vor­stands, der dem stark auf­trump­fen­den Au­ßen­sei­ter Ber­nie San­ders ei­nen St­ein nach dem an­de­ren in den Weg leg­te, ob­wohl die Re­geln strik­te Neu­tra­li­tät ver­langt hät­ten. Und der in dem 74 Jah­re al­ten Se­na­tor ir­gend­wann nur noch ei­nen bo­cki­gen Stö­ren­fried sah.

In ei­ner E-Mail vom 21. Mai, als die Zi­el­li­nie des Vor­wahl­ma­ra­thons in Sicht kam, schlug Was­ser­man Schultz vor, auf be­stimm­te Aus­sa­gen von San­ders gar nicht erst zu re­agie­ren: Der Mann wer­de so­wie­so nicht Prä­si­dent. Dann wie­der reg­te ein Mit­ar­bei­ter an, das ver­meint­li­che Cha­os in den Rei­hen des Cl­in­ton-Ri­va­len zum The­ma zu ma­chen: Wenn man er­zäh­le, dass Ber­nie nichts auf die Rei­he krie­ge, könn­te das doch ei­ne schö­ne

Ge­schich­te sein. Um den Hoff­nungs­trä­ger der Lin­ken zu stop­pen, ver­such­ten DNC-In­si­der vor den Vor­wah­len in Ken­tu­cky und West Vir­gi­nia, Zwei­fel am jü­di­schen Glau­ben des Kan­di­da­ten zu sä­en. In Wahr­heit sei San­ders ein At­he­ist, soll­te in den bei­den Staa­ten sug­ge­riert wer­den, in de­nen vie­le Wäh­ler als be­son­ders re­li­gi­ös gel­ten.

Das Be­mer­kens­wer­tes­te an dem Ka­pi­tel ist, mit wel­cher Wür­de der Se­na­tor auf die Ent­hül­lun­gen re­agier­te. Er wis­se seit Lan­gem, dass sich das DNC ihm ge­gen­über nicht fair ver­hal­ten ha­be, sag­te er und gab zu ver­ste­hen, dass er die Af­fä­re für ei­nen Ne­ben­kriegs­schau­platz hält. Nach San­ders‘ Wor­ten ha­ben die De­mo­kra­ten al­les ei­nem ein­zi­gen Ziel un­ter­zu­ord­nen, näm­lich zu ver­hin­dern, dass Do­nald Trump im No­vem­ber die Wahl ge­winnt und ins Wei­ße Haus ein­zieht.

Eben­so be­mer­kens­wert sind die au­ßen­po­li­ti­schen Ir­ri­ta­tio­nen, die den Ent­hül­lun­gen fol­gen. Nach Les­art des Cl­in­ton-La­gers hat Russ­land sei­ne Hän­de im Spiel, wo­mög­lich der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin per­sön­lich. Rob­by Mook, Cl­in­tons Wahl­kampf­ma­na­ger, sieht Ha­cker im Auf­trag des Kreml am Werk; sie hät­ten den Fun­dus an Wi­ki­leaks wei­ter­ge­ge­ben. Be­wei­se nennt Mook nicht, glaubt aber ein po­li­ti­sches Mo­tiv aus­zu­ma­chen: Mit der Af­fä­re woll­ten die Rus­sen Trump im Du­ell ge­gen Cl­in­ton un­ter­stüt­zen. Mos­kau ha­be gu­te Grün­de, sich auf die Sei­te des Mil­li­ar­därs zu stel­len. Der ha­be schließ­lich er­ken­nen las­sen, dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten un­ter ei­nem Prä­si­den­ten Trump den bal­ti­schen Na­to-Mit­glie­dern im Zwei­fels­fall den Bei­stand ver­wei­gern, soll­ten die­se von Russ­land an­ge­grif­fen wer­den und ih­ren fi­nan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen im Rah­men des Bünd­nis­ses nicht nach­ge­kom­men sein.

Die Bun­des­po­li­zei FBI un­ter­sucht die An­ge­le­gen­heit. Wie die „New York Ti­mes“un­ter Be­ru­fung auf Er­mitt­ler schreibt, sind die Be­hör­den zu dem Schluss ge­kom­men, dass die Ha­cker im Auf­trag zwei­er rus­si­scher Ge­heim­diens­te han­del­ten. Me­t­a­da­ten der E-Mails lie­ßen dem­nach er­ken­nen, dass die di­gi­ta­le Post durch rus­si­sche Rech­ner ge­lau­fen sei. Im Ju­ni hat­te ei­ne vom DNC be­auf­trag­te Com­pu­ter­si­cher­heits­fir­ma von ei­ner Grup­pe na­mens „Co­zy Be­ar“(„Ge­müt­li­cher Bär“) ge­spro­chen, die sich be­reits vor ei­nem Jahr Zu­gang zu dem Ser­ver ver­schafft ha­ben soll. Im April soll ei­ne zwei­te Grup­pe, „Fan­cy Be­ar“(„Ein­falls­rei­cher Bär“), da­zu­ge­kom­men sein, an­geb­lich ei­ne Spar­te des rus­si­schen Mi­li­tär­ge­heim­diens­tes.

FO­TOS: AFP, AC­TION PRESS

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