Im­mer mehr Rent­ner zah­len Steu­ern

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON ANT­JE HÖ­NING UND BIRGIT MAR­SCHALL QU­EL­LE: BMF, FM NRW | FO­TO: THINKSTOCK | GRA­FIK: C. SCHNETTLER

Mit je­dem Jahr und je­der Ren­ten­er­hö­hung steigt die Zahl der Se­nio­ren, die Ein­kom­men­steu­er zah­len müs­sen. Doch auch Rent­ner kön­nen Putz­frau, Hand­wer­ker und teu­re Arzt-Rech­nun­gen von der Steu­er ab­set­zen.

BER­LIN Die Zahl der Rent­ner, die Ein­kom­men­steu­er zah­len müs­sen, steigt an. Wa­ren laut Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um 2011 erst 3,8 Mil­lio­nen Ru­he­ständ­ler be­trof­fen, so wer­den es im nächs­ten Jahr be­reits 4,4 Mil­lio­nen sein – je­der fünf­te Be­zie­her ei­ner ge­setz­li­chen Ren­te. Nach letzt­ver­füg­ba­ren Da­ten des Mi­nis­te­ri­ums steu­er­ten die Rent­ner 2011 Ein­kom­men­steu­er von 25 Mil­li­ar­den Eu­ro bei, das war rund ein Ach­tel des ge­sam­ten Auf­kom­mens. War­um müs­sen im­mer mehr zah­len? 2005 wur­de die schritt­wei­se Be­steue­rung der ge­setz­li­che Ren­te ein­ge­führt, im Ge­gen­zug wer­den Auf­wen­dun­gen der Ar­beit­neh­mer für die Al­ters­vor­sor­ge zu­neh­mend frei­ge­stellt. Nun wach­sen im­mer mehr Jahr­gän­ge in die Be­steue­rung rein. Wer 2005 in den Ru­he­stand ging, er­pflich­tig wer­den, ob­wohl es das Paar zu Leb­zei­ten des Man­nes nicht war. Das Paar hat­te eben zwei Frei­be­trä­ge, die Wit­we hat nur ei­nen. Wer muss Steu­ern zah­len? Wer ne­ben der ge­setz­li­chen Ren­te ei­ne Be­triebs­ren­te, Miet- oder Ka­pi­tal­ein­künf­te hat, muss grund­sätz­lich ei­ne Steu­er­er­klä­rung ma­chen und ist in der Re­gel steu­er­pflich­tig. Auch wer ei­nen Ne­ben­job hat, ist meist dran. Wird da­ge­gen nur ei­ne Ren­te aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­zo­gen, müs­sen viel­fach auch künf­tig kei­ne Steu­ern ge­zahlt wer­den. 2011 wa­ren es nur 152.000 Se­nio­ren mit aus­schließ­lich Ren­ten­ein­künf­ten ge­we­sen, die tat­säch­lich Steu­ern zah­len muss­ten. Ab wel­cher Ren­te fällt die Steu­er an? Das hängt vom Jahr des Ren­ten­be­ginns ab. Für je­den Jahr­gang schreibt der Fis­kus ei­nen steu­er­frei­en Be­trag fest, den man sein Le­ben lang mit­nimmt. Un­term Strich führt dies da­zu, dass ein Rent­ner mit Ren­ten­be­ginn 2005 kei­ne Steu­ern zahlt, wenn sei­ne Brut­to­ren­te nicht hö­her ist als 1599 Eu­ro im Mo­nat (und er kei­ne wei­te­ren Ein­künf­te hat). Wer 2015 in Ru­he­stand ge­gan­gen ist, hat sei­ne Ru­he, so lan­ge er nicht mehr als 1207 Eu­ro be­kommt (Gra­fik). Bei ge­mein­sam ver­an­lag­ten Ehen ist die Sum­me dop­pelt so hoch. Was kann man ab­set­zen? Wie je­der Bür­ger kann auch der Rent­ner den Wer­be­kos­ten- (102 Eu­ro pro Jahr) und den Son­der­aus­ga­ben-Pausch­be­trag (36 Eu­ro) gel­tend ma­chen. Wer ei­ne Putz­frau be­schäf­tigt, kann die Kos­ten als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung an­ge­ben. Ar­bei­tet die Putz­frau als Mi­ni­job­be­rin kann man 20 Pro­zent der Kos­ten ab­set­zen, ma­xi­mal 510 Eu­ro im Jahr, so te Hee­sen. Bei ei­ner selbst­stän­di­gen Putz­frau kann man 20 Pro­zent der Kos­ten von ma­xi­mal 4000 Eu­ro im Jahr steu­er­min­dernd gel­tend ma­chen. Bei Hand­wer­ker-Rech­nun­gen kann man 20 Pro­zent des Ar­beits­lohns ab­set­zen, ma­xi­mal 1200 Eu­ro. Ma­xi­ma­le Ren­te (in Eu­ro), ge­ord­net nach Jahr des Ren­ten­be­ginns, bei der für 2015 noch kei­ne Steu­er an­fällt*

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SE­RIE

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2015 *ge­setz­li­che Ren­te vor Ab­zug von Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, al­lein­ste­hen­der Rent­ner, oh­ne zu­sätz­li­che Ein­künf­te Was ist mit Ge­sund­heits­aus­ga­ben? Äl­te­re Men­schen ha­ben ho­he Ge­sund­heits­aus­ga­ben. Ei­nen Teil kön­nen sie als au­ßer­ge­wöhn­li­che Be­las­tung gel­tend ma­chen – so et­wa an­tei­lig das Kran­ken­ta­ge­geld oder die Selbst­be­tei­li­gung bei Zahn- und Augenarzt. Wer bis zu 15.340 Eu­ro an Ein­künf­ten im Jahr hat, muss fünf Pro­zent der Aus­ga­ben tra­gen, al­so ma­xi­mal 767 Eu­ro (Sing­le). Das ist die zu­mut­ba­re Be­las­tung. Ge­sund-

Im Zwei­fel soll­te man ei­ne Steu­e­re­klä­rung ab­ge­ben“, sagt Ex­per­tin te Hee­sen. Beim Bund der Steu­er­zah­ler kann ein Rat­ge­ber (per Mail: steu­ern@steu­er­zah­ler-nrw.de oder Te­le­fon 0211/99175-42) an­ge­for­dert wer­den.

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