Mainz: Raub­kunst in Uni-Bi­b­lio­thek

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR -

Ein 50. Ge­burts­tag ist kei­ne Stu­den­ten­par­ty. Doch wie oft kommt es vor, dass man zu ei­ner Fei­er aus be­son­de­rem An­lass ein­ge­la­den ist, dem Gast­ge­ber ein Ge­schenk über­reicht, sich setzt, isst, trinkt, vi­el­leicht tanzt, al­te Be­kann­te wie­der­trifft – und dann nach Hau­se geht mit dem Ge­fühl: Es war ja ganz nett, aber ir­gend­wie auch be­lie­big? Der ei­gent­li­che Grund des Bei­sam­men­seins ist im Hin­ter­grund ge­blie­ben. Es gab kei­nen, der ihn ge­wür­digt hät­te. Ein Jam­mer.

Ei­ne Re­de hin­ge­gen ver­leiht je­dem Zu­sam­men­tref­fen so­fort ei­nen be­son­de­ren Rah­men. Sie gibt dem Fest sein Fun­da­ment. Sie ver­mag ein Band um die Schar der Gäs­te zu schmie­den, die sich un­ter­ein­an­der wo­mög­lich gar nicht ken­nen. Und sie sorgt da­für, dass die Ge­mein­schaft al­ler für ei­nen Mo­ment lang mit Hän­den zu grei­fen ist, be­vor man sich wie­der sei­nem Ge­gen­über zu­wen­det. Des­halb ist ei­ne Re­de so wich­tig. Mit ei­ner per­sön­li­chen An­spra­che bringt der Gast­ge­ber nicht nur Wert­schät­zung ge­gen­über sei­nen Gäs­ten zum Aus­druck. Er kann da­mit al­le über­ra­schen, sie zum La­chen brin­gen und rüh­ren. Es gibt nichts, was mehr ver­bin­det. Ei­ne Re­de zu hal­ten, be­weist Stil. Und Stil hat im­mer et­was mit Re­spekt zu tun.

Frei­lich gibt es ei­nen Un­ter­schied zwi­schen Spre­chen und Re­den. Letz­te­res zeich­net sich durch ein Min­dest­maß an Vor­be­rei­tung aus. MAINZ (dpa) In der Bi­b­lio­thek der Jo­han­nes Gu­ten­berg-Uni­ver­si­tät Mainz steht wahr­schein­lich NSRaub­gut. Ers­te Re­cher­chen lie­fer­ten In­di­zi­en, dass ei­ni­ge der Kunst­ge­schich­te-Bü­cher im Uni-Be­stand einst von den Na­zis un­recht­mä­ßig ent­zo­gen wur­den. Ein neu­es Pro­jekt un­ter Lei­tung der Kunst­his­to­ri­ke­rin Eli­sa­beth Oy-Mar­ra sol­le die Her­kunft der Bü­cher klä­ren. Die frag­li­chen Wer­ke stam­men aus der Kunst­his­to­ri­schen For­schungs­stät­te Pa­ris, die 1942 von den NS-Besatzern in Pa­ris ge­grün­det wur­de.

Ei­ne Re­de ziert je­des Fest!

Ein gu­ter Red­ner muss kein rhe­to­ri­sches Feu­er­werk ab­bren­nen. Ein­fa­che, von Her­zen kom­men­de Wor­te be­wir­ken viel mehr. Wenn Sie auf­ge­regt sind, ver­heim­li­chen Sie es nicht – nie­mand wird es Ih­nen ver­übeln. Aber über­le­gen Sie sich vor­her, was Sie sa­gen wol­len. Vi­el­leicht, dass man mit 50 Jah­ren weiß, dass gu­te Freun­de mit das Bes­te sind, was ei­nem im Le­ben wi­der­fah­ren kann. Dass man mit 40 das Al­ter der Ju­gend er­reicht hat­te, es aber nun mit 50 ge­gen die Ju­gend des Al­ters tauscht. Dass Sie sich auf ein Wie­der­se­hen ge­freut ha­ben, weil so vie­le ge­mein­sa­me Er­in­ne­run­gen wach wer­den. Re­den Sie dar­über, was Sie mit den ein­zel­nen Gäs­ten ver­bin­det, und stel­len Sie sie auf die­se Wei­se ein­an­der vor. Aber Vor­sicht: Da­für darf die Grup­pe nicht zu groß sein. Sonst wird das Gan­ze er­mü­dend. Lang­wei­len dür­fen Sie Ih­re Gäs­te auf kei­nen Fall. Es gilt, den al­ten Satz des be­rühm­ten US-Schrift­stel­lers Mark Twain zu be­rück­sich­ti­gen: Man kann über al­les re­den, bloß nicht über fünf Mi­nu­ten!

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