Ka­len­der­blatt 26. Ju­li 1755

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG - TEXT: JENI / FO­TO: DPA

War­um der ve­ne­zia­ni­sche Aben­teu­rer Gi­a­co­mo Ca­s­a­no­va am 26. Ju­li 1755 tat­säch­lich ver­haf­tet wur­de, ist um­strit­ten. Die An­kla­ge des In­qui­si­tors von Ve­ne­dig lau­te­te: „Gott­lo­sig­keit“. Mög­li­cher­wei­se spiel­te die Be­kannt­schaft mit als ver­däch­tig gel­ten­den Aus­län­dern ei­ne Rol­le oder die Tat­sa­che, dass Ca­s­a­no­va Jah­re zu­vor den Frei­mau­rern bei­ge­tre­ten war. Ca­s­a­no­va selbst mut­maß­te, dass ihm vi­el­leicht die Zu­nei­gung ei­ner Frau, auf die der In­qui­si­tor ein Au­ge ge­wor­fen hat­te, zum Ver­häng­nis ge­wor­den war. In­haf­tiert wur­de er in den be­rüch­tig­ten „Blei­kam­mern“, dem Ge­fäng­nis des Do­gen­pa­las­tes. Ca­s­a­no­va war da­mals 30 Jah­re alt, er hat­te Rechts­wis­sen­schaf­ten und Theo­lo­gie stu­diert, ei­ne Lauf­bahn zum Pries­ter aber ab­ge­bro­chen. Sei­ne größ­ten Aben­teu­er er­leb­te der Ve­ne­zia­ner nach der Zeit im Ker­ker. 15 Mo­na­te nach der Ver­haf­tung ge­lang ihm ei­ne spek­ta­ku­lä­re Flucht, die ihn in ganz Eu­ro­pa be­kannt mach­te. Ca­s­a­no­va wur­de gern­ge­se­he­ner Gast an vie­len Fürs­ten­häu­sern. Ge­gen En­de sei­nes Le­bens ver­fass­te er sei­ne Me­moi­ren, in de­nen er die Flucht, die dar­an an­schlie­ßen­den Rei­sen und nicht zu­letzt auch zahl­rei­che Lie­bes­aben­teu­er be­schrieb. „Die Ge­schich­te mei­nes Le­bens“wur­de in der Fol­ge häu­fig auf die ero­ti­schen Pas­sa­gen re­du­ziert, zeich­net aber auch ein um­fas­sen­des Bild des 18. Jahr­hun­derts und ge­hört zu den be­deu­ten­den Wer­ken der Welt­li­te­ra­tur.

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