237.000 Eu­ro zu viel kas­siert – Be­wäh­rungs­stra­fe für Leh­re­rin

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON WULF KANNEGIESSER

Für an­dert­halb Jah­re hät­te ei­ne Leh­re­rin (65) nach dem Wil­len des Staats­an­walts in Haft ge­hen sol­len, weil sie über knapp sechs Jah­re hin­weg rund 240.000 Eu­ro Be­am­ten­ge­halt zu viel er­hal­ten hat­te, oh­ne sich zu mel­den. Der An­kla­ge­ver­tre­ter hat­te der Be­am­tin in sei­nem Plä­doy­er je­de Chan­ce auf Be­wäh­rung ab­ge­spro­chen. Das Amts­ge­richt ur­teil­te je­doch mil­der und setz­te die Haft­stra­fe von neun Mo­na­ten für die pen­sio­nier­te Leh­re­rin zur Be­wäh­rung aus. Nur wi­der­wil­lig hat­te sich die An­ge­klag­te im Pro­zess be­reit­er­klärt, den kom­plet­ten Scha­den zu­rück­zu­zah­len. Das Ur­teil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Die Leh­re­rin hat­te an­ge­ge­ben, sie ha­be ab 2009 zwar in Al­ters­teil­zeit deut­lich we­ni­ger ge­ar­bei­tet. Doch dass ihr mo­nat­lich so­gar noch deut­lich mehr Ge­halt über­wie­sen wur­de als für ih­re frü­he­re Voll­zeit­stel­le, ha­be sie „nicht ge­merkt“. Ihr Mann füh­re die Kon­ten, sie ha­be von dem Ge­halts­zu­wachs nichts ge­wusst. Da­bei ist sie bis ges­tern ge­blie­ben, sah die Haupt­schuld für ih­re Über­be­zah­lung beim Lan­des­amt für Be­sol­dung und Ver­sor­gung, in­di­rekt auch bei ih­rem Gat­ten. „Wir kön­nen Ih­nen aber nicht ab­neh­men, dass Ih­nen das ent­gan­gen sein kann“, hielt der Vor­sit­zen­de Rich­ter im Ur- teil der An­ge­klag­ten vor. Wäh­rend de­ren An­walt von „Schus­se­lig­keit“der Leh­re­rin sprach und „er­heb­li­chem Mit­ver­schul­den des Am­tes“, was ei­gent­lich zum Frei­spruch für die Be­am­tin füh­ren müs­se, ka­men die Rich­ter ge­gen die 65-Jäh­ri­ge zum Schuld­spruch.

Als Be­am­tin ha­be sie die „Pflicht ge­habt, Scha­den vom Di­enst­herrn ab­zu­wen­den“. Ge­nau das ha­be sie aber nicht ge­tan, son­dern mehr als fünf­ein­halb Jah­re die über­zo­ge­nen Ge­häl­ter kas­siert. Der Re­chen­feh­ler des Am­tes „hät­te nicht pas­sie­ren dür­fen, schon gar nicht über ei­nen so lan­gen Zei­t­raum“, er­klär­te das Ge­richt. Aber die An­ge­klag­te hät­te das früh­zei­tig mer­ken und mel­den müs­sen. Weil sie das je­doch un­ter­ließ, sei der Scha­den nach LBVRech­nung auf 237.000 Eu­ro an­ge­wach­sen.

Per Kre­dit will sie das Geld nun zu­rück­zah­len. Da­zu wur­de sie im Ur­teil als Be­wäh­rungs­auf­la­ge ver­pflich­tet. Wä­re es nach dem Staats­an­walt ge­gan­gen, wä­re die An­ge­klag­te zu an­dert­halb Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den, hät­te da­durch zwangs­läu­fig ih­ren Be­am­ten­sta­tus, kon­kret: ih­ren Pen­si­ons­an­spruch ver­lo­ren. Aber auch nach dem Ur­teil des Amts­ge­richts kann der Di­enst­herr ei­ne Ent­fer­nung der Leh­re­rin aus dem Be­am­ten­ver­hält­nis jetzt noch prü­fen.

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