Freun­des­kreis plant Um­bau für Wild­schwei­ne und Co.

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON SVEN-AN­DRÉ DREY­ER

Un­ter an­de­rem ist der Bau ei­ner neu­en Wald­schu­le ge­plant. Bau­be­ginn soll Som­mer 2017 sein.

Im Wild­schwein­ge­he­ge herrscht freudige Er­war­tung: Im­mer, wenn das Ge­räusch des Wa­gens von Hu­bert Kol­lek (57) zu hö­ren ist, wis­sen die Tie­re, dass es Früh­stück gibt. Auf der obe­ren Schwei­ne­plat­te, dem ers­ten Füt­te­rungs­be­reich un­weit des Ein­gangs, las­sen sich ins­be­son­de­re die Kei­ler Obi, Emil und Di­ckie heu­te ei­ne spe­zi­el­le Fut­ter­mi­schung aus Mais, Ge­trei­de und So­ja­pul­ver, schme­cken. „Ein Fut­ter, das die Tie­re ge­sund und bei Kräf­ten hält“, er­klärt Kol­lek. Beim Schub­sen und Grun­zen kön­nen sich die Jung­tie­re da­bei noch ei­ni­ges von den drei äl­te­ren Her­ren ab­schau­en.

Und auch ne­ben­an ist schon wie­der ei­ni­ges los. Bernd ver­sucht ein­mal mehr den Zaun, der ihn von den Be­su­chern trennt, zu über­win­den. Bernd klet­tert be­son­ders ger­ne. Und be­son­ders gut. Er ist der agils­te in der un­ge­wöhn­li­chen Wohn­ge­mein­schaft, in der er mit Gün­ther und Ur­su­la lebt. Die drei Wasch­bä­ren mit ih­ren Knopf­au­gen und ih­rer ver­meint­lich tap­si­gen Art sind die Lieb­lin­ge der Kin­der, die den ur­sprüng­lich aus Nord­ame­ri­ka stam­men­den Tie­ren ger­ne bei ih­ren wil­den Turn­ak­tio­nen zu­schau­en.

In Ei­gen­re­gie bau­en die Mit­ar­bei­ter des Wild­parks den Wasch­bä­ren der­zeit mit fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung des Freun­des­krei­ses Wild­park ei­nen neu­en Was­ser­lauf. Wäh­rend das Fun­da­ment und das Fluss­bett mit gro­ben St­ei­nen be­reits an­ge­legt sind, war­tet die So­lar­pum­pe noch dar­auf, in Be­trieb ge­nom­men zu wer­den. „Im Park ha­ben wir kei­nen Strom“, er­klärt Ni­na Jä­ger (42), „und die So­lar­an­la­ge stützt zu­sätz­lich un­se­ren Wunsch nach ei­ner öko­lo­gi­schen Aus­rich­tung der ge­sam­ten An­la­ge.“

Jä­ger ist, nach ei­ner mehr­jäh­ri­gen kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tung des Parks, heu­te für den ad­mi­nis­tra­ti­ven Ap­pa­rat hin­ter dem Wild­park zu­stän­dig. Sie ver­wal­tet den Holz­ver­kauf der rund 36 Hekt­ar gro­ßen Wald- und Grün­an­la­ge in Gra­fen­berg und ist un­ter an­de­rem für die Be­schaf­fung des Fut­ters der hier le­ben­den Tie­re zu­stän­dig. Für das Dam- und Rot­wild, für die Wild­kat­zen und die Muff­lons.

1927 ge­grün­det, ist das Kon­zept des Wild­parks noch im­mer et­was be­son­de­res. „Stadt­nah, durch zahl­rei­che Tier- und Pflan­zen­ar­ten nicht nur für Kin­der at­trak­tiv, 365 Ta­ge im Jahr ge­öff­net und für Be­su­cher kos­ten­frei“, zählt Jä­ger auf. Zu­sätz­lich dient der Wild­park auch vie­len Düs­sel­dor­fer Kin­dern aus Kin­der­ta­ges­stät­ten und Schu­len als grü­nes Klas­sen­zim­mer. Täg­lich fin­den hier Füh­run­gen statt, die teils von der Förs­te­rin selbst, teils von frei­en Mit­ar­bei­tern ge­lei­tet wer­den.

Um auch in Zu­kunft Kin­dern und wei­te­ren In­ter­es­sier­ten Schu­lun­gen im Park, in dem rund 100 Tie­re le­ben, an­bie­ten zu kön­nen, plant der Freun­des­kreis Wild­park zum 90jäh­ri­gen Be­ste­hen im kom­men­den Jahr den Neu­bau der Wald­schu­le. Wäh­rend das 1985 er­bau­te Haus, das der­zeit nicht nur als Aus­stel­lungs­raum son­dern auch als Schu­lungs­zen­trum ge­nutzt wird, deut­lich in die Jah­re ge­kom­men scheint, soll der Neu­bau als Nied­rig­ener­gie- Haus auf ei­ner Grün­flä­che un­mit­tel­bar hin­ter dem Kin­der­spiel­platz an­ge­legt wer­den. Und auch die in den 1950er Jah­ren er­rich­te­te Toi­let­ten­an­la­ge soll dann wei­chen und durch ei­nen Neu­bau un­mit­tel­bar an der neu­en Wald­schu­le er­setzt wer­den. Die Bau­kos­ten da­für lie­gen bei et­wa 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro.

Wäh­rend sich die Stadt als Bau­her­rin be­tei­ligt, sind auch be­reits vie­le Pri­vat­spen­den ein­ge­gan­gen. „Wei­te­re Spen­der sind je­doch aus­drück­lich will­kom­men“, sagt Rats­herr Rü­di­ger Gutt (55), Vor­sit­zen­der des 2011 ge­grün­de­ten Ver­eins Freun­des­kreis Wild­park. Denn ge­ra­de die Wald­schu­le sei mit ih­ren um­welt­päd­ago­gi­schen An­ge­bo­ten für Groß­stadt­kin­der ein un­ent­behr­li­cher Lern­ort, um die hei­mi­sche Na­tur und Tier­welt aus nächs­ter Nä­he er­le­ben zu kön­nen.

Auch das eher men­schen­scheue Rot­wild zeigt sich im Wild­park schon mal den Be­su­chern.

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