Ein­fa­che Lö­sun­gen in Zei­ten des Ter­rors

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON GRE­GOR MAYNTZ VON ANT­JE HÖNING VON MAR­TIN KESS­LER PO­LEN FREM­DELT MIT DEM PAPST, SEI­TE A 5

Aus dem Ab­stand von hun­dert Jah­ren frag­ten wir uns beim Blick auf den Som­mer 1914, wie ei­ne Es­ka­la­ti­on von Hass und Ge­walt aus so vie­len kom­ple­xen Pro­ble­men ei­ne schein­bar ein­fa­che Lö­sung ma­chen konn­ten: Krieg. Heu­te er­le­ben wir selbst, wie die Dis­kus­sio­nen im Netz von im­mer mehr Hass ge­trie­ben wer­den, wie die Ge­walt zu­nimmt. Schon gibt es wie­der ei­ne Re­du­zie­rung auf Krieg. Den Dschi­had, den an­geb­lich hei­li­gen Krieg ge­gen die an­geb­lich Un­gläu­bi­gen, und den Krieg ge­gen den is­la­mis­ti­schen Ter­ror.

Ein­fa­che Ant­wor­ten ha­ben er­schre­ckend Kon­junk­tur. Vie­le in­ter­es­siert nicht, dass die Tä­ter der letz­ten Ta­ge über­haupt nicht mit der Flücht­lings­dy­na­mik des ver­gan­ge­nen Herbs­tes hier­her­ka­men. Da­bei wä­re es gera­de jetzt so wich­tig, je­den Ein­zel­fall ge­nau zu prü­fen, aus je­dem Hin­weis zu ler­nen, wo Kor­rek­tu­ren nö­tig wä­ren. Statt pau­schal als Leh­re aus Ter­ror und Amok „Flücht­lin­ge raus“, „Gren­zen dicht“oder „Mer­kel weg“zu for­dern. Ein bö­ser Satz mach­te nach der Blut­tat von Mün­chen die Run­de: Will­kom­mens­kul­tur sei töd­lich. Der Weg in den Ers­ten Welt­krieg je­den­falls zeigt vor al­lem ei­nes: Töd­lich sind Stim­mun­gen, die ein­fa­che Ge­walt-Lö­sun­gen be­schwö­ren. BE­RICHT IS­LA­MIS­TEN TÖ­TEN KA­THO­LI­SCHEN . . ., TI­TEL­SEI­TE

Klu­ges Streik-Ur­teil

Das wer­den Pas­sa­gie­re, Bahn­kun­den und Pa­ti­en­ten, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von Streiks ge­quält wur­den, ger­ne hö­ren: Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­ur­teil­te die Ge­werk­schaft der Flug­si­che­rung zu Scha­den­er­satz für den Streik 2012. Das Ur­teil ist weg­wei­send und klug zu­gleich. Die Rich­ter he­beln nicht die grund­ge­setz­lich ge­schütz­te Ta­rif­au­to­no­mie aus. Ge­werk­schaf­ten kön­nen wei­ter für ih­re Zie­le kämp­fen und strei­ken. Doch die Rich­ter set­zen ih­nen kla­re Gren­zen.

Wenn es um Lohn- oder Ar­beits­zeit-Re­ge­lun­gen geht, für die noch Frie­dens­pflicht gilt, sind Streiks rechts­wid­rig. Und wer rechts­wid­rig streikt, muss für den Scha­den haf­ten. Das ist ein Dämp­fer auch für Cock­pit, GDL und Mar­bur­ger Bund, die sich im­mer mehr her­aus- und Kun­den im­mer öf­ter in Gei­sel­haft ge­nom­men ha­ben. Ei­ne Ge­werk­schaft, die Mil­lio­nen­For­de­run­gen zu be­fürch­ten hat, wird sich künf­tig gut über­le­gen, ob sie die Frie­dens­pflicht un­ter­läuft und ihr Recht auf Warn­streiks über­dehnt. Die Macht der Spar­ten­ge­werk­schaf­ten wird ge­stutzt, Streiks dürf­ten we­ni­ger wer­den – ein gu­ter Tag für Ver­brau­cher. BE­RICHT GE­RICHT: FLUG­LOT­SEN HAF­TEN FÜR STREIKS, TI­TEL­SEI­TE

Der Papst und die Po­len

Der Papst be­sucht das ka­tho­lischs­te Land der Er­de. Das sieht nach ei­nem Heim­spiel für den obers­ten Re­prä­sen­tan­ten der rö­mi­schen Kir­che aus. Das ist es aber nicht. Denn die Po­len miss­trau­en dem ka­tho­li­schen Ober­haupt.

Papst Fran­zis­kus geht für pol­ni­sche Ver­hält­nis­se viel zu stark mit der ei­ge­nen Kir­che ins Ge­richt. Sei­ne Kri­tik an Wür­den­trä­gern und über­trie­be­ner Pracht­ent­fal­tung ver­stört die Gläu­bi­gen an Weich­sel und Warthe. Für die Po­len war die Kir­che das Boll­werk ge­gen den Kom­mu­nis­mus. Die star­re Hier­ar­chie und die ri­gi­den Re­geln nah­men sie klag­los hin.

Auch in der Flücht­lings­fra­ge sind Papst und Po­len über Kreuz. Denn Fran­zis­kus mahnt zur Auf­nah­me der Frem­den, selbst wenn sie mus­li­misch sind, wäh­rend die Po­len sich lie­ber ab­schot­ten. So sehr un­se­re Nach­barn mit ih­rem re­li­gi­ös be­ein­fluss­ten Frei­heits­kampf die Welt be­ein­druckt ha­ben, die Zei­ten ha­ben sich ge­wan­delt. Fran­zis­kus hat die Tür für ei­ne mo­der­ne Kir­che auf­ge­tan, die sich auf ih­re ur­sprüng­li­chen Zie­le wie Nächs­ten­lie­be und Barm­her­zig­keit be­sinnt. Die Po­len soll­ten ihm fol­gen. BEI­TRAG

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