Kin­des­miss­brauch: Wer kennt die­sen Mann?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON GA­BI PE­TERS UND CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER

Wäh­rend die El­tern in ei­nem Mön­chen­glad­ba­cher Schnell­re­stau­rant sa­ßen, wur­de ih­re fünf­jäh­ri­ge Toch­ter auf der Da­men­toi­let­te von ei­nem un­be­kann­ten Mann miss­braucht. Der Tä­ter hat­te dort of­fen­bar auf ein Op­fer ge­war­tet.

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Das Vi­deo aus der Über­wa­chungs­ka­me­ra zeigt ei­nen Mann, der in Mön­chen­glad­bach ein Fast-Food-Re­stau­rant an der viel be­fah­re­nen Kor­schen­broi­cher Stra­ße be­tritt und so­fort den Toi­let­ten­be­reich auf­sucht. Dort wird er gut 40 Mi­nu­ten spä­ter ein fünf­jäh­ri­ges Mäd­chen miss­brau­chen. Das ha­ben auf je­den Fall die Er­mitt­lun­gen der Mön­chen­glad­ba­cher Po­li­zei er­ge­ben. Sie fahn­det seit ges­tern öf­fent­lich nach dem mut­maß­li­chen Tä­ter.

„Mög­li­cher­wei­se hat sich der Tä­ter die gan­ze Zeit in der Da­men­toi

let­te ver­steckt“

Jür­gen Lüt­zen

Po­li­zei­spre­cher

Der er­schre­cken­de Fall er­eig­ne­te sich be­reits am 23. April die­ses Jah­res. An die­sem Tag, ei­nem Sams­tag, be­such­ten die El­tern ge­mein­sam mit ih­rer fünf­jäh­ri­gen Toch­ter die „Ken­tu­cky Fried Chi­cken“-Fi­lia­le. Sie hat­ten be­reits Es­sen be­stellt und Platz ge­nom­men, als das klei­ne Mäd­chen ge­gen 19 Uhr al­lei­ne zur Da­men­toi­let­te ging. Dort muss der Tä­ter ge­war­tet ha­ben.

Nach den Vi­deo­auf­zeich­nun­gen hat­te er das Re­stau­rant ge­gen 18.20 Uhr be­tre­ten, war zu den Toi­let­ten ge­gan­gen und da­nach nicht wie­der auf­ge­taucht. „Mög­li­cher­wei­se hat er sich die gan­ze Zeit über in der Da­men­toi­let­te ver­steckt ge­hal­ten“, sagt Po­li­zei­spre­cher Jür­gen Lüt­zen. Das Mäd­chen be­rich­tet, dass der Mann plötz­lich ih­re un­ver­schlos­se­ne WC-Ka­bi­ne be­tre­ten ha­be, wo es dann zum se­xu­el­len Miss­brauch kam. „An­schlie­ßend wies er das Kind an, in der Toi­let­te zu blei­ben“, be­rich­tet Lüt­zen.

Nach der Tat ver­ließ der Mann den Toi­let­ten­be­reich, schau­te sich im Re­stau­rant noch ein­mal nach al- len Sei­ten um, ver­ließ ge­gen 19.15 Uhr den Schnell­im­biss und fuhr mit ei­nem äl­te­ren schwar­zen VW-Tou­ran da­von. Die Po­li­zei fragt, wer den ab­ge­bil­de­ten Mann kennt und Hin­wei­se zu ihm ge­ben kann. Sie hofft, dass der Tat­ver­däch­ti­ge trotz der schlech­ten Bild­qua­li­tät aus der Über­wa­chungs­ka­me­ra er­kannt wird und ver­weist auf die mar­kan­te Fri­sur des Man­nes, bei der die Haa­re an den Sei­te bei­na­he kahl ra­siert sind. Die Po­li­zei bit­tet al­le, die Hin­wei­se ge­ben kön­nen, sich un­ter der Te­le­fonn­num­mer 02161 290 zu mel­den.

Auch wenn seit der Tat be­reits drei Mo­na­te ver­gan­gen sind, hof­fen die Er­mitt­ler, dass je­mand den Mann auf den Über­wa­chungs­bil­dern er­kennt. Dass die Po­li­zei erst ein Vier­tel­jahr spä­ter mit den Auf­nah­men an die Öf­fent­lich­keit ge­gan­gen ist, kann meh­re­re Grün­de ha­ben. „Zu­nächst geht man da­von aus, dass man den Tä­ter auch oh­ne öf­fent­li­che Hil­fe zu fas­sen be­kommt. Das ist – un­ab­hän­gig von die­sem Fall – der ganz nor­ma­le Weg“, sagt Micha­el Mer­tens, stell­ver­tre­ten­der Lan­des­vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP). Das ge­sche­he so­wohl aus Grün­den des Op­fer- als auch des Tä­ter­schut­zes. Man müs­se sich gera­de bei ei­nem so schwer­wie­gen­den Vor­wurf wie des se­xu­el­len Miss­brauchs ei­nes Kin­des sehr si­cher sein, dass es sich auf dem Fo­to, das man ver­öf­fent­li­chen will, auch um den Tä­ter han­delt. „Auf der an­de­ren Sei­te will man es den Op­fern aber auch mög­lichst er­spa­ren, dass ihr Fall an die Öf­fent­lich­keit ge­rät“, be­tont Mer­tens. Letzt­lich muss ein Rich­ter ei­ner Ver­öf­fent­li­chung zu­stim­men.

Gro­ße Pro­ble­me be­rei­tet der Po­li­zei die in der Re­gel sehr schlech­te Bild­qua­li­tät der Auf­nah­men aus den Über­wa­chungs­ka­me­ras. „Wir sind meis­tens schon froh, wenn wir ei­nen Men­schen dar­auf er­ken­nen kön­nen“, sagt Mer­tens. Zwar ge­be es deut­lich bes­se­re Ka­me­ras, aber aus Kos­ten­grün­den ent­schie­den sich die meis­ten ge­gen die An­schaf­fung. „Re­stau­rant­ket­ten und Tank­stel­len zum Bei­spiel ha­ben Ka­me­ras ei­gent­lich auch nur, weil die Ver­si­che­run­gen das vor­schrei­ben. Dar­um grei­fen sie auch nur auf die bil­ligs­ten Mo­del­le zu­rück“, be­tont Mer­tens. „Ge­be es die Pflicht, hoch­auf­lö­sen­de Vi­deo­ka­me­ras zu in­stal­lie­ren, wür­de das der Po­li­zei vie­les er­leich­tern“, sagt er.

Das gilt wohl auch für den ak­tu­el­len Fall in Mön­chen­glad­bach. Auf den Fahn­dungs­bil­dern der Über­wa­chungs­ka­me­ra aus dem Schnell­re­stau­rant ist der Tä­ter nur sehr schlecht zu er­ken­nen.

FO­TOS: PO­LI­ZEI

Die Po­li­zei hat die­se drei Fahn­dungs­fo­tos ver­öf­fent­licht. Das ers­te Bild zeigt den mut­maß­li­chen Tä­ter, wie er das Re­stau­rant be­tritt und Rich­tung Toi­let­te geht. Die zwei­te Auf­nah­me ent­stand kurz nach der Tat. Er muss gera­de das WC ver­las­sen ha­ben. Auf dem drit­ten Fo­to schaut er sich im Re­stau­rant nach der Tat um.

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