So­li: Kom­mu­nen droht Nie­der­la­ge

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON DET­LEV HÜWEL

Städ­te und Ge­mein­den könn­ten mit ih­rer Kla­ge in Münster schei­tern.

MÜNSTER Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof (VGH) in Münster will am 30. Au­gust sein Ur­teil zum um­strit­te­nen Kom­mu­nal-So­li ver­kün­den. Dies er­klär­te VGH-Prä­si­den­tin Ri­car­da Brandts nach der münd­li­chen Ver­hand­lung. Der Rechts­streit dreht sich im Kern um die Fra­ge, ob das Land be­fugt ist, in die Fi­nan­zen der Städ­te und Ge­mein­den der­art ein­zu­grei­fen, wie dies beim Kom­mu­nal-So­li der Fall ist.

Bis 2022 müs­sen die fi­nanz­stär­ke­ren NRW-Kom­mu­nen, die jähr­lich neu er­mit­telt wer­den, ins­ge­samt 775 Mil­lio­nen Eu­ro zu­guns­ten von klam­men Städ­ten auf­brin­gen. Die­ses Vor­ge­hen sei recht­lich nicht zu­läs­sig und da­her ver­fas­sungs­wid­rig, sag­te der An­walt der Kom­mu­nen, Jörg Wa­cker. Das Land be­strei­tet dies. Der Kom­mu­nal-So­li sei rech­tens, weil er dem Gleich­heits­prin­zip fol­ge und die Ge­ber­städ­te nicht über­mä­ßig be­las­te. Au­ßer­dem blei­be das um­zu­ver­tei­len­de Geld in der kom­mu­na­len Fa­mi­lie, so der Rechts­wis­sen­schaft­ler Ste­fan Ko­rioth. Zu­vor hat­te Ri­car­da Brandts ähn­lich ge­sagt, dass es maß­vol­le Ein­grif­fe ge­ben kön­ne. Die­se Äu­ße­rung und die zum Teil kri­ti­schen Nach­fra­gen der Rich­ter le­gen die Ver­mu­tung na­he, dass die Kom­mu­nen mit ih­rer Kla­ge schei­tern könn­ten. Tak­tisch un­ge­schickt war, dass sie dem Ge­richt um­fang­rei­che Ta­bel­len vor­leg­ten, die auf An­hieb nicht über­prüf­bar wa­ren. Al­ler­dings ern­te­ten auch Ver­tre­ter der Lan­des­re­gie­rung höh­ni­sches Ge­läch­ter von den an­we­sen­den Kom­mu­nal­po­li­ti­kern im Ge­richts­saal. So et­wa bei der Be­haup­tung, dass sich die Steu­er­kraft ei­ner Kom­mu­ne – sie ist maß­ge­bend bei der So­li-Be­rech­nung – nicht be­ein­flus­sen las­se.

Da­ni­el Zim­mer­mann, Bür­ger­meis­ter der Stadt Monheim, die den höchs­ten So­li­da­ri­täts-Bei­trag leis­tet, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on nach der drei­stün­di­gen Ver­hand­lung, er sei froh, dass die Kom­mu­nen ih­re Ar­gu­men­te noch ein­mal hät­ten vor­tra­gen kön­nen. Die Chan­cen auf ei­nen Sieg schät­ze er auf 50 zu 50.

Wäh­rend In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) den Kom­mu­nal-So­li als ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­lich ein­stuft, be­zeich­net die CDU die Zwangs­ab­ga­be als un­ge­recht und un­ver­ant­wort­lich. Von den 86 Kom­mu­nen, die 2017 her­an­ge­zo­gen wür­den, be­fän­den sich 19 in der Haus­halts­si­che­rung. Nur sechs hät­ten ei­nen aus­ge­gli­che­nen Haus­halt.

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