Land­wir­te be­kom­men Gül­le-Ge­büh­ren zu­rück

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN -

MÜNSTER (dpa/RP) Für den Im­port von wär­me­be­han­del­ter Gül­le aus Hol­land darf das Land Nord­rheinWest­fa­len Land­wir­te nicht wei­ter­hin kräf­tig zur Kas­se bit­ten. Nach­dem die EU be­reits vor Jah­ren das dras­ti­sche An­he­ben der Im­port­ge­bühr ge­stoppt hat­te, kri­ti­sier­te jetzt auch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Münster das Vor­ge­hen des nord­rhein-west­fä­li­schen Um­welt­mi­nis­te­ri­ums. Es feh­le ei­ne ex­ak­te Kos­ten­kal­ku­la­ti­on für die Ge­neh­mi- gung im­por­tier­ter, wär­me­be­han­del­ter Gül­le.

Ge­klagt hat­ten zwei Land­wir­te, de­ren Be­schei­de durch das Lan­des­um­welt­amt (La­nuv) im Jahr 2011 plötz­lich das Viel­fa­che der Ge­bühr aus dem Vor­jahr aus­wie­sen. In ei­nem Fall wa­ren aus 50 Eu­ro Ge­bühr für rund 3000 Ton­nen Gül­le we­ni­ge Mo­na­te spä­ter rund 1500 Eu­ro für nur noch die Hälf­te der Men­ge ge­wor­den. Im an­de­ren Fall ging es um 814 Eu­ro. Das La­nuv ver­lang­te nun für den Ge­neh­mi­gungs­be­scheid ei­nen Eu­ro pro ein­ge­führ­ter Ton­ne – vor­her wa­ren es gan­ze 1,6 Cent. Das Ge­richt schlug ges­tern die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens vor und hob die über­zo­ge­nen Ge­büh­ren­be­schei­de auf. Be­din­gung: Es bleibt bei der bis da­hin ver­an­schlag­ten Ge­bühr von 50 Eu­ro und das La­nuv trägt die Kos­ten des Ver­fah­rens. Al­le Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten wa­ren ein­ver­stan­den und er­klär­ten den Rechts­streit da­mit für er­le­digt.

In der münd­li­chen Ver­hand­lung zeig­te sich das Ver­wal­tungs­ge­richt sicht­lich ir­ri­tiert über das Ver­hal­ten des La­nuv. „Was ist ei­gent­lich die Mo­ti­va­ti­on für das Ver­fah­ren hier?“, frag­te die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin. Die Rechts­la­ge sei doch seit Jah­ren klar, auch höchst­rich­ter­lich im Bund und Eu­ro­pa ge­be es meh­re­re Ent­schei­dun­gen. Das Land müs­se schon ei­ne plau­si­ble Kal­ku­la­ti­on vor­le­gen, die die Kos­ten ei­nes Ge­neh­mi­gungs­be­schei­des be­grün­det. Die feh­le aber bis heu­te. „Bei die­sem Ge­büh­ren­tat­be­stand gibt es ein Struk­tur­pro­blem“, sag­te das Ge­richt und mach­te ei­ne Rech­nung auf. Wer 100.000 Ton­nen Gül­le be­an­tra­ge, müs­se nach Rech­nung des Lan­des 100.000 Eu­ro zah­len, das kön­ne nicht sein. Bei so kla­ren An­sa­gen des OVG ga­ben die Lan­des­ver­tre­ter nach ei­ner kur­zen Be­ra­tungs-Un­ter­bre­chung nach. Die EU hat­te be­reits 2011 die Ge­bühr als zoll­glei­che Ab­ga­be ver­bo­ten.

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