IN NRW

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Hat nie­mand den Schwin­del be­merkt?

Die Re­ak­tio­nen auf den Rie­sen­schwin­del der SPD-Po­li­ti­ke­rin Pe­tra Hinz reich­ten in der ver­gan­ge­nen Wo­che von Un­ver­ständ­nis und Ent­täu­schung bis hin zu Schock und blan­kem Zorn. 30 Jah­re lang hat die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te aus Es­sen ei­nen Schul- und Stu­di­en­ab­schluss vor­ge­gau­kelt: Die 54-Jäh­ri­ge ist kei­ne Ju­ris­tin, son­dern – ge­lin­de ge­sagt – ei­ne Blen­de­rin.

Ganz gleich, ob dies ju­ris­ti­sche Schrit­te nach sich zie­hen wird: Hinz hat sich mit ih­rem spä­ten Ein­ge­ständ­nis ins po­li­ti­sche Aus ka­ta­pul­tiert und zu­gleich ih­rer Par­tei schwers­ten Scha­den zu­ge­fügt.

Gera­de die SPD in Es­sen hat im­mer wie­der für Fu­ro­re ge­sorgt. So hat­te die da­ma­li­ge Es­se­ner Par­tei­che­fin den SPD-Ober­bür­ger­meis­ter mas­siv at­ta­ckiert und da­mit 2015 zu des­sen Wahl­nie­der­la­ge bei­ge­tra­gen. Zu Jah­res­be­ginn mach­te dann ein Teil der Es­se­ner SPD Front ge­gen den wei­te­ren Zu­zug von Asyl­be­wer- bern in den Nor­den der Stadt. Die Lan­des­vor­sit­zen­de Han­ne­lo­re Kraft konn­te gera­de noch ver­hin­dern, dass da­zu ei­ne De­mo („Ge­nug ist ge­nug“) statt­fand.

Der hef­ti­ge in­ner­par­tei­li­che Streit um die Flücht­lings­po­li­tik (ein SPDRats­herr ist in­zwi­schen zur AfD über­ge­wech­selt) war das zen­tra­le The­ma auf dem Es­se­ner Un­ter­be­zirks­par­tei­tag im Mai. Es war Pe­tra Hinz, die da­zu auf­rief, „Sei­te an Sei­te“zu ste­hen und ein Si­gnal der Ge­schlos­sen­heit aus­zu­sen­den. Die Es­se­ner Par­tei dür­fe sich nicht spal­ten las­sen. „Wir sind ei­ne SPD“, rief sie den De­le­gier­ten zu.

Wenn die Ge­nos­sen sich die­se Mah­nung in Er­in­ne­rung ru­fen, dürf­te sich ih­nen der Ma­gen um­dre­hen. Die her­be Nie­der­la­ge bei der OB-Wahl und der Flücht­lings­streit ha­ben der Par­tei schon schwer ge­nug zu schaf­fen ge­macht. Wie at­trak­tiv und vor al­lem wie glaub­wür­dig ist die SPD jetzt noch für die Wäh­ler in Es­sen bei den Land­tags- und Bun­des­tags­wah­len im nächs­ten Jahr?

Hier muss der neue Es­se­ner SPDVor­sit­zen­de, Jus­tiz­mi­nis­ter Tho­mas Kut­scha­ty, wohl noch viel Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten. In der Af­fä­re Hinz hat er sich al­ler­dings nicht gera­de mit Ruhm be­kle­ckert, son­dern zu­nächst ih­ren Ver­zicht auf ei­ne neue Bun­des­tags­kan­di­da­tur be­dau­ert. Mit ziem­li­cher Ver­spä­tung hat er sie dann auf­ge­for­dert, das Man­dat um­ge­hend nie­der­zu­le­gen.

Kut­scha­ty ist üb­ri­gens wie Hinz „wasch­ech­ter“Es­se­ner und war lan­ge Zeit wie sie Par­tei­vi­ze in der Ruhr­me­tro­po­le. Es bleibt schlei­er­haft, wie auch ihm, dem aus­ge­bil­de­ten Ju­ris­ten, die bio­gra­fi­sche Hoch­sta­pe­lei der Ge­nos­sin ent­ge­hen konn­te. Hat denn nie­mand sonst in der Par­tei den Schwin­del im Le­bens­lauf von Pe­tra Hinz ent­deckt? Oder soll­te er nicht auf­ge­deckt wer­den? Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rhei­ni­sche-post.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.