Tsi­pras ver­spricht „neu­es Grie­chen­land“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Volks­ab­stim­mun­gen zu al­len wich­ti­gen The­men sol­len die di­rek­te De­mo­kra­tie stär­ken.

AT­HEN (höh) Grie­chen­land steht vor dem tiefs­ten Ein­schnitt in sei­nem po­li­ti­schen Sys­tem seit dem En­de der Obris­ten­dik­ta­tur 1974 – so­fern sich das re­gie­ren­de Links­bünd­nis Sy­ri­za mit sei­nen Plä­nen für ei­ne Ver­fas­sungs­re­form durch­set­zen kann. Mit Volks­ab­stim­mun­gen sol­len die Wäh­ler künf­tig mehr Mit­spra­che­recht ha­ben.

Mi­nis­ter­prä­si­dent Al­exis Tsi­pras hat­te die Vor­schlä­ge am Mon­tag­abend bei ei­ner Ver­an­stal­tung in At­hen un­ter dem Mot­to „Grie­chen­land 2021“er­läu­tert – ei­ne An­spie­lung auf das Jahr 1821, den Be­ginn des grie­chi­schen Un­ab­hän­gig­keits­kamp­fes ge­gen die tür­ki­schen Be­sat­zer. Grie­chen­land ha­be nach dem Sturz der Mi­li­tär­dik­ta­tur vor 42 Jah­ren zwar die längs­te de­mo­kra­ti- sche Ära sei­ner jün­ge­ren Ge­schich­te er­lebt, sag­te Tsi­pras. Zu­gleich er­klär­te er aber, das po­li­ti­sche Sys­tem des Lan­des ste­he vor dem „Bank­rott“. Das Land sei reif für ei­nen Wan­del, sag­te Tsi­pras und griff da­mit ei­nen Slo­gan auf, den der So­zia­list Andre­as Pa­pand­reou En­de der 70er Jah­re ge­prägt hat­te.

Dies­mal soll der Wan­del aber di­rekt aus dem Volk kom­men: Zu al­len wich­ti­gen The­men will Tsi­pras Volks­ab­stim­mun­gen ver­an­stal­ten. So sol­len die Wäh­ler dar­über ent­schei­den, wel­che Sou­ve­rä­ni­täts­rech­te ihr Land an in­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­tio­nen wie die Eu­ro­päi­sche Uni­on ab­tre­ten darf. Tsi­pras öff­net da­mit ei­ne Tür zu ei­nem mög­li­chen Aus­tritt sei­nes Lan­des aus der EU. Po­li­ti­sche Spreng­kraft hat auch der Vor­schlag, in der Ver­fas­sung ein Staats­mo­no­pol bei der Was­se­r­und Strom­ver­sor­gung des Lan­des fest­zu­schrei­ben.

Die Re­form­vor­schlä­ge se­hen die Di­rekt­wahl des Staats­prä­si­den­ten vom Volk vor, so­fern sich im Par­la­ment kei­ne Mehr­heit für ein Staats­ober­haupt fin­det. Au­ßer­dem will Tsi­pras die Kom­pe­ten­zen des Prä­si­den­ten er­wei­tern: Er soll Ge­set­ze auf ih­re Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit prü­fen las­sen kön­nen. Ab­ge­ord­ne­te dür­fen nach den Re­form­plä­nen höchs­tens zwei je vier­jäh­ri­ge Le­gis­la­tur­pe­ri­oden im Par­la­ment sit­zen. Da­mit will Tsi­pras Kor­rup­ti­on und Vet­tern­wirt­schaft be­kämp­fen. Neu ord­nen will Tsi­pras auch das Ver­hält­nis von Staat und Kir­che: Künf­tig soll der Staat „re­li­giö­se Neu­tra­li­tät“wah­ren.

Tsi­pras schlug vor, im Herbst ei­ne Kom­mis­si­on ein­zu­set­zen, die bis zum Früh­jahr ei­nen neu­en Ver­fas­sungs­ent­wurf aus­ar­bei­tet. Er rief die Be­völ­ke­rung auf, sich an der De­bat­te, die zu ei­nem „neu­en Grie­chen­land“füh­ren wer­de, zu be­tei­li­gen. Die Op­po­si­ti­on warf Tsi­pras vor, er wol­le mit sei­nen Vor­schlä­gen von der schlech­ten Wirt­schafts­la­ge, der ho­hen Ar­beits­lo­sig­keit und sei­ner „ge­schei­ter­ten Po­li­tik“ab­len­ken.

Das Ver­hält­nis zur Kir­che soll sich än­dern: Künf­tig soll der Staat „re­li­giö­se Neu­tra­li­tät“

wah­ren

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