Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät im Netz

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON DA­NI­EL FIENE UND HEN­NING BULKA

Im so­ge­nann­ten Dar­knet gibt es Waf­fen und Por­nos zu kau­fen. Doch die Po­li­zei rüs­tet tech­nisch auf.

DÜSSELDORF Wie un­kon­trol­lier­bar ist das Dar­knet? Die­se Fra­ge rund um das eng­li­sche Wort für „dunk­les Netz“wird spä­tes­tens dis­ku­tiert, seit­dem sich die Mün­che­ner Er­mitt­ler si­cher sind, dass der Amok­läu­fer Da­vid S. sei­ne Waf­fe dort be­sorg­te. Der Teil des In­ter­nets ist nicht über den klas­si­schen Brow­ser er­reich­bar und gilt als Treff­punkt für Kri­mi­nel­le und als Um­schlag­platz für il­le­ga­le Di­enst­leis­tun­gen und Wa­ren. Nach An­ga­ben des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes be­wegt sich die or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät in die­sem Be­reich zwar auf ei­nem nied­ri­gen Ni­veau, die Zah­len wür­den je­doch stei­gen.

Auch die Lan­des­be­hör­den be­schäf­tigt das The­ma. So hat das Lan- de­s­kri­mi­nal­amt NRW 2011 das Cy­ber­cri­me-Kom­pe­tenz­zen­trum ge­grün­det. Mitt­ler­wei­le ar­bei­ten hier 100 Spe­zia­lis­ten, die ne­ben so­zia­len Netz­wer­ken auch das Dar­knet im Au­ge ha­ben. „Es gibt vie­le Din­ge zu kau­fen, auch Waf­fen oder Kin­der­por­nos“, er­klärt LKA-Spre­cher Frank Scheu­len. Wie ge­nau die Be­am­ten bei ih­rer On­li­ne-Strei­fe vor­ge­hen, will er aus er­mitt­lungs­tak­ti­schen Grün­den nicht ver­ra­ten. Doch er gibt zu: „Das Dar­knet ist dar­auf an­ge­legt, nicht kon­trol­lier­bar zu sein. Ver­schlüs­se­lun­gen wer­den ein­ge­setzt, Ser­ver be­fin­den sich im Aus­land. Das be­hin­dert ei­ne ef­fek­ti­ve Po­li­zei­ar­beit.“

Trotz­dem ge­be es Er­fol­ge. Dem LKA wa­ren Bil­der ei­nes Jun­gen zu­ge­spielt wor­den, der wie ein Skla­ve in ei­nem Kä­fig ge­hal­ten und zum se­xu­el­len Miss­brauch an­ge­bo­ten wur­de. „Ein­ein­halb Jah­re ha­ben wir er­mit­telt. Schließ­lich konn­te der Rech­ner in den USA auf­ge­spürt, der Jun­ge be­freit und sein Va­ter, der Tä­ter, fest­ge­nom­men wer­den.“Ab­so­lu­te An­ony­mi­tät gibt es in der Schat­ten­welt des In­ter­nets nicht mehr.

„Das Dar­knet ist ein nicht so dunk­ler Ort, wenn man mit der Ta­schen­lam­pe rein­leuch­tet“, er­klärt der Düs­sel­dor­fer Straf­recht­ler Udo Vet­ter. Die tech­ni­sche Auf­rüs­tung der Straf­ver­fol­ger zei­ge Wir­kung. „Da wird man als An­walt blass, was die in kür­zes­ter Zeit her­aus­fin­den. Die Be­hör­den be­we­gen sich mit den Kri­mi­nel­len auf Au­gen­hö­he.“

Sich im Dar­knet um­zu­se­hen und dort zu kom­mu­ni­zie­ren, ist nicht straf­bar. Erst die Hand­lun­gen kön­nen straf­bar sein. An­ony­mi­tät im Netz gibt es au­ßer­dem schon mit sim­plen Ver­schlüs­se­lungs­pro­gram­men. „Die Kri­mi­na­li­tät wird nicht nur von Mas­ter­minds be­herrscht“, weiß Vet­ter aus Er­fah­rung. Für Vet­ter liegt das Pro­blem nicht in der Ver­schla­gen­heit des Dar­knets, son­dern in ver­schlüs­sel­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on, an­ony­mi­sier­ten Be­zahl­we­gen und vor al­lem miss­brauchs­an­fäl­li­ger Lo­gis­tik. „Ir­gend­wie muss die Waf­fe ja auch an den Mün­che­ner Amok­läu­fer ge­lie­fert wor­den sein. Hier fal­len im­mer wie­der Pack­statio­nen auf“, er­klärt Vet­ter. Es gibt Fäl­le, in de­nen mit Hil­fe ge­klau­ter Iden­ti­tä­ten Be­stel­lun­gen aus dem Dar­knet in nor­ma­len Pack­statio­nen aus­ge­lie­fert wur­den.

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