Com­merz­bank-Ge­winn brö­ckelt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

Die Kern­ka­pi­tal­quo­te des Geld­hau­ses liegt nur noch bei 11,5 Pro­zent.

FRANKFURT (rtr) Der an­ge­peil­te Mil­li­ar­den­ge­winn rückt für die Com­merz­bank in im­mer wei­te­re Fer­ne. Nach ei­nem schwa­chen Jah­res­auf­takt schrumpf­te der Über­schuss auch im zwei­ten Quar­tal – um knapp ein Drit­tel auf 209 Mil­lio­nen Eu­ro, wie Deutsch­lands zweit­größ­te Bank mit­teil­te. Die Nied­rig­zin­sen fres­sen sich tief in die Bi­lanz, und die Kre­dit­nach­fra­ge im Kern­ge­schäft mit dem Mit­tel­stand schwä­chelt. Der neue Vor­stands­chef Mar­tin Ziel­ke hat­te schon im Mai ge­warnt, dass es schwie­rig wer­de, das Vor­jah­res­er­geb­nis von mehr als ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro zu wie­der­ho­len. Er steht nun un­ter Druck, die Kos­ten zu sen­ken. Im­mer mehr zum Pro­blem wird die dün­ner wer­den­de Ka­pi­tal­de­cke.

Den­noch will Ziel­ke an der ver­an­schlag­ten Di­vi­den­de von 20 Cent je Ak­tie nicht rüh­ren. Bör­sia­ner re­agier­ten trotz­dem ver­schnupft. Die Com­merz­bank-Ak­tie stürz­te um sechs Pro­zent ab auf 5,47 Eu­ro und war da­mit größ­ter Dax-Ver­lie­rer.

Zu­letzt hat­ten Fi­nanz­ti­tel auf brei­ter Front ver­lo­ren. Grund sind Ängs­te vor ei­ner neu­en Ban­ken­kri­se in Eu­ro­pa, weil vor al­lem ita­lie­ni­sche In­sti­tu­te noch ei­nen Berg fau­ler Kre­di­te von 360 Mil­li­ar­den Eu­ro vor sich her schie­ben. Dort ist in­zwi­schen ei­ne De­bat­te über ein neu­es Ret­tungs­pa­ket ent­brannt. In wel­cher Ver­fas­sung die Ban­ken auf dem Kon­ti­nent sind, dürf­te sich am Frei­tag zei­gen. Dann wer­den die Er­geb­nis­se des dies­jäh­ri­gen eu­ro­pa­wei­ten Stress­tests ver­öf­fent­licht.

Das mach­te die Händ­ler auch mit Blick auf die Com­merz­bank ner­vös: De­ren Ka­pi­tal­de­cke ist über­ra­schend ge­schrumpft. En­de Ju­ni kam sie nur noch auf ei­ne har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te von 11,5 Pro­zent. Drei Mo­na­te vor­her wa­ren es noch zwölf Pro- zent. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank als Ober­auf­se­he­rin will bei der Com­merz­bank bis 2019 ei­ne Quo­te von 11,75 Pro­zent se­hen. Bis­her galt hier­zu­lan­de vor al­lem die Deut­sche Bank als schwach ka­pi­ta­li­siert.

Of­fen­bar be­wer­te­te die Com­merz­bank ih­re Bi­lanz­ri­si­ken zu lax – das las­sen die Re­gu­lie­rer nicht mehr gel­ten. Hö­he­re Ri­si­ko­auf­schlä­ge für ita­lie­ni­sche Staats­an­lei­hen hin­ter­lie­ßen eben­falls Spu­ren. Das En­ga­ge­ment ist ge­wal­tig: En­de März war die Com­merz­bank mit elf Mil­li­ar­den Eu­ro in Ita­li­en in­ves­tiert.

Ob Ziel­ke von den noch von sei­nem Vor­gän­ger Mar­tin Bles­sing aus­ge­ge­be­nen Ge­winn­erwar­tun­gen end­gül­tig ab­rückt, wird die Bank wohl erst am kom­men­den Di­ens­tag sa­gen. Ei­ne Spre­che­rin ver­wies auf den 2. Au­gust, an dem der voll­stän­di­ge Quar­tals­be­richt ver­öf­fent­licht wird.

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