Mit Hil­fe des Chefs fürs Al­ter spa­ren

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK QU­EL­LE: BMAS 2015 | FO­TO: DPA | GRA­FIK: C. SCHNETTLER

Ein be­lieb­tes In­stru­ment für die Al­ters­vor­sor­ge ist die Be­triebs­ren­te. Sie lohnt vor al­lem dann, wenn die Fir­ma ei­nen Teil da­zu­gibt.

DÜSSELDORF Ei­nes der drei Stand­bei­ne beim Spa­ren fürs Al­ter ist die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, im Volks­mund auch kurz „Be­triebs­ren­te“ge­nannt. Für den Be­schäf­tig­ten dürf­te es die be­quems­te Art sein, zu­sätz­li­che für den Ru­he­stand vor­zu­sor­gen. Schließ­lich ge­hen die Bei­trä­ge di­rekt vom Brut­to­lohn ab. Ar­beit­neh­mer ha­ben ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch dar­auf, dass ein Teil ih­res Ein­kom­mens in die be­trieb­li­che Vor­sor­ge fließt, über die Art der Durch­füh­rung – Pen­si­ons­zu­sa­ge, Un­ter­stüt­zungs­kas­se, Di­rekt­ver­si­che­rung, Pen­si­ons­kas­se oder Pen­si­ons­fonds – ent­schei­det der Ar­beit­ge­ber.

Doch ist das In­stru­ment an­ge­sichts der Null­zins-Po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank über­haupt noch sinn­voll? Ja, sagt der Duis­bur­ger Ren­ten­ex­per­te Reinhold Schna­bel: „Ei­ne Be­triebs­ren­te lohnt sich in ers­ter Li­nie für nor­mal so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­te – al­so für et­wa 90 Pro­zent der Er­werbs­tä­ti­gen in Deutsch­land.“Zwar ka­men zu­letzt im­mer wie­der Zwei­fel auf, wie si­cher die Be­triebs­ren­ten in der Nied­ring­zins­pha­se sei­en. Ein­zel­ne Kas­sen könn­ten bald wo­mög­lich nicht mehr aus ei­ge­ner Kraft die zu­ge­sag­te Leis­tung er­brin­gen, warn­te die Fi­nanz­auf­sicht Bafin. Doch Fi­nanz­wirt­schafts-Pro­fes­sor Schna­bel sieht das an­ders: „Ich war­ne da­vor, an­ge­sichts des nied­ri­gen Zins­ni­veaus in Pa­nik zu ver­fal­len. Denn wer ei­ne Be­triebs­ren­te ab­schließt, pro­fi­tiert im­mer noch sehr stark.“Auch wenn sich ei­ne mög­li­che Über­schuss­ren­di­te von der­zeit durch­schnitt­lich knapp drei Pro­zent zu­nächst nied­rig an­hö­re, müs­se man be­den­ken, dass die In­fla­ti­on bei null Pro­zent lie­ge. In­so­fern hand­le es sich um ei­ne rea­le Ren­di­te von drei Pro­zent. „Soll­te die In­fla­ti­on – et­wa auf­grund stei­gen­der Ener­gie­prei­se – wie­der stei­gen, wird die EZB auch ent­spre­chend re­agie­ren und die Zin­sen an­he­ben. Das wür­de sich dann et­was spä­ter auch auf die Be­triebs­ren­te aus­wir­ken“, sagt Schna­bel.

Oh­ne­hin hät­ten sich die Ver­si­che­rer we­gen der Null­zins-Po­li­tik der No­ten­bank längst nach al­ter­na­ti­ven An­la­ge­mög­lich­kei­ten um­ge­se­hen, da­mit sie die Über­schuss­ren­di­ten nicht aus­schließ­lich mit si­che­ren Bun­des­an­lei­hen er­wirt­schaf­ten Die Zahl der Be­schäf­tig­ten mit ak­ti­ven An­wart­schaf­ten auf ei­ne Be­triebs­ren­te be­trug...* Von al­len so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten er­wer­ben An­sprü­che auf ei­ne Be­triebs­ren­te...* müss­ten, so Schna­bel: „Die Kon­zer­ne sind sehr stark in Im­mo­bi­li­en in­ves­tiert, auch Ver­kehrs­in­fra­struk­tur­pro­jek­te oder et­wa un­ge­wöhn­li­che In­vest­ments in Wäl­der, aber auch klas­si­sche Din­ge wie Ak­ti­en ge­hö­ren zu de­ren Port­fo­lio.“In­so­fern gel­te für den Spa­rer: Auf dem Spar­buch gibt es null Pro­zent, bei der Be­triebs­ren­te im­mer­hin ei­ne Ren­di­te.

Al­ler­dings müs­sen die Be­schäf­tig­ten da­bei meh­re­re Din­ge im Blick be­hal­ten: Die Ren­te im Ru­he­stand muss voll ver­steu- ert wer­den. Soll hei­ßen: Wer ab Ren­ten­ein­tritt 300 Eu­ro mo­nat­lich aus sei­ner Be­triebs­ren­te be­kommt, der er­höht da­mit sein zu ver­steu­ern­des Jah­res­ein­kom­men um 3600 Eu­ro im Jahr. Zu­dem müs­sen auf Be­triebs­ren­ten, die mehr als 145,25 Eu­ro im Mo­nat brin­gen, Bei­trä­ge für die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung ent­rich­tet wer­den.

All dies ist nach An­ga­ben von Ren­ten­ex­per­te Schna­bel aber bes­ser, als wäh­rend der Er­werbs­tä­tig­keit ein hö­he­res Ein­kom­men zu ha- ben und dar­auf Steu­ern und Ab­ga­ben zah­len zu müs­sen: „Bei der Be­triebs­ren­te kann man aus dem un­ver­steu­er­ten Ein­kom­men spa­ren – al­so gibt der Staat in­di­rekt et­was da­zu.“Denn Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben müs­sen dann nur auf das um den Spar­be­trag ge­min­der­te Ein­kom­men ge­zahlt wer­den. „Man ver­schiebt das Zah­len von Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben da­mit in die Zu­kunft. Das ist in­so­fern sinn­voll, als man über Jahr­zehn­te ge­spart hat und am En­de des Le­bens ei­nen viel nied­ri­ge­ren Steu­er­satz zah­len muss.“Zu­dem ent­fal­len bei der Zah­lung im Ru­he­stand Ab­ga­ben für die Ar­beits­lo­sen- und die Ren­ten­ver­si­che­rung. Al­ler­dings heißt ein nied­ri­ge­res Ein­kom­men in der Er­werbs­zeit auch, dass die ge­setz­li­che Ren­te sinkt, das El­tern­geld nied­ri­ger ist und ein ge­rin­ge­res Kran­ken­geld im Krank­heits­fall ge­zahlt wird.

Trotz­dem ist die Be­triebs­ren­te sinn­voll – ins­be­son­de­re dann, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nen An­teil da­zu­gibt. Ver­pflich­tet da­zu ist er je­doch nicht. In gro­ßen In­dus­trie­un­ter­neh­men und Ban­ken ist ein sol­cher Ar­beit­ge­ber­zu­schuss aber üb­lich, in klei­ne­ren Fir­men da­ge­gen sel­te­ner.

Wor­auf soll­ten Spa­rer au­ßer­dem noch ach­ten? Schna­bel nennt die Por­ta­bi­li­tät: „Ich muss in der La­ge sein, den Ar­beits­platz zu wech­seln, oh­ne An­sprü­che zu ver­lie­ren.“Bei äl­te­ren Ver­trä­gen war es frü­her so, dass der Ar­beit­ge­ber oft ei­ne Ablauf­leis­tung ga­ran­tiert hat. Das heißt: Der Be­trag, der am En­de fließt, wird vom Un­ter­neh­men ga­ran­tiert – in ei­ner Nied­rig­zins­pha­se zahlt der Kon­zern dann na­tür­lich drauf – wie zu­letzt bei­spiels­wei­se bei Daim­ler. Der Kon­zern muss­te sei­ne Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen um 1,8 Mil­li­ar­den Eu­ro auf­sto­cken. „Mit Ablauf­leis­tun­gen ha­ben die Fir­men die Be­schäf­tig­ten na­tür­lich sehr stark an sich ge­bun­den, weil bei ei­nem Un­ter­neh­mens­wech­sel An­sprü­che ent­fal­len“, sagt Schna­bel. Doch das spie­le in­zwi­schen oh­ne­hin ei­ne viel ge­rin­ge­re Rol­le: „Bei den neue­ren Ver­trä­gen wird in der Re­gel nicht mehr die Ablauf­leis­tung ga­ran­tiert, son­dern die ein­ge­zahl­te Sum­me wäh­rend der Spar­pha­se.“

Ein letz­ter Vor­teil für den Spa­rer: Er muss sich – an­ders als beim Ak­ti­en­de­pot – nicht selbst um ei­ne In­vest­ment­stra­te­gie küm­mern. Das Port­fo­lio-Ma­nage­ment über­nimmt der An­bie­ter der Be­triebs­ren­te.

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