SPD kri­ti­siert Grö­hes Arz­nei­mit­tel­re­form

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON J. DRE­BES UND B. MAR­SCHALL

Der Ge­sund­heits­mi­nis­ter will die Me­di­ka­men­ten­prei­se der Öf­fent­lich­keit künf­tig vor­ent­hal­ten.

BER­LIN Die SPD lehnt ei­nen wich­ti­gen Teil des von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) vor­ge­leg­ten Ge­setz­ent­wurfs zur Arz­nei­mit­tel­re­form ab. Es dür­fe nicht sein, dass die Prei­se neu­er Me­di­ka­men­te nur noch ver­trau­lich be­han­delt wür­den und der Öf­fent­lich­keit nicht mehr zu­gäng­lich sein soll­ten, sag­te SPD-Ge­sund­heits­ex­per­te Karl Lau­ter­bach un­se­rer Re­dak­ti­on. „Das ist ein pri­mi­ti­ves Ma­nö­ver der Phar­ma­in­dus­trie. Sie meint: Wenn skan­da­lös ho­he Prei­se der Öf­fent­lich­keit ver­bor­gen blei­ben, dann gibt es dar­über auch kei­ne Auf­re- gung. Das wird die SPD aber nicht mit­ma­chen“, sag­te Lau­ter­bach.

Grö­hes Ent­wurf ei­nes „Ge­set­zes zur Stär­kung der Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung“soll gleich meh­re­re Zie­le er­rei­chen. Die Re­form soll ei­ner­seits die Stand­ort­be­din­gun­gen der Phar­ma­in­dus­trie ver­bes­sern, an­de­rer­seits aber den Kos­ten­an­stieg bei den Arz­nei­mit­teln brem­sen. Ur­sprüng­lich hat­te die In­dus­trie durch­set­zen wol­len, dass selbst Ärz­te und Apo­the­ker die Markt­prei­se neu­er Me­di­ka­men­te nicht er­fah­ren soll­ten. Nun steht im Ge­setz­ent­wurf: Der Er­stat­tungs­be­trag für Arz­nei­en, den die Kas­sen be­zah­len, „ist künf­tig ver­trau­lich und darf nur sol- chen In­sti­tu­tio­nen mit­ge­teilt wer­den, die ihn zur Er­fül­lung ih­rer ge­setz­li­chen Auf­ga­ben be­nö­ti­gen“. Mit „In­sti­tu­tio­nen“sei­en auch Ärz­te und Apo­the­ker ge­meint, hieß es in Re­gie­rungs­krei­sen. Die Öf­fent­lich­keit – al­so Pa­ti­en­ten und Me­di­en – sol­len über die Prei­se je­doch nichts er­fah­ren dür­fen. Dies will die SPDFrak­ti­on Grö­he aber nicht durch­ge­hen las­sen, wie Lau­ter­bach er­klär­te.

Der Ge­setz­ent­wurf sieht über­dies vor, das be­ste­hen­de Preis­mo­ra­to­ri­um für neue Me­di­ka­men­te bis 2022 zu ver­län­gern. Da­durch sol­len den Kas­sen 1,5 bis zwei Mil­li­ar­den Eu­ro er­spart blei­ben. Die Frei­heit der Her­stel­ler bei der Preis­set­zung bei neu­en Me­di­ka­men­ten im ers­ten Jahr soll auf 250 Mil­lio­nen Eu­ro be­grenzt wer­den. Da­durch sol­len Vor­komm­nis­se wie beim He­pa­ti­tis-CPrä­pa­rat So­val­di ver­hin­dert wer­den. Der Her­stel­ler Gi­lead hat­te mit hor­ren­den Prei­sen mehr als 500 Mil­lio­nen Eu­ro um­ge­setzt.

Die Apo­the­ker sol­len zu­dem durch hö­he­re Pau­scha­len 100 Mil­lio­nen Eu­ro mehr im Jahr er­hal­ten. Auch das se­he die SPD kri­tisch, sag­te Lau­ter­bach. Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) zö­gert noch, die Er­hö­hung der je Pa­ckung von den Kas­sen zu zah­len­den Be­ar­bei­tungs­pau­scha­le von 8,35 Eu­ro brut­to an Apo­the­ker zu ge­neh­mi­gen.

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