Har­ting: „Schä­me mich für Tho­mas Bach“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT -

Der Dis­kus-Olym­pia­sie­ger kri­ti­siert den IOC-Prä­si­den­ten mas­siv. Der ver­tei­digt die Ent­schei­dun­gen.

KI­EN­BAUM (sid/dpa)) Ver­ab­scheu­ungs­wür­dig, pein­lich, ekel­haft, ent­täu­schend: Dis­kus-Star Robert Har­ting hat den deut­schen IOC-Prä­si­den­ten Tho­mas Bach nach der Olym­pia-Zu­las­sung rus­si­scher Sport­ler trotz mas­si­ven Do­ping­be­trugs mit schar­fen Wor­ten at­ta­ckiert. „Ich per­sön­lich ver­ab­scheue die­sen Men­schen mehr denn je“, sag­te der Olym­pia­sie­ger von London. Am Sonn­tag hat­ten Bach und sein Exe­ku­tiv-Ko­mi­tee trotz der Ent­hül­lun­gen im McLa­ren-Re­port der Welt-An­ti-Do­ping-Agen­tur Wada be­schlos­sen, ein rus­si­sches Team un­ter be­stimm­ten Auf­la­gen für die Spie­le an der Co­paca­ba­na zu­zu­las­sen. Seit Sonn­tag sind ne­ben den 68 ge­sperr­ten Leicht­ath­le­ten ins­ge­samt 40 (dar­un­ter 22 Ru­de­rer) wei­te­re für Bra­si­li­en ge­sperrt wor­den. Da­bei han­delt es sich um Sport­ler aus sie­ben ver­schie­de­nen Sport­ar­ten.

Har­ting ist den­noch scho­ckiert über die IOC-Ent­schei­dung: „Tho­mas Bach ist für mich Teil des Do­ping-Sys­tems, nicht des An­ti-Do­ping-Sys­tems. Ich schä­me mich für ihn.“Bach ha­be kurz vor Be­ginn der Spie­le in Rio de Janei­ro (5. bis 21. Au­gust) „kei­ner­lei In­ter­es­se, den Schmerz“der sau­be­ren Ath­le­ten „zu füh­len“. Das IOC und Bach ha­ben „ei­ne neue Ent­täu­schungs­di­men­si­on er­reicht“, sag­te der 31 Jah­re al­te Ber­li­ner. Die Ent­wick­lun­gen der ver­gan­ge­nen Ta­ge, ein rus­si­sches Team trotz der Be­wei­se für ein sys­te­ma­ti­sches und staat­lich ge­schütz­tes Do­ping­sys­tem nach Rio zu las­sen, sei „ein­fach pein­lich“.

Har­ting ha­be sich schon ge­fragt, ob Bach als IOC-Prä­si­dent „noch trag­bar ist. Aber ich al­lei­ne wer­de da nichts ver­än­dern kön­nen.“Nur ei­ne „Al­li­anz aus Wirt­schaft, Me­di­en und Po­li­tik“kön­ne Bach ernst­haft in Bedrängnis brin­gen.

Dass die rus­si­schen Leicht­ath­le­ten im Ge­gen­satz zu Ath­le­ten an­de­rer Sport­ar­ten in­ter­na­tio­nal wei­ter ge­sperrt sind, be­zeich­ne­te Har­ting als „rich­ti­ge Maß­nah­me“. Zu­dem setzt er sich für Whist­leb­lo­we­r­in Ju­lia Ste­pa­no­wa ein. Zwar ha­be die 800-mLäu­fe­rin der Leicht­ath­le­tik mit ih­rer Do­ping­ver­gan­gen­heit „Scha­den zu­ge­fügt. Aber der Scha­den, den sie von der Leicht­ath­le­tik ab­ge­wen­det hat, ist viel grö­ßer.“Ein Start Ste­pa­no­was wä­re ein „Schlag ins Gesicht von Wla­di­mir Pu­tin ge­we­sen“, mein­te Har­ting.

Auf die hef­ti­ge Kri­tik von Dis­kusOlym­pia­sie­ger Robert Har­ting re­agier­te Tho­mas Bach deut­lich und nennt sie „ei­ne nicht ak­zep­ta­ble Ent­glei­sung.“Vor­wür­fe ei­ner Be­fan­gen­heit des IOC durch ei­ne gro­ße Nä­he zu Wla­di­mir Pu­tin wies der 62-Jäh­ri­ge zu­rück. „All die­je­ni­gen, die so ar­gu­men­tie­ren, soll­ten be­rück­sich­ti­gen, wie vie­le die­sen Ent­schei­dun­gen zu­ge­stimmt ha­ben. Kon­ti­nen­tal­ver­bän­de, Ath­le- ten­kom­mis­sio­nen; in der IOC-Exe­ku­ti­ve war die Ent­schei­dung ein­stim­mig bei ei­ner Ent­hal­tung“, kom­men­tier­te Bach. „Es gibt hier un­ter­schied­li­che Mei­nun­gen. Das muss man ak­zep­tie­ren, das muss man aus­tra­gen. Aber es ist nicht hin­nehm­bar, je­man­den so zu be­lei­di­gen.“Er füg­te hin­zu: Über den Start ei­nes Ath­le­ten ent­schei­den nicht nur die je­wei­li­gen in­ter­na­tio­na­len Fach­ver­bän­de, son­dern vor der end­gül­ti­gen Ent­schei­dung des IOC muss auch noch die Beur­tei­lung ei­nes CAS-Schieds­rich­ters ein­ge­holt wer­den, be­ton­te er.

Auch die Ent­schei­dung des IOC, die rus­si­sche Whist­leb­lo­we­r­in Ju­lia Ste­pa­no­wa für die Olym­pi­schen Spie­le nicht zu­zu­las­sen, ver­tei­dig­te Bach ve­he­ment. Die Ethik­kom­mis­si­on des IOC ha­be zwar aus­drück­lich den Bei­trag der Leicht­ath­le­tin „im Kampf ge­gen Do­ping ge­wür­digt“, sag­te Bach. „Sie hat aber auch be­rück­sich­tigt, dass Ju­lia Ste­pa­no­wa nicht nur fünf Jah­re Teil des Sys­tems war, son­dern ak­tiv mit­ge­wirkt hat in die­sem Sys­tem. Sie hat ih­re In­for­ma­tio­nen erst preis­ge­ge­ben, als der Schutz des Sys­tems nicht mehr funk­tio­nier­te und als sie be­reits ei­ne Zwei­jah­res­sper­re er­hal­ten hat­te.“

FO­TO: DPA

Robert Har­ting nach dem Ge­winn der Gold­me­dail­le in London 2012.

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