So­lar­flie­ger um­run­det die Er­de

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - REISE&ERHOLUNG -

Nur mit Son­nen­en­er­gie ein­mal um die Welt: Mit die­sem Ziel hob die „So­lar Im­pul­se 2“vor mehr als ei­nem Jahr in Abu Dha­bi ab. Nun ist der Schwei­zer Ökof­lie­ger nach 16 Zwi­schen­stopps dort un­ter gro­ßem Ju­bel si­cher ge­lan­det.

ABU DHA­BI (ap) Oh­ne ei­nen Trop­fen Treib­stoff um die Welt: Der Ökof­lie­ger „So­lar Im­pul­se 2“hat be­wie­sen, dass ein sol­cher Flug aus­schließ­lich mit Son­nen­en­er­gie mög­lich ist. Für die Rei­se be­nö­tig­ten die Flug­pio­nie­re Bertrand Pic­card und An­dré Borsch­berg weit mehr als 80 Ta­ge: Ge­star­tet im März 2015 in Abu Dha­bi, leg­ten sie bei ih­rem Welt­re­kord­flug 16 Zwi­schen­stopps mit zum Teil län­ge­ren Pau­sen ein.

Ges­tern lan­de­te Pic­card den So­lar­flie­ger wie­der in der Haupt­stadt der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te. „Die Zu­kunft ist sau­ber. Die Zu­kunft seid ihr. Die Zu­kunft ist jetzt. Lasst es uns ei­nen Schritt wei­ter­füh­ren“, sag­te Pic­card nach der Lan­dung un­ter dem Ju­bel der Men­schen­men­ge, in der sich auch Prinz Al­bert von Mo­na­co be­fand. Beim Sprung aus dem Cock­pit war er zu­vor von sei­nem Lands­mann und Pi­lo­ten­kol­le­gen Borsch­berg be­grüßt wor­den. Das Duo um­arm­te sich und reck­te die Fäus­te in die Luft.

Die „So­lar Im­pul­se 2“leg­te rund 40.000 Ki­lo­me­ter zu­rück. Das Pro­jekt soll für das Po­ten­zi­al er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en und der da­mit ver­bun­de­nen ver­bes­ser­ten Le­bens­qua­li­tät so­wie für Er­fin­der­geist wer­ben. Auf je­den Fall schrie­ben Pic­card und Borsch­berg mit ih­rem So­lar­flie­ger Luft­fahrt­ge­schich­te. Die Kos­ten des Pro­jekts wer­den auf mehr als 100 Mil­lio­nen Dol­lar (rund 89 Mil­lio­nen Eu­ro) ge­schätzt. Die Spann­wei­te des Flug­zeugs ist mit 72 Me­tern grö­ßer als die ei­ner Bo­eing 747, die auf 60 Me­ter kommt. Die „So­lar Im­pul­se 2“wiegt mit 2300 Ki­lo­gramm aber nur et­wa so viel wie ein Mi­ni­van. Ih­re Flü­gel sind mit 17.000 So­lar­zel­len aus­ge­stat­tet, mit de­nen die Pro­pel­ler be­trie­ben und Bat­te­ri­en auf­ge­la­den wer­den. In der Nacht nutzt das Flug­zeug ge­spei­cher­te Ener­gie.

Die his­to­ri­sche Mis­si­on ver­lief al­ler­dings al­les an­de­re als rei­bungs­los. Auf dem Flug von Ja­pan nach Ha­waii wur­den die Bat­te­ri­en be­schä­digt, wes­we­gen die Pi­lo­ten ei­ne neun­mo­na­ti­ge Un­ter­bre­chung hin­neh­men muss­ten. Kurz vor der letz­ten Etap­pe nach Abu Dha­bi gab es nach dem Zwi­schen­stopp in Kairo Die Pi­lo­ten Bertrand Pic­card (rechts) und An­dré Borsch­berg beim Ver­las­sen der So­lar Im­pul­se 2 ei­ne mehr als ein­wö­chi­ge Ver­zö­ge­rung, als Pic­card krank wur­de und auch das Wet­ter nicht mit­spiel­te.

Da die „So­lar Im­pul­se 2“ein Ein­sit­zer ist, muss­ten sich Pic­card und Borsch­berg stets ab­wech­seln. Wäh­rend der ein­sa­men und lan­gen Ta­ges- und Nacht­flü­ge mach­te Borsch­berg Yo­ga, Pic­card be­trieb Selbst­hyp­no­se. Die Pi­lo­ten schlie­fen ma­xi­mal 20 Mi­nu­ten und wie­der­hol­ten die Ni­cker­chen wäh­rend ih­res 24-Stun­den-Ab­schnitts zwölf Mal. Da­bei be­wies das Duo Durch- hal­te­ver­mö­gen: Für die At­lan­tik­über­que­rung brauch­te Pic­card 70 Stun­den. Borsch­bergs Rei­se über den Pa­zi­fik dau­er­te gan­ze 118 Stun­den – rund fünf Ta­ge und fünf Näch­te. Da­mit brach der Schwei­zer ganz ne­ben­bei den Re­kord für den längs­ten Flug ei­ner von ei­nem ein­zi­gen Pi­lo­ten ge­steu­er­ten Ma­schi­ne.

In ei­ner Er­klä­rung ver­wies Borsch­berg auf das Ziel der Mis­si­on. Es sei nun kei­ne Fra­ge mehr, ob das Flie­gen oh­ne Ben­zin und schäd­li­che Emis­sio­nen mög­lich sei.

Auch wenn sie am En­de al­len Grund zum Ju­beln hat­ten, ver­lief die Mis­si­on al­les an­de­re als rei­bungs­los. Weil die Bat­te­ri­en be­schä­digt wur­den, muss­ten die Pi­lo­ten Bertrand Pic­card und An­dré Borsch­berg ei­ne neun­mo­na­ti­ge Pau­se hin­neh­men. Dann wur­de Pic­card krank, und das Wet­ter spiel­te nicht mit.

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