Ka­len­der­blatt 27. Ju­li 1997

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG -

Jan Ull­rich (Fo­to) war als Hel­fer nach Frank­reich ge­reist. Der Rad­pro­fi soll­te sei­nem Team­kol­le­gen Bjar­ne Riis zum zwei­ten Tour­sieg ver­hel­fen und ne­ben­bei dem Sprint-Ex­per­ten Erik Za­bel das Grü­ne Tri­kot si­chern. Doch es kam an­ders. Als die Fran­zo­sen Richard Vi­ren­que und Lau­rent Bro­chard auf der 9. Etap­pe at­ta­ckier­ten, blieb Ull­rich dran, Riis ver­lor wert­vol­le Se­kun­den. Trotz­dem ver­kün­de­te das Te­le­kom-Team am Abend: Der Tour­sieg des Dä­nen Riis bleibt das Ziel. Am nächs­ten Tag war es da­mit vor­bei. Etap­pe 10 führ­te durch die Ber­ge nach An­dor­ra. Riis, Ull­rich und Vi­ren­que fuh­ren in der Spit­zen­grup­pe, als Riis sei­nem Hel­fer den Frei­fahrt­schein gab: „Wenn du dich stark ge­nug fühlst, fahr los“, sag­te er – und Ull­rich fuhr. Der Deut­sche nahm der Kon­kur­renz mehr als ei­ne Mi­nu­te ab und er­ober­te das Gel­be Tri­kot. Er soll­te zwar noch ei­ni­ge Ma­le in Bedrängnis kom­men, die Ge­samt­füh­rung gab er aber nicht mehr ab. Am 27. Ju­li 1997 fuhr Ull­rich als Tour­sie­ger nach Pa­ris. Zum ers­ten Mal hat­te ein Deut­scher die Tour de Fran­ce ge­won­nen. Es war der Kar­rier­ehö­he­punkt des jun­gen Deut­schen, dem meh­re­re Zweit­plat­zie­run­gen bei der Tour, Welt­meis­ter­ti­tel und Olym­pia-Gold folg­ten. 2006 kam der Do­ping-Skan­dal. Ull­rich wur­de am Vor­tag der Tour vom Ren­nen aus­ge­schlos­sen. 2012 sprach der in­ter­na­tio­na­le Sport­ge­richts­hof Ull­rich we­gen Do­ping schul­dig, al­le Er­fol­ge ab 2005 wur­den ihm ab­er­kannt.

TEXT: JENI / FO­TO: P. COCCO

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.