Psy­cho­lo­gi­sche Hil­fe für Flücht­lin­ge

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON CHRIS­TI­AN HERRENDORF UND ARNE LIEB

Nach den An­schlä­gen der ver­gan­ge­nen Ta­ge hat die Ar­bei­ter­wohl­fahrt mit ih­ren Mit­ar­bei­tern in den Un­ter­künf­ten dar­über ge­spro­chen, wie sie auf die Men­schen zu­ge­hen kön­nen, um Iso­la­ti­on und Ra­di­ka­li­sie­rung zu ver­hin­dern.

Was hat sich nach den An­schlä­gen von Würz­burg und Mün­chen in Düsseldorf ver­än­dert? Die Ge­walt­ta­ten und die mög­li­chen psy­cho­lo­gi­schen Ur­sa­chen sind ein gro­ßes Ge­sprächs­the­ma in den Flücht­lings­un­ter­künf­ten und bei den Trä­gern. Die Ar­bei­ter­wohl­fahrt hat dar­aus den Schluss ge­zo­gen, ih­re So­zi­al­ar­bei­ter noch ein­mal be­wusst zu sen­si­bi­li­sie­ren für den Um­gang mit Men­schen, die durch Krieg, Flucht und Ein­sam­keit trau­ma­ti­siert sein könn­ten. Da­bei geht es nicht um Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on, son­dern um all­ge­mei­ne Vor­beu­gung – ei­ne Trau­ma­ti­sie­rung führt sel­ten zu Ge­walt­tä­tig­keit, kann sich aber auch in vie­len an­de­ren Sym­pto­men äu­ßern wie Schlaf­stö­run­gen, psy­cho­so­ma­ti­schen Schmer­zen oder Selbst­mord­ge­dan­ken. Die Mit­ar­bei­ter sol­len den Be­trof­fe­nen of­fen be­geg­nen und ih­nen An­ge­bo­te ma­chen, die ver­hin­dern, dass sie sich iso­lie­ren oder für Ra­di­ka­lis­mus emp­fäng­lich wer­den. Wie und wann wer­den Flücht­lin­ge auf mög­li­che Trau­ma­ta oder De­pres­sio­nen un­ter­sucht? Ei­ne ers­te Ein­schät­zung neh­men die Mit­ar­bei­ter der kom­mu­na­len Erst­auf­nah­me am Vo­gel­s­an­ger Weg vor, in die al­le der Stadt Düsseldorf zu­ge­wie­se­nen Flücht­lin­ge zu­erst kom­men. Dort ler­nen die So­zi­al­ar­bei­ter der Stadt und die Fach­kräf­te des Ro­ten Kreu­zes die Flücht­lin­ge ken­nen. Zu­dem wer­den sie von ei­nem Me­di­zi­ner un­ter­sucht. Wenn der Ein­druck ent­steht, dass die Be- Die zen­tra­le An­lauf­stel­le ist be­reits seit fast 30 Jah­ren das Düs­sel­dor­fer Psy­cho­so­zia­le Zen­trum (PSZ), das für den Re­gie­rungs­be­zirk zu­stän­dig ist. Rund 500 Kli­en­ten kom­men dort pro Jahr zum Ge­spräch und wer­den meist wei­ter­ver­mit­telt. Die Ein­rich­tung wur­de einst von Chi­le­nen ge­grün­det, die vor Dik­ta­tor Pi­no­chet ge­flo­hen wa­ren und durch Fol­ter und Flucht trau­ma­ti­sier­ten Lands­leu­ten hel­fen woll­ten. Be­reits vor dem jüngs­ten An­stieg der Zahl der Flücht­lin­ge gab es mehr An­fra­gen, als das PSZ be­wäl­ti­gen konn­te, in­zwi­schen über­steigt die Nach­fra­ge deut­lich das An­ge­bot. In Düsseldorf gibt es mit der Am­bu­lanz für Trans­kul­tu­rel­le Psy­cho­the­ra­pie am LVRK­li­ni­kum zu­dem ei­ne neu­ar­ti­ge Ein­rich­tung spe­zi­ell zur Be­hand­lung von trau­ma­ti­sier­ten Mi­gran­ten und Flücht­lin­gen. Wel­che Rol­le spielt in die­sem Zu­sam­men­hang die elek­tro­ni­sche Ge­sund­heits­kar­te für Flücht­lin­ge? Düsseldorf hat sich im Ge­gen­satz zu an­de­ren Kom­mu­nen ent­schie­den, Flücht­lin­gen ei­ne Ge­sund­heits­kar­te zu ge­ben, statt ih­re Be­hand­lung bei­spiels­wei­se über Kran­ken­schein zu re­geln. Dies hat den Vor­teil, dass Flücht­lin­ge auch selbst­stän­dig Hil­fe su­chen kön­nen. Zum Leis­tungs­ka­ta­log der Kar­te zählt auch die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung. Die Kos­ten trägt die Kom­mu­ne. Dass Trau­ma­ti­sier­te ei­nen Arzt auf­su­chen oder recht­zei­tig zu ei­nem ge­bracht wer­den, ist da­mit na­tür­lich nicht ge­währ­leis­tet – in die­sem Punkt un­ter­schei­den sich die Flücht­lin­ge nicht von al­len an­de­ren Be­woh­nern der Lan­des­haupt­stadt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.