Män­ner-Mo­de auf der Kö

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON HANS ONKELBACH

Vom Mus­ter­mix bis zur Funk­ti­ons­wes­te: Auch auf Düs­sel­dorfs mo­di­scher Pracht­mei­le sind Stil-Sün­den an der Ta­ges­ord­nung.

Sind die Bei­ne des Man­nes un­be­deckt, ge­hen sie – da müs­sen wir ehr­lich sein – lei­der meis­tens gar nicht. Selbst mus­ku­lös und un­ver­weich­licht bie­ten sei­ne Knie, Ober­und Un­ter­schen­kel nur im Aus­nah­me­fall Ver­tret­ba­res fürs Au­ge. Der Haar­wuchs spielt da­bei üb­ri­gens kei­ne Rol­le – ob Re­gen­wald-üp­pig oder fahl wie Kä­se­ku­chen: schön ist an­ders. Den­noch geht der Trend of­fen­bar hin zum – sa­gen wir: un­ge­nier­ten Zur­schau­stel­len des mas­ku­li­nen Fahr­ge­stells, was zu un­fei­nen Op­ti­ken führt, wie wir bei ei­ner will­kür­lich ge­mach­ten und nur we­ni­ge Mi­nu­ten lan­gen Stich­pro­be zwi­schen Kö­nigs­al­lee und Alt­stadt fest­stel­len muss­ten.

Düs­sel­dorfs Pracht­bou­le­vard, einst ein Syn­onym für Stil und mo­di­sche Ak­ku­ra­tes­se, ver­kommt zum Lauf­steg des­sen, was bes­ser nie­mals of­fen prä­sen­tiert wür­de. Klei­de­te sich der Nor­mal-Düs­sel­dor­fer frü­her für das Fla­nie­ren auf sei­ner Kö­nigs­al­lee so ele­gant wie mög­lich (was, wir ge­ben es zu, auch nicht im­mer funk­tio­nier­te), sind heu­te der op­ti­schen Um­welt­ver­schmut­zung Tor und Tür ge­öff­net, völ­lig hem­mungs­los ent­blät­tert Mann sich, wenn die Tem­pe­ra­tu­ren die 30-Grad-Mar­ke an­vi­sie­ren, und we­gen der som­mer­li­chen Hit­ze lässt die Äs­t­he­tik ihn kalt.

Al­so müs­sen wir sie dann se­hen, die­se Ge­bil­de aus den un­ter­schied­lichs­ten Stof­fen und in Far­ben, wie Mut­ter Na­tur sie sich ga­ran­tiert nicht aus­ge­dacht hat, weil sie evo­lu- ti­ons­tech­nisch nicht über­le­bens­fä­hig wä­ren. Shorts, ih­rem Na­me Eh­re ma­chend und knapp un­ter dem Hin­tern en­dend, ei­ni­ge rei­chen bis zum Knie, an­de­re bis knapp dar­un­ter, oder – der ma­xi­ma­le GAU! – zwei Hand­breit über dem Knö­chel, die Wa­den um­spie­lend. Wer, um Him­mels­wil­len, denkt sich das aus? Noch un­fass­ba­rer, wer kauft und trägt es, und war­um? Selbst Ge­or­ge Cloo­ney wür­de in die­sen Din­gern be­scheu­ert aus­se­hen.

Dar­un­ter folgt dann meist die wei­ße oder wild ge­mus­ter­te So­cke, in ei­ner San­da­le oder be­que­men Tre­tern ste­ckend – schreck­lich. Der Zweck die­ses we­der kur­zen noch lan­gen Bein­kleids? Ver­mut­lich soll die un­ge­hin­dert das Wa­den­bein be­rüh­ren­de Luft dem Trä­ger et­was Küh­lung ver­schaf­fen. In Ab­wand­lung ei­nes Zi­tats des Star-De­si­gners Karl La­ger­feld stel­len wir fest: „Wer sol­che Ho­sen trägt, hat sein Le­ben nicht im Griff!“Man könn­te auch sa­gen: ist in sei­ner Selbst­wahr­neh­mung aus dem Tritt und hat sti­lis­tisch eben die Ho­sen run­ter­ge­las­sen.

Lei­der tor­keln sol­che tex­ti­len Zom­bies uns meis­tens nicht al­lein ent­ge­gen, son­dern wer­den oft­mals kom­bi­niert in ei­nem Mus­ter­mix der bru­ta­len Art. Je­den Far­ben­blin­den be­nei­dend, glaubt man nicht an das, was man sieht – und doch ist es Rea­li­tät, ma­ni­fes­tiert in T-Shirts (lang- oder kurz­är­me­lig oder ganz oh­ne Är­mel), in der Ho­se ste­ckend oder dar­über hän­gend, dank ge­wal­ti­ger Plau­ze manch­mal an ZweiMann-Zel­te bei Wind­stär­ke 9 er­in- nernd, er­go: hin- und her we­hend und so­mit nur un­zu­rei­chend ver­de­ckend, über was der Man­tel des Schwei­gens ge­hört.

So ge­nann­te Mus­kels­hirts wer­den ger­ne von je­nen Män­nern ge­wählt, de­ren Mus­kel­mas­se längst adi­pö­sen Aus­wüch­sen wei­chen muss­te. Am Ran­de: Wer er­fin­det ei­gent­lich die Mus­ter, Pseu­do-Fir­men­be­zeich­nun­gen, Club­na­men, Slo­gans oder sons­ti­gen Auf­dru­cke sol­cher Kla­mot­ten? Ist es ein Zu­falls­ge­ne­ra­tor? Oder ein durch­ge­knall­ter Ex-De­si­gner? Ihn wür­de selbst der ei­nes je­den Stils un­ver­däch­ti­ge Rooooo­beeee­errrrrt Geiss sei­ner Car­men zum Fraß vor­wer­fen.

Und wenn man dann denkt, es geht nicht schlim­mer, taucht sie auf – die Funk­ti­ons­wes­te. Vor Jah­ren wur­de sie ei­gent­lich für Fo­to­gra­fen im Kriegs­ein­satz kre­iert: Ein Dut­zend Ta­schen je­der Grö­ße hat sie vor­ne und hin­ten, was prak­tisch war, als es noch kei­ne Di­gi­tal­ka­me­ras gab und un­be­lich­te­te oder vol­le Fil­me ge­trennt von­ein­an­der de­po­niert wer­den muss­ten, zu­dem Ob­jek­ti­ve, Fil­ter und Bat­te­ri­en für die Ka­me­ra­mo­to­ren, zu­stän­dig für den schnel­len Film­trans­port.

Heu­te trägt mann (meist die 50 hin­ter sich) sie oh­ne Not, da­für gern in ei­ner Far­be, von der hu­mor­vol­le An­strei­cher sa­gen, sie sei mit Horn­haut-Um­bra tref­fend be­schrie­ben. Dar­un­ter das kurz­är­me­li­ge Hemd, ganz un­ten das nur wa­den­lan­ge Bein­kleid (sie­he oben) und fer­tig ist ein mo­di­sches Ge­samt­kunst­werk, das man we­der auf der Kö­nigs­al­lee noch sonst wo zu er­dul­den wünscht.

Ein from­mer Wunsch! Da­her die drin­gen­de Bit­te: Herr, lass es Win­ter wer­den – oder wirf’ Ge­schmack vom Him­mel.

Der op­ti­schen Um­welt­ver­schmut­zung sind heu­te Tür und Tor

ge­öff­net.

Das groß­ka­rier­te Hemd wird sehr läs­sig über der Ho­se ge­tra­gen.

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