Trat Hoch­stap­ler als Staats­an­walt auf?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON WULF KANNEGIESSER

28-Jäh­ri­ger soll sich den Fan­ta­sie-Na­men „Dr. Tas­si­lo von Hirsch“ge­ge­ben ha­ben.

Als fal­scher Pi­lot war er einst be­kannt ge­wor­den, hat­te sich aber auch schon als Arzt aus­ge­ge­ben oder als an­geb­li­cher Di­plo­mat. Seit ges­tern muss sich ein in­zwi­schen 28-jäh­ri­ger Se­ri­en-Hoch­stap­ler we­gen neu­er Gau­ner-Pos­sen wie­der vor dem Land­ge­richt ver­ant­wor­ten. Dies­mal war er laut An­kla­ge un­ter an­de­rem als Staats­an­walt „Dr. Tas­si­lo von Hirsch“auf­ge­tre­ten, soll sich un­ter die­sem Tarn­na­men gar ei­ne Da­me zu Sex-Spie­len in die hei­mi­sche Woh­nung be­stellt und dann um den Lie­be­s­lohn ge­prellt ha­ben.

Sol­che Af­fä­ren will er sich jetzt aber nicht nach­sa­gen las­sen. Mit kei­ner der Da­men, die er mit sei­nen Rol­len­spie­len zu be­ein­dru­cken such­te, sei er in­tim ge­we­sen, sag­te er vor Ge­richt. „Ich woll­te nur die An­er­ken­nung, das hat mir mehr ge­ge­ben als al­les an­de­re“, ver­riet er in sei­nem Teil­ge­ständ­nis.

Für die Jus­tiz ist der Möch­te­gernA­ka­de­mi­ker kein un­be­schrie­be­nes Blatt mehr. Zu­letzt hat­te er we­gen Auf­trit­ten in Pi­lo­ten-Uni­form, die er rei­hen­wei­se zu Be­trugs­de­lik­ten nutz­te, ei­ne Haft­stra­fe von drei Jah­ren ab­ge­ses­sen. Zeit­wei­se war er von der Voll­stre­ckung aber noch ver­schont wor­den – und ge­nau in die­ser Span­ne von we­ni­gen Mo­na­ten ha­be er prompt die ak­tu­el­le Schwind­ler-Se­rie hin­ge­legt, heißt es in der An­kla­ge. Wie­der ha­be er ver- sucht, sich Pi­lo­ten-Uni­for­men zu be­stel­len. Als das miss­lang, sei er auf hoch­wer­ti­ge An­zü­ge um­ge­stie­gen, auf kost­ba­re Zi­gar­ren, von de­nen er täg­lich an­geb­lich zwei bis drei Stück ver­pafft ha­be, so­wie auf klang­vol­le Na­men, Dok­tor-Ti­tel und Adel­sP­rä­di­ka­te.

Al­lein 38 Ali­as-Na­men soll er laut gest­ri­ger An­kla­ge er­fun­den und be­nutzt ha­ben, wo­bei die­se Lis­te bei der Staats­an­walt­schaft kei­nes­wegs als voll­stän­dig gilt. So ha­be er sich un­ter den Fan­ta­sie-Na­men und -Ti­teln ex­qui­si­te Mo­de und Ge­brauchs­ar­ti­kel für rund 30.000 Eu­ro be­stellt – und die­se dann nie be­zahlt. „Ich ha­be die Sa­chen ha­ben wol­len“, gab er zu. In ei­nem frü­he­ren Pro­zess hat­te er zu­dem ges­tan- den, sich mit Da­men aus der Es­cor­tBran­che ge­trof­fen zu ha­ben, oh­ne je­mals de­ren Lie­be­s­lohn zu be­glei­chen. Da­mit will er nun aber ab­ge­schlos­sen ha­ben, ha­be al­so nicht als der an­geb­li­che Staats­an­walt „Dr. jur. von Hirsch“et­li­che Es­cort-Da­men zu Treffs mit ver­bun­de­nen Au­gen (und ver­spro­che­nem Lie­be­s­lohn von bis zu 20.000 Eu­ro) in die Woh­nung sei­ner Mut­ter be­stellt, bei der er da­mals wohn­te. „Das hät­te nicht funk­tio­niert, oh­ne dass sie et­was mit­be­kommt“, be­stritt er sol­che Vor­wür­fe rund­weg.

Da­zu soll nun auch die Mut­ter des An­ge­klag­ten als Zeu­gin be­fragt wer­den. Und et­li­che der da­mals be­stell­ten Lie­bes-Da­men. Der Pro­zess geht al­so wei­ter.

RP-FO­TOS: ANDRE­AS ENDERMANN

Ton-in-Ton: Zu den Shorts in bei­ge gibt es (schön hoch­ge­zo­ge­ne) So­cken in ei­nem ähn­li­chen Ton und brau­ne Schu­he.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.