Bes­se­re Be­treu­ung für Schlag­an­fall-Pa­ti­en­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON UTE RASCH

Vie­les ist in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren bes­ser ge­wor­den, aber wer an ei­ner spe­zi­el­len Seh­stö­rung lei­det, fand bis­her kaum am­bu­lan­te Hil­fe.

Es ist ein all­täg­li­ches Lei­den, das von ei­nem Mo­ment auf den an­de­ren das Le­ben ver­än­dern kann: Mehr als 2000 Düs­sel­dor­fer er­lei­den je­des Jahr ei­nen Schlag­an­fall. Seit den 1990er Jah­ren hat sich die Ver­sor­gung die­ser Pa­ti­en­ten stark ver­bes­sert: Es wird schnel­ler und ex­ak­ter dia­gnos­ti­ziert und bes­ser be­han­delt. Doch die „Düs­sel­dor­fer Initia­ti­ve ge­gen den Schlaf­an­fall“hat ei­ne gra­vie­ren­de Fehl­stel­le in der am­bu­lan­ten Ver­sor­gung ent­deckt.

Pe­ter S., Fo­to­graf, war 39 Jah­re alt, als ihn der Schlag traf. „Ich war auf ei­nem Ter­min, fühl­te mich sehr selt­sam, konn­te mei­nen lin­ken Arm nicht mehr rich­tig ge­brau­chen. Ein Kol­le­ge mein­te plötz­lich: Dein Mund­win­kel hängt so merk­wür­dig.“Es folg­te das kom­plet­te Pro­gramm me­di­zi­ni­scher Ver­sor­gung: Not­arzt, Kran­ken­haus, spä­ter Re­ha. Ei­ne Fol­ge des Schlag­an­falls war, dass Pe­ter S. auf ei­nem Au­ge kaum noch et­was se­hen konn­te, Me­di­zi­ner nen­nen das ei­ne halb­sei­ti­ge Stö­rung des Seh­fel­des.

Wäh­rend sei­nes Auf­ent­hal­tes in der Re­ha-Kli­nik be­han­del­te ei­ne Neu­ro­psy­cho­lo­gin die­se Stö­rung, trai­nier­te in­ten­siv mit Pe­ter S. mit­hil­fe hoch spe­zia­li­sier­ter, com­pu­ter­ge­steu­er­ter Pro­gram­me. „Als ich ent­las­sen wur­de, konn­te ich wie­der et­was bes­ser se­hen, aber längst noch nicht rich­tig.“Von ei­ner an­schlie­ßen­den am­bu­lan­ten The­ra­pie er­hoff­te er sich Bes­se­rung – und vor al­lem die Chan­ce, wie­der in sei­nem Be­ruf ar­bei­ten zu kön­nen. Doch bald wur­de ihm klar, dass das nicht so ein­fach war: „Ich ha­be in Düsseldorf ein­fach kei­nen nie­der­ge­las­se­nen Neu­ro­psy­cho­lo­gen ge­fun­den.“

Die­sen Man­gel kri­ti­siert auch die „Initia­ti­ve ge­gen den Schlag­an­fall“. Die dort or­ga­ni­sier­ten Me­di­zi­ner be­stä­ti­gen, dass sich ge­ne­rell die Si­tua­ti­on für Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren ver­bes­sert ha­be. Zwar sei die Zahl der Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten fast dop­pelt so hoch wie noch da­mals, was nach Ein­schät­zung der Ex­per­ten dar­an liegt, dass die Dia­gno­se ge­nau­er ge­wor­den ist. Heißt: Es wer­den ein­fach mehr Fäl­le ent­deckt. Gleich­zei­tig sind die Ret­tungs­diens­te stär­ker ver­netzt, die Kran­ken­häu­ser bes­ser aus­ge­rüs­tet (zu­sätz­lich ha­ben drei Kli­ni­ken spe­zi­el­le Schlaf­an­fall­ab­tei­lun­gen) und die Nach­sor­ge straff or­ga­ni­siert mit Re­ha-An­ge­bo­ten, auch der nie­der­ge­las­se­nen Er­go- und Phy­sio­the­ra­peu­ten. „Nur für Pa­ti­en­ten mit halb­sei­ti­ger Seh­feld­stö­rung, die nicht nur nach Schlag­an­fäl­len, son­dern auch durch Ge­hirn­ver­let­zun­gen bei Un­fäl­le auf­tre­ten kön­nen, gibt es kei­ne am­bu­lan­ten An­ge­bo­te“, so And­re Schu­ma­cher vom Vor­stand der Initia­ti­ve.

Durch ei­ne För­de­rung der An­tonBetz-Stif­tung der Rhei­ni­schen Post über 20.000 Eu­ro will die Initia­ti­ve nun ein Pro­jekt an­sto­ßen, um die­se Ver­sor­gungs­lü­cke zu schlie­ßen. Zu­nächst soll sys­te­ma­tisch er­mit­telt wer­den, wie vie­le Pa­ti­en­ten an die­ser Seh­feld­stö­rung lei­den und nicht the­ra­piert wer­den. In ei­nem zwei­ten Schritt plant die Initia­ti­ve, ei­ne am­bu­lan­te Be­hand­lung zu or­ga­ni­sie­ren und wis­sen­schaft­lich zu be­glei­ten.

Ei­ne leich­te Auf­ga­be wird das wohl nicht wer­den, denn die Initia­ti­ve hat er­mit­telt, dass es zur­zeit kei­ne neu­ro­psy­cho­lo­gi­sche Pra­xis in Düsseldorf gibt, die sich ei­ner­seits mit den Fol­gen ei­nes Schlag­an­falls auf die Psy­che be­schäf­tigt, an­de­rer­seits Pa­ti­en­ten mit Seh­stö­rung ein Trai­ning an­bie­tet. Da scheint noch ei­ne Men­ge Auf­bau­ar­beit not­wen­dig zu sein.

Pe­ter S. hofft, dass dies in ab­seh­ba­rer Zeit ge­schieht. „So lan­ge kann ich we­der Au­to­fah­ren noch in mei­nem Be­ruf ar­bei­ten.“

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