ANALYSE

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

Glei­cher Ab­schluss, glei­che Chan­cen? Von we­gen: Die Un­ter­schie­de zwi­schen den Bun­des­län­dern sind groß, was die Be­wer­tung der Abitu­ri­en­ten an­geht. Ei­ne grund­le­gen­de Re­form ist fäl­lig. Ide­en lie­gen auf dem Tisch.

ein ge­mein­sa­mer Abi-Auf­ga­ben­pool in Deutsch, Ma­the, Eng­lisch und Fran­zö­sisch, auf den sie zu­grei­fen kön­nen, aber nicht müs­sen. Der Phi­lo­lo­gen­ver­band for­dert be­reits ei­ne Aus­wei­tung auf wei­te­re Fä­cher. Aus dem NRWSchul­mi­nis­te­ri­um heißt es, ge­mein­sa­me Auf­ga­ben sei­en nur ein Schritt.

Ein bun­des­wei­tes Ein­heits­ab­itur wird es aber kaum je ge­ben – schon des­halb nicht, weil dann al­le Schul­jah­res­ter­mi­ne ein­schließ­lich der Fe­ri­en an­ge­gli­chen wer­den müss­ten. Zu­dem zeigt das Zen­tral­ab­itur in NRW, bei dem sich die Schu­len aus ei­nem Auf­ga­ben­pool ih­re Klau­su­ren zu­sam­men­stel­len, dass Ge­rech­tig­keits­de­bat­ten da­mit kei­nes­wegs ob­so­let sind. Und schließ­lich tra­gen die Abitur­prü­fun­gen selbst nur ein Drit­tel zum Abi-Schnitt bei – der Rest kommt aus den No­ten der ge­sam­ten Ober­stu­fe.

Die Ver­ein­heit­li­chung des Abiturs löst das Pro­blem al­so nicht. Was aber dann? Bil­dungs­for­scher Köl­ler plä­diert für mehr Zu­las­sungs­tests: „Wir müs­sen die Hoch­schu­len stär­ker aus­su­chen las­sen. Das kann auch über zen­tra­le Ver­fah­ren ge­hen wie den bis 1996 ver­pflich­ten­den Me­di­zi­ner­test.“Des­sen Er­geb­nis wur­de mit der Abi-No­te ver­rech­net; seit 2007 bie­ten ei­ni­ge Unis das Ver­fah­ren auf frei­wil­li­ger Ba­sis an.

Ein um­fas­sen­de­rer Vor­schlag ist ei­ne re­la­ti­ve Ver­gleichs­ska­la al­ler Abitu­ri­en­ten. Ein Ab­sol­vent, der mit ei­ner No­te von 2,1 in sei­nem Bun­des­land zu den bes­ten 29 Pro­zent ge­hört, hät­te dann bes­se­re Chan­cen als ei­ner, der in ei­nem an­de­ren Land mit 1,8 nur zu den bes­ten 32 Pro­zent ge­hört. Der Phi­lo­lo­gen­ver­band be­für­wor­tet das. „Dass ein Ein­serA­bitur in ei­nem Bun­des­land oder Jahrgang leich­ter zu er­rei­chen ist“, sagt der Bun­des­vor­sit­zen­de Heinz-Pe­ter Mei­din­ger, „hät­te dann auf die Stu­di­en­zu­las­sung kei­ne Aus­wir­kung mehr.“

Es könn­te, ganz ne­ben­bei, zur Ak­zep­tanz des Bil­dungs­fö­de­ra­lis­mus bei­tra­gen. Der ist näm­lich bes­ser als sein Ruf, weil er den Wett­be­werb der Kon­zep­te för­dert und Schu­len vor wild­ge­wor­de­nen Re­form­pla­nern schützt. Bil­dungs­fö­de­ra­lis­mus funk­tio­niert. Sich bloß ein paar ge­mein­sa­me Auf­ga­ben aus­zu­den­ken, reicht al­ler­dings nicht.

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