Ja zur De­mo, Nein zu Ge­walt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON DETLEV HÜWEL VON BIR­GIT MARSCHALL VOLK DER DI­CKEN, SEI­TE A 4 VON MICHA­EL BRÖ­CKER DIE AN­GE­SCHLA­GE­NE KAN­DI­DA­TIN, SEI­TE A 6

Man kann für die Stadt Köln nur hof­fen, dass es bei der Viel­zahl von De­mons­tra­tio­nen am Sonn­tag nicht zu ge­walt­tä­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Erdogan-An­hän­gern und -Geg­nern kommt. Die Ge­fahr be­steht je­den­falls, denn die Re­pres­sio­nen in der Tür­kei ent­fal­ten ihr Kon­flikt­po­ten­zi­al auch bei uns. Nach den schlim­men Über­grif­fen auf Frau­en in der Sil­ves­ter­nacht in der Dom­stadt, als die Ein­satz­kräf­te weit­ge­hend hilf­los er­schie­nen, muss man dies­mal von der Köl­ner Po­li­zei er­war­ten, dass sie für ei­nen mög­li­chen Ge­walt­aus­bruch in die­ser bri­san­ten La­ge ge­wapp­net ist.

Oder soll­te man die Groß­de­mo nicht bes­ser gleich ver­bie­ten, wie auch von po­li­ti­scher Sei­te vor­ge­schla­gen wird? Ganz ab­ge­se­hen da­von, dass die recht­li­chen Hür­den für ein sol­ches Ver­bot sehr hoch sind – wir tun gut dar­an, un­se­re de­mo­kra­ti­schen Er­run­gen­schaf­ten nicht leicht­fer­tig zur Dis­po­si­ti­on zu stel­len. Das De­mons­tra­ti­ons­recht ge­hört frag­los da­zu. Je­der kann öf­fent­lich sei­ne Mei­nung sa­gen. Auch das un­ter­schei­det De­mo­kra­ti­en wohl­tu­end von Staa­ten mit dik­ta­to­ri­schen Ten­den­zen. Des­halb ein Ja zur De­mo am Sonn­tag, aber auch ei­ne deut­li­che Ab­sa­ge an jeg­li­che Art von Ge­walt. BERICHT PO­LI­TI­KER FÜR VER­BOT DER . . ., TI­TEL­SEI­TE

Fett macht faul

Wer fett­lei­big ist, ist nicht zu be­nei­den. Doch Adi­po­si­tas muss kein Schick­sal sein, dem man nicht durch Dis­zi­plin, aus­ge­wo­ge­ne­re Er­näh­rung und mehr Be­we­gung ent­rin­nen könn­te. Bil­dungs­fer­ne Men­schen und sol­che mit ge­rin­gem Ein­kom­men nei­gen öf­ter zur Fett­lei­big­keit. Hier könn­te ei­ne noch bes­se­re, noch ge­ziel­te­re und di­rek­te­re Auf­klä­rung durch Ärz­te und Kas­sen an­set­zen.

Vie­le Be­trof­fe­ne ma­chen aber auch wi­der bes­se­res Wis­sen wei­ter mit zu­cker­hal­ti­gen Soft­drinks, Fast Food oder Fer­tig­ge­rich­ten. Sie be­we­gen sich kaum, weil das an­stren­gend ist. Ein schwe­rer Kör­per macht faul. Me­di­zi­ni­sche Be­hand­lun­gen von Fett­lei­big­keit müs­sen aber von al­len Kran­ken­ver­si­cher­ten be­zahlt wer­den. Wer al­so nichts ge­gen sein Dick­sein un­ter­nimmt, han­delt auch ge­gen an­de­re rück­sichts­los.

Be­son­ders un­schön ver­hal­ten sich je­ne, die aus dem Lei­den der Fett­lei­bi­gen ein Ge­schäft ma­chen. Sie ver­spre­chen als ein­fa­che Lö­sung, die es in Wahr­heit nicht gibt, ei­ne Ope­ra­ti­on. Sol­che Ein­grif­fe müs­sen aber le­bens­lang nachthe­ra­piert wer­den, was wie­der­um die Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft tra­gen muss. BERICHT

Cl­in­tons Ver­ant­wor­tung

Wenn sich die US-Wäh­ler an den gro­ßen Prä­si­den­ten Abra­ham Lin­coln er­in­nern, dann müss­te es Hil­la­ry Cl­in­ton schaf­fen. „Put your feet in the right place, then stand firm“, hat Lin­coln gesagt. Fü­ße an die rich­ti­ge Stel­le set­zen, ste­hen­blei­ben! Dar­um geht es bei den Wah­len im No­vem­ber. Und ein Mann, der Me­xi­ka­ner als Ver­ge­wal­ti­ger be­schimpft hat, Mus­li­me de­por­tie­ren will, Frau­en als Haus­mäd­chen ver­or­tet, ei­ne Mau­er um das Land bau­en will und Bel­gi­en für ei­ne Stadt hält, soll­te ei­gent­lich nicht das ein­fluss­reichs­te Staats­amt der Welt be­kom­men. Erst recht nicht die Ver­fü­gungs­ge­walt über den Ein­satz ei­ner Atom­waf­fe.

Doch Ra­tio spielt bis­her nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Des­halb muss Hil­la­ry Cl­in­ton nach den Pein­lich­kei­ten in ih­rem La­ger nun die De­mo­kra­ten und ihr Land auf den Ernst der La­ge ein­schwö­ren. Nur sie kann die­ses kom­ple­xe und wi­der­sprüch­li­che, aber zu­gleich so fort­schritt­li­che und frei­heit­li­che Land füh­ren und durch die Kri­sen steu­ern. Die De­mo­kra­ten ha­ben ei­ne ho­he Ver­ant­wor­tung. Auf sie set­zen Mil­lio­nen Men­schen. Nicht nur in den USA. BERICHT

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