Hof­kul­tur für al­le

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON KLAS LIBUDA

Bei den Hin­ter­hof­le­sun­gen tref­fen All­tag und Li­te­ra­tur auf­ein­an­der. Die Ma­cher wol­len an un­ge­wöhn­li­che Le­se-Or­te ein­la­den.

Es gibt den ei­nen gro­ßen Hin­ter­hofMo­ment, und der ist, wenn die Tür auf­geht. Wer mal da­bei war, weiß das, es pas­siert ga­ran­tiert im­mer: Ir­gend­wann öff­net sich zum Hof ei­ne Tür, und im Rah­men steht dann ei­ner mit dem Fahr­rad über der Schul­ter und schaut ver­dutzt her­um. Manch­mal kom­men die Leu­te auch zu­rück, mit vol­len Ta­schen aus dem Su­per­markt et­wa, und dann wol­len sie ih­re Haus­tür auf­schlie­ßen, aber da sit­zen zwei oder drei auf der Schwel­le und hun­dert an­de­re sind auch noch da. Glei­cher Ef­fekt: Ir­ri­ta­ti­on, Neu­gier, weil Men­schen un­er­war­tet in ei­ne Le­sung ge-

Pa­me­la Grand­erath ra­ten, da­bei woll­ten sie doch ei­gent­lich nur nach Hau­se. Im bes­ten Fall blei­ben sie dann ein­fach bis zum Schluss, aber das klappt nicht im­mer, denn nach ein paar Mi­nu­ten müs­sen un­be­dingt die Ein­käu­fe in den Kühl­schrank, we­gen der Kühl­ket­te.

Das ist je­den­falls der Hin­ter­hofMo­ment und wer möch­te, kann ihn bald wie­der er­le­ben, denn dann geht es wie­der los, ab dem 11. Au­gust kommt die Li­te­ra­tur in die Stadt. An drei Or­ten fin­det die nun­mehr vier­te Auf­la­ge der Hin­ter­hof­le­sun­gen statt. Ver­an­stal­tet wer­den sie von der Künst­ler­grup­pe Art Con­nec­tion und dem Zakk, aber eben nicht im Kul­tur­zen­trum und in kei­nem Le­se­saal, son­dern drau­ßen, zwi­schen Häu­ser­zei­len und in Hof­ein­fahr­ten. Im­mer ist da noch das Rau­schen von der nächs­ten Haupt­stra­ße, und wenn ein Kran­ken­wa­gen in der Nä­he mit Si­re­ne und Voll­ka­ra­cho vor­bei­fährt, müs­sen die Le­sen­den kurz un­ter­bre­chen, weil’s so laut ist. Dann schlägt die Wirk­lich­keit ein, und das Fik­tio­na­le hat kurz Pau­se.

Den Text kann der Sound­track der Stadt zu­wei­len so­gar un­ter­stüt­zen. „Man­che Au­to­ren re­agie­ren auch auf die Um­ge­bung“, sagt Pa­me­la Grand­erath, die die Le­sun­gen seit 2013 ge­mein­sam mit Christine Brink­mann vom Zakk or­ga­ni­siert. Sie sei da­mals so fas­zi­niert von Düs­sel­dorfs Hö­fen ge­we­sen, von den schö­nen, wie von den häss­li­chen, sagt Grand­erath. „Die ge­hö­ren ja auch da­zu.“Und die­se Hö­fe ka­men wie ge­ru­fen, für ei­ne neue Le­se­rei­he an an­de­ren Or­ten, die sich die Ly­ri­ke­rin wünsch­te. „Mitt­ler­wei­le gibt es ja in je­der Pom­mes­bu­de ei­nen Poe­try Slam“, sagt Grand­erath, die seit vie­len Jah­ren den Dich­ter­wett­streit im Zakk mo­de­riert.

Über 30 bis 40 Be­su­cher hät­ten sie sich an­fangs ge­freut, sagt Grand­erath, zur Pre­mie­re vor vier Jah­ren wa­ren es dann aber gleich 70 und zu drit­ten Le­sung ka­men hun­dert. Da trat auch Til­man Rammstedt auf, der Bach­mann-Preis­trä­ger von 2008. Ein sehr be­kann­ter, ein be­kann­ter und ein un­be­kann­ter Au­tor sind je­weils zu den Le­sun­gen ein­ge­la­den, die an wech­seln­den Or­ten statt­fin­den und die so gut funk­tio­nie­ren, weil ne­ben dem üb­li­chen Li­te­ra­tur­pu­bli­kum auch Men­schen aus der Nach­bar­schaft kom­men, die mal gu­cken wol­len. Der Ein­tritt ist frei. In der Pau­se kau­fen sie sich Eis am Stil am nächs­ten Büd­chen – das sind die bes­ten Aben­de, wenn es rich­tig schön warm ist.

An­fangs ha­ben die Ver­an­stal­ter die Hof­be­sit­zer an­ge­spro­chen, mitt­ler­wei­le mel­den die sich: Hal­lo, wir

„Mitt­ler­wei­le gibt es ja in je­der Pom­mes­bu­de ei­nen Poe­try Slam“

ha­ben auch ei­nen Hof! „Wir sind be­müht, nicht im­mer in die glei­chen Stadt­tei­le zu ge­hen“, sagt Grand­erath. Die Hö­fe je­den­falls dop­pel­ten sich bis­lang nicht. In die­sem Jahr gibt es die Auf­takt­le­sung in Flin­gern, dort ist ei­ne Dru­cke­rei Gast­ge­be­rin, in der Wo­che dar­auf geht es in den Hof ei­ner Schrei­ne­rei in Ober­kas­sel. Man neh­me sich jetzt mal den Mit­tel­stand vor, sagt Grand­erath. Für Le­sung drei geht es in den Hof ei­ner Kin­der­initia­ti­ve in Fried­rich­stadt. Na gut, das ist kein Mit­tel­stand. Aber der Ver­ein be­treibt im­mer­hin ei­nen ei­ge­nen Wein­la­den.

Los geht es am 11. Au­gust mit den Au­to­ren Selim Öz­do­gan, Pier­re Ja­ra­wan und Lu­zie Schwie­der. Der ei­ne las jüngst auch beim Bach­man­nP­reis, der an­de­re liest aus sei­nem Ro­man­de­büt und Lu­zie Schwie­der ist 17, kommt aus Düsseldorf und wird ihr Ro­man­pro­jekt vor­stel­len. „Von der wer­den wir in den nächs­ten Jah­ren si­cher noch viel hö­ren“, sagt Grand­erath. Erst­mal ist sie jetzt aber im Hof zu hö­ren.

Ver­an­stal­te­rin

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