Viel­leicht mag ich dich mor­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG - AUS DEM ENG­LI­SCHEN VON KA­RIN DUFNER

An­na dreh­te sich um und sah, dass John Her­bert sie freund­lich an­strahl­te. „Oh, John, wahr­schein­lich ist es der schöns­te Tag in mei­nem Le­ben.“An­na konn­te ih­ren Über­schwang nicht zü­geln.

„Wol­len wir uns ins Ge­tüm­mel stür­zen und al­len er­zäh­len, was Sie Tol­les ge­leis­tet ha­ben?“, schlug er vor.

Nach­dem sie mit ver­schie­de­nen Gäs­ten ge­plau­dert, die Fir­men­s­pon­so­ren ge­büh­rend ge­bauch­pin­selt, den Kunst­kri­ti­kern Re­de und Ant­wort ge­stan­den und ei­ner Re­de des Mu­se­ums­di­rek­tors ge­lauscht hat­ten, fühl­te sich An­na leicht be­schwipst und platz­te bei­na­he vor Stolz.

Je­mand tipp­te ihr auf die Schul­ter, und Par­ker stand hin­ter ihr.

In­ter­es­san­tes Hemd . . . bau­mel­ten da tat­säch­lich Glöck­chen am Ba­tik­mus­ter?

„Wie fin­den Sie die App?“, frag­te er.

„Wun­der­voll“, ant­wor­te­te An­na. „Vie­len Dank.“

Nach­dem An­na den Leu­ten von Par­lez bei dem Mee­ting so rich­tig die Höl­le heiß ge­macht hat­te, war sie ver­mut­lich die Ein­zi­ge ge­we­sen, die sich beim Be­trach­ten der Schau­spiel­sze­nen am Schreib­tisch ein Trän­chen hat­te ver­drü­cken müs­sen. Sie hat­te be­fürch­tet, ei­ne Stüm­pe­rin in der Rol­le der Theo­do­ra zu se­hen zu krie­gen. Doch die Frau mit der Ad­ler­na­se, der ge­las­se­nen Aus­strah­lung und den kaf­fee­satz­far­be­nen Au­gen äh­nel­te dem Vor­bild auf un­heim­li­che Wei­se.

„Der Teil über Mo­de – Der Kai­se­rin neue Klei­der? Der ist von mir.“

An­na lä­chel­te. „Hüb­sches Wort­spiel.“„Da das Pro­jekt jetzt ab­ge­schlos­sen ist, braucht ihr euch ja nicht mehr zu ver­ste­cken, oder?“, frag­te Par­ker. „Ver­zei­hung?“„Ist schon gut“, raun­te Par­ker. „Ich ha­be euch ge­se­hen. Ich bin im Bil­de.“„Mich ge­se­hen?“„Sie und Ja­mes. Im Thea­ter. Ich weiß über euch Be­scheid . . . al­les okay . . .“

Par­ker grins­te. Und dann mach­te er die wohl an­stö­ßigs­te Ges­te der Welt, be­ste­hend aus ei­ner ge­ball­ten Faust und ei­nem hin­ein­ge­steck­ten und wie­der her­aus­ge­zo­ge­nen Fin­ger.

Im nächs­ten Mo­ment er­schien ein ex­trem auf­ge­brach­ter Ja­mes zwi­schen ih­nen und warf erst ei­nen Blick auf Par­kers Hän­de und da­nach auf An­nas ver­dat­ter­te Mie­ne.

„Oh, nein, Par­ker, was hast du an­ge­rich­tet?“

„Ich ha­be nur gesagt, dass du und An­na kein Ge­heim­nis mehr aus eu­rer Sa­che zu ma­chen braucht! Ja­mes mein­te, für Sie wä­ren Job und Spaß zwei Paar Stie­fel. Und jetzt könnt ihr so rich­tig Spaß ha­ben. Yeah!“Par­ker wa­ckel­te mit den Hüf­ten. Ja­mes rieb sich die Au­gen und zog ein Ge­sicht, als wür­de er sich am liebs­ten in Luft auf­lö­sen.

„Soll das hei­ßen, Sie glau­ben, dass zwi­schen uns was läuft?“, wand­te An­na sich an Par­ker. Und an Ja­mes. „Das hat er gesagt“, er­wi­der­te Par­ker mit ei­nem Blick zu Ja­mes. „Äh . . . ich. Er hat uns ge­se­hen, und . . .“Ja­mes ge­riet sicht­lich ins Schwit­zen, und sei­ne Mie­ne wirk­te ge­quält. An­na stell­te fest, dass sie sei­ne Ver­le­gen­heit ge­noss. Of­fen ge­stan­den war sie so­gar über­rascht, dass Ja­mes nicht Die? Bah! Nie­mals! aus­ge­ru­fen hat­te. Nein, Ja­mes Fra­ser ge­nier­te sich vor ihr. Sweet dreams are ma­de of this. „Du soll­test es doch für dich be­hal­ten“, sag­te sie. Ja­mes’ Au­gen wei­te­ten sich. Ei­ne lan­ge Pau­se. „Ja, sor­ry.“„Echt. Da will man mal ei­ne streng ge­hei­me Ge­schich­te an­fan­gen. Von der wirk­lich kei­ner weiß . . .“, füg­te sie hin­zu und hielt Ja­mes’ Blick stand. Sie schmun­zel­te. Ja­mes wag­te kaum, sei­nen Au­gen zu trau­en. „Dann hät­tet ihr von Co­vent Gar­den weg­blei­ben sol­len“, pro­tes­tier­te Par­ker. „Und ir­gend­wo hin­ge­hen, wo sonst nie­mand hin­geht. Shore­ditch oder so. Ha­ha­ha. Kommst du zu un­se­rer Fe­te zum fünf­jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um?“„Äh . . . ?“Nun war es An­na, die Ja­mes hilf­los an­sah. Ja­mes blieb der Mund of­fen ste­hen, und die Ant­wort ge­riet ihm zu ei­nem Stam­meln. „Oh, äh . . . ja. Das hät­te ich wahr­schein­lich er­wäh­nen sol­len . . .?“„Schau, wenn du nicht vor­hat­test, mich ein­zu­la­den . . .“, er­wi­der­te sie in ge­spiel­ter Em­pö­rung, um ihm Zeit zu ge­ben, sich zu fas­sen. Er lä­chel­te. Ein Lä­cheln, das ein er­freu­tes und er­leich­ter­tes Strah­len auf sein Ge­sicht zau­ber­te. An­na wur­de ein klei­nes biss­chen weich. Ganz si­cher des­halb, weil sie be­rauscht von Cham­pa­gner und Er­folg war. Und . . . es moch­te mög­li­cher­wei­se auch an sei­nen Ge­sichts­zü­gen lie­gen. Ob­wohl, das mit die­sem Bart à la Ka­pi­tän Had­dock soll­te er sich wirk­lich noch mal über­le­gen. „Nein, nein, nein. Na­tür­lich bist du ein­ge­la­den“, sag­te Ja­mes. „Leu­te, ich mach mich vom Acker“, ver­kün­de­te Par­ker. „Ja, du hast hier gan­ze Ar­beit ge­leis­tet“, mur­mel­te Ja­mes und be­dach­te An­na mit ei­nem spöt­ti­schen Blick. Sie konn­te nicht an­ders, als ihn lus­tig und char­mant zu fin­den. Wenn man Par­ker nur ei­ne Mi­nu­te al­lein ließ . . . Es konn­te buch­stäb­lich nicht viel län­ger ge­we­sen sein. Prompt war er wie ei­ne Schlan­ge auf Roll­schu­hen zu An­na ge­flitzt. Und na­tür­lich hat­te er die Klap­pe nicht hal­ten kön­nen. Ja­mes hät­te sich am liebs­ten in den Hin­tern ge­tre­ten. (Und war­um muss­te Par­ker, ob­wohl An­zug in der Ein­la­dung stand, in Kla­mot­ten auf­kreu­zen, zu de­nen Ja­mes nur die Be­schrei­bung „Clowns­ske­lett im Ra­ver­look“ein­fiel?). Be­son­ders är­ger­lich war es, weil Ja­mes es für un­kom­pli­zier­ter ge­hal­ten hat­te, wie­der mit Eva an sei­ner Sei­te auf­zu­kreu­zen, so­lan­ge kei­ner sei­ner Kol­le­gen die „Freun­din“ken­nen­ge­lernt hat­te. Doch da Eva in­zwi­schen zu Finn ge­zo­gen war, er­üb­rig­te sich die­ser Ein­wand ver­mut­lich. „Geh hin und be­to­nier ihm ei­ne“, hat­te Lau­rence’ fach­män­ni­scher Rat ge­lau­tet, als er von die­ser neu­en Ent­wick­lung er­fuhr. „Aber pass ja auf, dass dein Hemd von Thomas Pink da­bei zer­ris­sen wird. Frau­en ste­hen drauf, dass es rich­tig fetzt.“„Ich soll ein Mo­del ver­prü­geln? Das wä­re ja, als wür­de ich ei­ne Frau schla­gen.“„Wenn bei­de Ker­le nass sind, wirkt es noch bes­ser. Denk nur an Bridget Jo­nes.“Doch jetzt hat­te sich Par­ker ver­plap­pert. Mit dem Er­geb­nis, dass Ja­mes da­stand wie der größ­te Vol­l­idi­ot der Welt­ge­schich­te und kei­nen Mo­ment ge­zö­gert hät­te, ei­nen Ver­trag mit Di­gni­tas zu un­ter­zeich­nen, so sehr sehn­te er sich den köst­li­chen To­des­kuss ei­nes Che­mie­cock­tails her­bei.

(Fort­set­zung folgt)

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