Die zehn Punk­te der Kanz­le­rin

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON GRE­GOR MAYNTZ VON REIN­HARD KOWALEWSKY VW ÜBER­HOLT TO­YO­TA NUR . . ., SEI­TE B 2 VON THO­MAS REISENER

Die Kanz­le­rin eil­te aus dem Ur­laub nach Ber­lin, um mit ei­nem Neun-Punk­te-Plan nach­zu­wei­sen, dass sie an­ge­sichts der Ter­ror­an­schlä­ge an ei­nem Mehr an Si­cher­heit für die Bür­ger ar­bei­te. Über­ra­schen­des war nicht da­bei. Aber Be­mer­kens­wer­tes: Dass ein „Früh­warn­sys­tem“nun je­den in den Blick ho­len soll, der auf dem Weg der Selbstra­di­ka­li­sie­rung ist. Dass es „jetzt“Zeit sei, den lan­ge um­strit­te­nen Ein­satz der Bun­des­wehr im In­nern bei gro­ßen Ter­ror­la­gen auch prak­tisch ein­zu­üben.

Sie setzt da­mit fort, was sie seit letz­ten Herbst ver­folgt. Mit an­ge­streng­tem Op­ti­mis­mus („wir schaf­fen das“) und un­ter der Über­schrift ei­ner der Hu­ma­ni­tät ver­pflich­te­ten Will­kom­mens­kul­tur den Flücht­lings­strom ein­zu­däm­men, den Nach­zug ein­zu­schrän­ken, die Ab­schie­bun­gen zu be­schleu­ni­gen und die Gren­zen Eu­ro­pas ge­gen il­le­ga­le Mi­gra­ti­on ab­zu­dich­ten.

Die von Mer­kel aus­ge­ru­fe­ne his­to­ri­sche Be­wäh­rungs­pro­be mit dem Vor­satz, ziel­stre­big so wei­ter­zu­ar­bei­ten, hat zwar den Man­gel, dass sie kei­ne emo­tio­na­le „Er­zäh­lung“da­mit zu ver­bin­den ver­mag, an­de­rer­seits aber den kla­ren Hin­weis auf den noch feh­len­den zehn­ten Punkt, den sie noch zu­rück­hielt: Sie will auch nach 2017 (so) wei­ter­ma­chen. BE­RICHT „WIR SCHAF­FEN DAS“– MER­KEL . TITELSEITE

Für den neu­en VW-Chef Mat­thi­as Mül­ler kann es nur ei­ne klei­ne Er­leich­te­rung sein, dass der Kon­zern im ers­ten Halb­jahr wie­der mehr Au­tos als To­yo­ta ver­kauf­te: Die Die­sel­af­fä­re be­las­tet Image und Ge­win­ne wei­ter – noch ges­tern kün­dig­te ein US-Pen­si­ons­fonds ei­ne neue Kla­ge an. In den USA, dem mit Chi­na wich­tigs­ten Au­to­markt der Welt, bleibt VW schwach auf­ge­stellt. Da ist es nur ein klei­ner Trost, dass bil­li­ges Geld in Eu­ro­pa die Kauf­lust der Bür­ger an­kur­belt. Die zu nied­ri­gen Ge­win­ne beim Kern­ge­schäft un­ter der Mar­ke VW sind be­drü­ckend. Fol­ge: Der Kon­zern ist an der Bör­se nur 65 Mil­li­ar­den Eu­ro wert, To­yo­ta kommt auf 170 Mil­li­ar­den Eu­ro bei et­was nied­ri­ge­rer Ver­kaufs­zahl.

Was muss pas­sie­ren? Die Mit­ar­bei­ter müs­sen wei­te­re Ein­schnit­te hin­neh­men: In nur we­ni­gen Kon­zer­nen Deutsch­lands wird bes­ser be­zahlt als beim halb­staat­li­chen Kon­zern aus Wolfs­burg, das ist ris­kant. Das ge­spar­te Geld muss un­ein­ge­schränkt in die Ent­wick­lung elek­tri­scher Au­tos und di­gi­ta­ler Mo­bi­li­tät in­ves­tiert wer­den. Nur so kann ei­ner der wich­tigs­ten Pfei­ler von Deutsch­lands Wirt­schaft wie­der er­star­ken. BE­RICHT

DPro­blem­kon­zern VW

Trau­ri­ge Fi­nanz­po­li­tik

er NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter hat sich sei­ne Mess­lat­te selbst ge­legt: „In Kon­so­li­die­rung steckt das Wort so­li­de. Das neh­men wir sehr ernst“, sag­te Mi­nis­ter Wal­ter-Bor­jans (SPD) bei der Vor­stel­lung des ak­tu­el­len Haus­halts­plans. Lei­der kauft ihm – au­ßer in sei­ner ei­ge­nen Par­tei – kaum noch je­mand ab, dass sei­ne Fi­nanz­po­li­tik so­li­de sei. Mit trau­ri­ger Re­gel­mä­ßig­keit ver­öf­fent­li­chen die Ex­per­ten al­ler mög­li­chen Denk­fa­bri­ken schon seit Jah­ren skep­ti­sche bis fa­ta­le Ur­tei­le zum NRW-Haus­halt: In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft, Rhei­nisch-West­fä­li­sches In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung und jetzt PwC sind nur drei Bei­spie­le. Die Ur­tei­le äh­neln sich: Un­zu­rei­chen­den In­ves­ti­tio­nen in die künf­ti­gen Grund­la­gen der Wirt­schaft (und da­mit der Staats­ein­nah­men) ste­hen zu ho­he Aus­ga­ben auf Pump ge­gen­über.

Fi­nanz­po­li­tik ist mess­ba­re Prio­ri­tä­ten­set­zung. Des­halb kann man zu­sam­men­fas­sen: Die Kin­der von heu­te, de­nen das wa­cke­li­ge Fi­nanz-Er­be der Lan­des­po­li­tik ih­ren künf­ti­gen Gestal­tungs­spiel­raum raubt, ste­hen in der rot-grü­nen Prio­ri­tä­ten­lis­te nicht so weit oben wie im Wahl­kampf ver­spro­chen. BE­RICHT STU­DIE KRI­TI­SIERT NRW-FI­NANZ­PO­LI­TIK, TITELSEITE

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