Der schwie­ri­ge Aus­stieg aus der PKV

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON UWE SCHMIDT-KASPAREK

Wer den An­bie­ter wech­selt, ver­liert Al­ters­rück­stel­lun­gen. Die Rück­kehr in die GKV un­ter­liegt stren­gen Re­geln.

DÜS­SEL­DORF Die Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rer (PKV) ha­ben ih­re Bei­trä­ge in die­sem Jahr um rund 3,1 Pro­zent er­höht, wie die Ra­ting­agen­tur As­se­ku­ra­ta fest­ge­stellt hat. Al­lein die zum Er­go-Kon­zern ge­hö­ren­de DKV aus Köln er­höh­te im Früh­jahr ih­re Ta­ri­fe im Schnitt um knapp acht Pro­zent, in ei­nem Ta­rif so­gar um durch­schnitt­lich 29 Pro­zent.

Die Nied­rig­zin­sen er­hö­hen den Druck bei den Ver­si­che­rern. Das gilt auch für schon ein­kal­ku­lier­te Ge­win­ne durch den Wech­sel der Pri­vat­pa­ti­en­ten zu an­de­ren Un­ter­neh­men. Denn dann ver­lie­ren die Kun­den ih­re Al­ters­rück­stel­lun­gen ganz oder teil­wei­se. „Schon nach ei­ni­gen Jah­ren ist der Pri­vat­pa­ti­ent bei sei­nem Ver­si­che­rer öko­no­misch ge­fan­gen“, warnt Ver­si­che­rungs­be­ra­ter Klaus Blu­men­saat von der Kanz­lei Ad­ver­si aus Mül­heim/Ruhr. Da­her ist das Wech­sel­ge­schäft, an dem Ver­mitt­ler pri­ma ver­dient ha­ben, zum Er­lie­gen ge­kom­men. „Neue Kun­den sind ver­un­si­chert und ha­ben Angst vor der Un­be­zahl­bar­keit der PKV-Bei­trä­ge im Al­ter“, stellt der As­se­ku­ra­ta-Ex­per­te Ger­hard Reichl fest.

Seit 2012 ver­liert die Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) mehr Kun­den an die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV), als sie neue von dort ge­win­nen kann. Ins­ge­samt, vor al­lem be­dingt durch To­des­fäl­le, schrumpf­te die An­zahl der Pri­vat- pa­ti­en­ten seit­her um 170.000 Per­so­nen.

Wer pri­vat ver­si­chert ist und bei­spiels­wei­se in der End­pha­se sei­nes Be­rufs­le­bens aus­stei­gen will, muss sich an stren­ge ge­setz­li­che Re­geln hal­ten. So wer­den An­ge­stell­te, de­ren Ein­kom­men un­ter die Ein­stiegs­gren­ze von der­zeit 56.250 Eu­ro pro Jahr fällt, wie­der in der GKV ver­si­che­rungs­pflich­tig. Ein sol­ches Ab­sin­ken kann, in Ab­stim­mung mit dem Ar­beit­ge­ber, durch ei­ne Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit oder des Ein­kom­mens er­reicht wer­den. „Auch Selbst­stän­di­ge kön­nen, wenn sie un­ter der Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze blei­ben, wie­der in ein ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges Ar­beits­ver­hält­nis wech­seln“, er­läu­tert Ex­per­te Blu­men­saat. Mög­lich ist zu­dem, dass Selbst­stän­di­ge ih­re freie Tä­tig­keit re­du­zie­ren und ei­nen ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Teil­zeit­job auf­neh­men. Blu­men­saat: „Dann muss aber min­des­tens die Hälf­te der Ar­beits­zeit auf un­selbst­stän­di­ge Be­schäf­ti­gung ent­fal­len.“Laut GKVSpit­zen­ver­band kann man bei Ar­beit­neh­mern, die mehr als 20 St­un­den ar­bei­ten und de­ren Ar­beits­ent­gelt mehr als die Hälf­te der mo­nat­li­chen „Be­zugs­grö­ße“(2016: 1452,50 Eu­ro) aus­macht, da­von aus­ge­hen, dass für ei­ne haupt­be­ruf­li­che selbst­stän­di­ge Tä­tig­keit „kein Raum mehr bleibt“.

So­wohl für An­ge­stell­te wie für Selbst­stän­di­ge gilt aber, dass man zum Wech­sel­zeit­punkt nicht äl­ter

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