Auch Gü­lens An­hän­ger ha­ben Recht auf Schutz

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON DETLEV HÜWEL VON THO­MAS REISENER VON MICHAEL BRÖ­CKER FEI­ERN, BE­TEN, GE­DEN­KEN, SEI­TE A 5

Mit sor­gen­vol­lem Blick auf die mor­gi­ge Groß­de­mons­tra­ti­on war­nen deut­sche Po­li­ti­ker al­ler Cou­leur da­vor, die in­ner­tür­ki­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Er­do­gan-An­hän­gern und sei­nen Geg­nern bei uns aus­zu­tra­gen. Auch Han­ne­lo­re Kraft ge­hört da­zu. Doch wie es scheint, hin­ken sie mit ih­ren mah­nen­den Wor­ten der rau­en Wirk­lich­keit hin­ter­her.

Denn die Ra­che­wel­le, die seit dem miss­lun­ge­nen Putsch­ver­such über die Gü­len-Be­we­gung in der Tür­kei hin­weg­rollt, ist längst zu uns her­über­ge­schwappt. Nun, da ei­ni­ge Wis­sen­de ihr Schwei­gen bre­chen und an­de­re rich­ti­ger­wei­se die Po­li­zei ein­schal­ten, zeich­net sich im­mer deut­li­cher ab, wie sehr die Mit­glie­der und Sym­pa­thi­san­ten Gü­lens auch hier­zu­lan­de un­ter Druck ge­setzt wer­den. Ap­pel­le zum Kauf­boy­kott an tür­ki­schen Ge­schäf­ten, die tat­säch­li­chen oder ver­meint­li­chen Gü­len-An­hän­gern ge­hö­ren, we­cken bö­se Er­in­ne­run­gen an die blut­ge­tränk­te Na­zi-Pa­ro­le: „Kauft nicht bei Ju­den.“

So et­was dür­fen wir nicht durch­ge­hen las­sen. Der Staat muss je­den Ein­zel­nen schüt­zen, auch wenn er der Gü­len-Be­we­gung an­ge­hört und sein Idol, der erz­kon­ser­va­ti­ve Pre­di­ger Fe­thul­lah Gü­len, kei­nes­wegs ei­ne De­mo­kra­tie nach west­li­chem Vor­bild an­strebt. BE­RICHT 30.000 WOL­LEN FÜR . . ., TITELSEITE

För­dern oder Be­för­dern

Die 26.000 Fi­nanz­be­am­ten in NRW kön­nen nichts für das viel zu kom­pli­zier­te deut­sche Steu­er­recht. Sie kön­nen auch nichts da­für, dass der Fis­kus den Bür­gern zu viel Geld ab­knöpft. Die Fi­nanz­be­am­ten set­zen die un­be­lieb­ten Vor­ga­ben der Politik nur um – und die meis­ten ma­chen das gut. Na­tür­lich müs­sen auch in der Fi­nanz­ver­wal­tung Leis­tungs­trä­ger Aus­sicht auf Be­för­de­run­gen ha­ben.

Die Me­tho­de, mit der der Fi­nanz­mi­nis­ter die­se Selbst­ver­ständ­lich­keit nun um­setzt, ist al­ler­dings frag­wür­dig. Er paukt bin­nen ei­nes Mo­nats ei­ne spek­ta­ku­lä­re Mas­sen­be­för­de­rung durch. Nur we­ni­ge Ta­ge, be­vor neue Vor­ga­ben für ei­ne stär­ke­re Be­vor­zu­gung von Frau­en bei Be­för­de­run­gen in Kraft ge­tre­ten sind, die er selbst mit­ge­tra­gen hat.

Wä­re ihm wirk­lich an der Um­set­zung der ver­schärf­ten Frau­en­för­de­rung ge­le­gen, hät­te der Mi­nis­ter auch noch ein paar Ta­ge war­ten kön­nen. Dann wä­ren an­de­re be­för­dert wor­den. Schein­bar war das nicht ge­wollt. Neue Richt­li­ni­en nur für an­de­re zu be­schlie­ßen und sie selbst zu um­ge­hen, ist kein fei­ner Stil. BE­RICHT 1531 FI­NANZ­BE­AM­TE BE­FÖR­DERT, TITELSEITE

Lau­tes Ge­den­ken

Der stil­le Be­such von Papst Fran­zis­kus an dem Ort des Bö­sen ist in sei­ner Wir­kung dröh­nend laut. Der Schmerz er­wacht durch die Bil­der. Und dass in Au­schwitz die Spra­che wie an kaum ei­nem an­de­ren Ort ver­sagt, hat­te schon der sonst so wort­mäch­ti­ge deut­sche Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 vor sei­nem Be­such auf dem Ge­län­de des frü­he­ren Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers ge­sagt.

Des­halb ist der Ver­zicht auf ei­ne An­spra­che auch kein Ver­ste­cken, son­dern ein Zei­chen des Re­spekts und des ehr­li­chen Ge­den­kens. Die Botschaft ist: Das Ver­gan­ge­ne ist nie ver­gan­gen, und die ka­tho­li­sche Kir­che, zu der Mit­wis­ser im Na­zi-Reich ge­hör­ten, ist sich ih­rer Ver­ant­wor­tung be­wusst. Sie ver­neigt sich in De­mut vor dem Ju­den­tum.

Das Schwei­gen von Au­schwitz ist das Schrei­en zu Gott. Die Theo­di­zee-Fra­ge. Wie konn­te Gott so et­was zu­las­sen? Vie­le ha­ben sich nach dem Ho­lo­caust, dem Zi­vi­li­sa­ti­ons­bruch, von Gott ab­ge­wen­det. Ei­ne Papst-Re­de stellt dies nicht wie­der her. Der Schrei zu Gott muss des­halb ein ewi­ger Auf­schrei an uns selbst sein: Mensch, bleib Mensch! BE­RICHT

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