Be­wäh­rung für rus­si­sche Hoo­li­gans

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON CLAUDIA HAU­SER

Bei den Schlä­gern han­delt es sich um Ma­na­ger, Wirt­schafts­prü­fer und Leh­rer.

KÖLN Vor dem Köl­ner Amts­ge­richt sind ges­tern vier rus­si­sche Hoo­li­gans we­gen ge­mein­schaft­li­cher ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung zu Be­wäh­rungs­stra­fen ver­ur­teilt wor­den. Der Haupt­tä­ter An­ton C. er­hielt ei­ne Frei­heits­stra­fe von ei­nem Jahr und die an­de­ren drei An­ge­klag­ten von je­weils zehn Mo­na­ten – al­le­samt zur Be­wäh­rung. Die Män­ner leg­ten ein Ge­ständ­nis ab. Das Ver­fah­ren ge­gen ei­nen Fünf­ten, der die Vor­wür­fe be­stritt, wird in zwei Wo­chen ge­son­dert fort­ge­setzt.

Die Män­ner hat­ten auf dem Rück­weg von der Fuß­ball-EM in Frank­reich am 16. Ju­ni ei­nen Zwi­schen­stopp in Köln ein­ge­legt. Dort tra­fen sie an der Ost­sei­te des Köl­ner Doms auf drei spa­ni­sche Tou­ris­ten, die sie dann ver­prü­gel­ten.

Die Staats­an­walt­schaft re­kon­stru­ier­te den Ta­t­ab­lauf wie folgt: Die Män­ner ka­men ge­gen 16 Uhr mit dem Tha­lys aus Brüs­sel und hat­ten ei­nen Zwi­schen­stopp in Köln. Am spä­ten Abend woll­ten sie vom Flug­ha­fen Köln-Bonn nach Russ­land flie­gen. Sie gin­gen in die Alt­stadt, tran­ken Bier und pö­bel­ten Pas­san­ten an. Ein Zi­vil­be­am­ter be­hielt die Män­ner im Au­ge und folg­te ih­nen auf ih­rem Weg zum Dom. Dort traf die Grup­pe auf die bei­den Spa­nier (20, 24), die in Be­glei­tung ei­ner Freun­din (41) auf dem Weg zum Rhein wa­ren. Ei­ner von ih­nen trug ein T-Shirt mit dem Auf­druck „Re­fu­gees wel­co­me“, sein Kum­pel kleb­te ei­nen an­ti­fa­schis­ti­schen Auf­kle­ber auf ei­ne Me­tall­tür. Ei­ner der Hoo­li­gans frag­te: „An­ti­fa?“, der spa­ni­sche Tou­rist ver­stand nicht recht und frag­te zu­rück: „An­ti­fa?“, da gin­gen die An­ge­trun­ke­nen schon im Pulk auf ihn und sei­nen Kum­pel los. Ei­ner der An­grei­fer, der 28-jäh­ri­ge An­ton C., trat ei­nem der bei­den mit An­lauf ins Ge­sicht, als der schon am Bo­den lag. Er er­litt ei­nen of­fe­nen Na­sen­bein­bruch und zahl­rei­che Prel­lun­gen am gan­zen Kör­per. Auch das zwei­te Op­fer wur­de schwer ver­letzt. Hun­dert­schafts­be­am­te wa­ren in­ner­halb von Mi­nu­ten vor Ort und set­zen die An­grei­fer fest. An­ton C. ver­such­te noch, sich ge­gen die Be­am­ten zur Wehr zu set­zen, als er schon ge­fes­selt war.

Die ver­ur­teil­ten Hoo­li­gans sind Män­ner zwi­schen 26 und 31 Jah­ren, über­wie­gend Fa­mi­li­en­vä­ter. Von Be­ruf sind sie Koch, Wirt­schafts­prü­fer, Ma­the­leh­rer und Ma­na­ger. Durch die sechs­wö­chi­ge Un­ter­su­chungs­haft sei­en sie in Exis­tenz­nö­te ge­ra­ten, mo­nier­ten ih­re Ver­tei­di­ger. Der 31-jäh­ri­ge Oleg M. ver­lor sei­nen Job als Ma­na­ger ei­ner Uh­ren­fir­ma, weil er nach der EM nicht nach Hau­se zu­rück­keh­ren konn­te.

Ei­ne Er­mitt­lungs­grup­pe der Po­li­zei hat­te mit den fran­zö­si­schen Be­hör­den zu­dem ver­sucht her­aus­zu­fin­den, ob die Grup­pe an den schwe­ren Hoo­li­gan-Kra­wal­len in Mar­seil­le be­tei­ligt war. Doch die Be­hör­den konn­ten den fünf Män­nern kei­ne Be­tei­li­gung nach­wei­sen.

FO­TO: DPA

Die An­ge­klag­ten ver­steck­ten sich ges­tern hin­ter Bro­schü­ren.

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