„Es gibt kei­nen Grund, Ge­walt zu be­fürch­ten“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Die tür­ki­sche Ge­ne­ral­kon­su­lin hat der NRW-Re­gie­rungs­che­fin Kraft ei­ne fried­li­che De­mo zu­ge­si­chert.

Su­le¸ Gü­rel kam per­sön­lich in die Re­dak­ti­on, um die Politik der tür­ki­schen Re­gie­rung zu er­klä­ren – welt­of­fen und ge­wandt. Das passt nicht zu den Mas­sen­ver­haf­tun­gen in ih­rem Land. Die sei­en aber nö­tig, meint die Di­plo­ma­tin. Ist Er­do­gan lu­pen­rei­ner De­mo­krat? GÜ­REL Er ist ein ech­ter De­mo­krat. Er hat die Qua­li­tät der De­mo­kra­tie ver­bes­sert. Er hat Schrit­te un­ter­nom­men, die Do­mi­nanz des Mi­li­tärs im po­li­ti­schen Le­ben zu ver­min­dern. Und ver­ges­sen wir nicht, dass die AKP-Re­gie­rung un­ter sei­ner Füh­rung vie­le Re­for­men durch­ge­führt hat, um un­se­re de­mo­kra­ti­schen Stan­dards zu ver­bes­sern. Das soll­te den Weg in die EU eb­nen. Und er fand viel Bei­fall im Wes­ten. War­um sind jetzt so vie­le Men­schen hin­ter Git­tern ge­lan­det? GÜ­REL Al­le, die ver­haf­tet wur­den, ha­ben Ver­bin­dun­gen zu Ter­ror­or­ga- ni­sa­tio­nen. Wir müs­sen uns ge­gen den Ter­ror von PKK, IS und der Or­ga­ni­sa­ti­on von Fe­thul­lah Gü­len (Fe­to) ver­tei­di­gen. Die Fe­to or­ga­ni­sier­te den Putsch vom 15. Ju­li. Die Gü­len-Be­we­gung ei­ne Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on? Das müs­sen Sie uns er­klä­ren GÜ­REL Sie ha­ben of­fe­ne und ver­deck­te Zie­le. Sie prä­sen­tie­ren sich als Vor­kämp­fer für Frie­den, To­le­ranz und Dia­log des Glau­bens. Aber ihr ver­deck­tes Ziel ist es, den Staat mit ih­ren An­hän­gern zu un­ter­wan­dern und die sä­ku­la­re Ver­fas­sungs­ord­nung zu zer­stö­ren. Die Mit­glie­der des ge­hei­men Netz­werks wur­den jah­re­lang in Ar­mee, Po­li­zei, Rechts­we­sen und die zi­vi­le Ver­wal­tung ein­ge­schleust. Sie ha­ben vie­le il­le­ga­le Ak­tio­nen un­ter­nom­men wie das Ab­hö­ren des Bü­ros des Prä­si­den­ten und an­de­rer Po­li­ti­ker, wie die Über­wa­chung von Staats­be­diens­te­ten, wie Er­pres­sung und den Dieb­stahl von Prü­fungs­un­ter­la­gen öf­fent­li­cher In­sti­tu­tio­nen, um ih­re Mit­glie­der in Staats­or­ga­nen un­ter­zu­brin­gen. Hin­zu­kommt, dass sie Schein­ver­hand­lun­gen ge­gen Hun­der­te von ho­hen Mi­li­tärs or­ga­ni­sier­ten, um sie mit ge­fälsch­ten Be­wei­sen zu ver­haf­ten. Sie woll­ten so die Kon­trol­le der Ar­mee über­neh­men. Das ist il­le­gal, wenn Sie es be­wei­sen kön­nen, aber noch kein Ter­ro­ris­mus. GÜ­REL Der ul­ti­ma­ti­ve Ter­ror-Akt ist der blu­ti­ge Putsch vom 15. Ju­li. Ich fin­de, dass die Bom­bar­die­rung un- se­res Par­la­ments und an­de­rer staat­li­cher Ge­bäu­de, der Ver­such, un­se­ren Prä­si­den­ten und Mit­glie­der der Re­gie­rung zu er­mor­den so­wie auf Zi­vil­per­so­nen zu schie­ßen, Ter­rorAk­te sind. Un­se­re Si­cher­heits­kräf­te be­fürch­ten Ge­walt­ta­ten bei der De­mo in Köln. GÜ­REL Es de­mons­trie­ren nicht nur Er­do­gan-An­hän­ger. Das Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee ist breit ge­fä­chert und schließt vie­le Op­po­si­ti­ons­grup­pen und Nicht-Re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen ein. Es gibt kei­nen Grund, Ge­walt zu be­fürch­ten. Die Or­ga­ni­sa­to­ren tun al­les, um ei­ne fried­li­che Ver­an­stal­tung zu ga­ran­tie­ren. Ich ha­be mit der NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft te­le­fo­niert, um ihr das zu ver­si­chern. Die­se De­mons­tra­ti­on ist ei­ne Stim­me der De­mo­kra­tie ge­gen den Putsch. MICHAEL BRÖ­CKER UND MAR­TIN KESS­LER FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

FO­TO: DPA

Es war ein­mal der Sä­ku­la­ris­mus: Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan im März 2015 bei ei­ner Re­de an der Kriegs­aka­de­mie in Istan­bul. Hin­ter ihm ein rie­si­ges Bild von Re­pu­blik­grün­der Musta­fa Ke­mal Ata­türk (1881–1938) in Uni­form.

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