Ren­ten­steu­er, Wit­wen­ren­te, Mi­ni­job

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - QU­EL­LE: BMF | FO­TO: REU­TERS | GRA­FIK: FERL

Fünf Ex­per­ten hal­fen hun­dert Le­sern bei Fra­gen rund um die Ren­te. Sie er­klär­ten, wer noch mit 63 ab­schlags­frei ge­hen kann, für wen der Kran­ken­kas­sen-Bei­trag dop­pelt so hoch ist und war­um ei­ne Kün­di­gung der Ries­ter-Ver­trä­ge nicht sinn­voll ist.

DÜS­SEL­DORF Zum Ab­schluss un­se­rer Ren­ten-Se­rie konn­ten Le­ser ges­tern un­se­re Ex­per­ten be­fra­gen. Mein Ren­ten­ver­lauf ist ge­klärt. Wann stel­le ich den Ren­ten­an­trag? EX­PER­TEN Drei Mo­na­te vor Ren­ten­be­ginn soll­ten Sie den An­trag bei der Ren­ten­ver­si­che­rung stel­len. Ich ha­be 50 Jah­re lang ge­ar­bei­tet. Kann ich mit 65 in Ren­te ge­hen, oh­ne Ab­schlä­ge hin­neh­men zu müs­sen? EX­PER­TEN Ja. Die Re­gel­al­ters­gren­ze steigt zwar auf 67. Doch wer 45 Jah­re lang ge­ar­bei­tet und Bei­trä­ge ge­zahlt hat, darf als „be­son­ders lang­jäh­rig Ver­si­cher­ter“mit 65 ab­schlag­frei in Ren­te ge­hen. Ich schei­de im Ja­nu­ar 2017 mit 63 Jah­ren aus dem Be­rufs­le­ben aus und ha­be dann 35 Ver­si­che­rungs­jah­re voll. Wie hoch ist mei­ne Ren­te? EX­PER­TEN Wer mit 63 Jah­ren in Ren­te geht, geht mit 12 Pro­zent Ab­schlag – die­se Kür­zung bleibt Ihr Le­ben lang be­ste­hen. Aber wie je­der Rent­ner pro­fi­tie­ren auch Sie von den jähr­li­chen Ren­ten­er­hö­hun­gen, die zum 1. Ju­li er­fol­gen. Ich bin Jahr­gang 1953. Nach der Leh­re ha­be ich zwei Kin­der be­kom­men. Seit 2015 ha­be ich ei­nen Mi­ni­job von 177 Eu­ro. Kann ich ei­ne ge­setz­li­che Ren­te be­kom­men und wann? EX­PER­TEN Da Sie nur drei Jah­re ge­ar­bei­tet ha­ben, ha­ben Sie die so ge­nann­te „gro­ße War­te­zeit“nicht er­füllt und kön­nen nicht vor­zei­tig in Ren­te ge­hen. Aber Sie kön­nen ab Er­rei­chen der Re­gel­al­ters­gren­ze die Al­tes­ren­te be­kom­men. Das ist für Sie mit 65 Jah­ren und sie­ben Mo­na­ten der Fall. Ih­re Al­ters­ren­te en­hält un­ter an­de­rem rund 120 Eu­ro Müt­ter­ren­te für Ih­re zwei Kin­der. Ich bin ei­ne Frau, im März 1953 ge­bo­ren und schwer­be­hin­dert. Wann kann ich ab­schlag­frei in Ren­te ge­hen? Und: Kann ich auch mehr be­kom­men, wenn ich län­ger ar­bei­te? EX­PER­TEN Sie kön­nen als Schwer­be­hin­der­ter zum 1. No­vem­ber 2016 oh­ne Ab­schlä­ge in Ren­te ge­hen. Wenn Sie wei­ter ar­bei­ten, füh­ren die hö­he­ren Bei­trä­ge aber auch zu ei­ner hö­he­ren Ren­te. Ich be­kom­me 1297 Eu­ro Ren­te im Mo­nat. Muss ich Steu­ern zah­len? EX­PER­TEN Das kommt dar­auf an, wann Sie in Ren­te ge­gan­gen sind und ob Sie wei­te­re Ein­künf­te ha­ben. Wenn Sie wei­te­re Ein­künf­te ha­ben, müs­sen Sie wahr­schein­lich ei­ne Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben. Mei­ne Frau ist seit 1995 im Ru­he­stand, ich seit 1997. Müs­sen wir auf die Ren­te Steu­ern zah­len? EX­PER­TEN Wer vor 2005 in Ren­te ge­gan­gen ist, muss 50 Pro­zent der Ren­te ver­steu­ern – so­fern die­se über dem Frei­be­trag liegt. Wenn Sie sonst kei­ne wei­te­ren Ein­künf­te ha­ben, ist die Be­steue­rung un­wahr­schein­lich. Aber fra­gen Sie beim Fi­nanz­amt nach, ob Sie ei­ne Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben müs­sen. Ich bin Rent­ner und ha­be bis­lang kei­ne Steu­ern ge­zahlt. Nach der jüngs­ten Er­hö­hung wer­de ich steu­er­pflich­tig. Was muss ich tun? EX­PER­TEN Ge­ben Sie im nächs­ten Jahr für 2016 ei­ne Steu­er­er­klä­rung mit der An­la­ge R ab. Steu­er­er­klä­rungs-Soft­ware, Lohn­steu­er­ver­ei­ne oder der Steu­er­be­ra­ter kön­nen Ih­nen hel­fen. Ich be­kom­me bald ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Al­ters­ren­te. Darf ich im Rah­men ei­nes Mi­ni­jobs 450 Eu­ro da­zu ver­die­nen? Wie viel Steu­er muss ich zah­len? EX­PER­TEN So lan­ge Sie nicht mehr als 450 Eu­ro im Mo­nat da­zu ver­die­nen, gibt es kei­ne Pro­ble­me – Ih­re vor­ge­zo­ge­ne Ren­te wird nicht ge­kürzt. Das pas­siert im Vor­ru­he­stand nur, wenn man mehr ver­dient. So­bald Sie die Re­gel­al­ters­ren­te be­kom­men, dür­fen Sie so viel da­zu ver­die­nen, wie Sie wol­len. Wer 2016 in Ren­te geht, muss grund­sätz­lich 72 Pro­zent sei­ner Ren­te ver­steu­ern, wenn die­se über dem Gr­und­frei­be­trag liegt. Ich bin 78 Jah­re alt und ha­be ei­ne ei­ge­ne Ren­te von 1000 Eu­ro. Seit 2014 be­zie­he ich ei­ne Wit­wen­ren­te. Ich ver­die­nen jetzt 500 Eu­ro im Mo­nat da­zu - und prompt wird mir die Ren­te ge­kürzt. Wie­so? EX­PER­TEN Ih­re ei­ge­ne Ren­te wird durch den Zu­ver­dienst nicht ge­kürzt. Für die Wit­wen­ren­te lie­gen Sie aber ins­ge­samt über dem zu­läs­si­gen Höchst­be­trag von 803,83 Eu­ro, denn Al­ters­ren­te und Ver­dienst sum­mie­ren sich ja auf 1500 Eu­ro. Was über dem Frei­be­trag liegt, wird zu 40 Pro­zent von der Wit­wen­ren­te ab­ge­zo­gen. Des­halb wird Ih­re Wit­wen­ren­te um rund 280 Eu­ro ge­kürzt. Ich bin Jahr­gang 1953 und zu 50 Pro­zent schwer­be­hin­dert. Wann kann ich ab­schlag­frei in Ren­te? Wann darf ich be­lie­big hin­zu­ver­die­nen? EX­PER­TEN Als Schwer­be­hin­der­ter kön­nen Sie mit 63 Jah­ren und sie­ben Mo­na­ten ab­schlag­frei in Ren­te ge­hen. Sie kön­nen be­lie­big viel hin­zu­ver­die­nen, so­bald Sie 65 Jah­re und sie­ben Mo­na­te alt sind. Das ist für den Jahr­gang 1953 die Re­gel­al­ters­gren­ze. Im Ru­he­stand be­kom­me ich ne­ben der ge­setz­li­chen Ren­te ei­ne Di­rekt- Ma­xi­ma­le mo­nat­li­che Ren­te (in Eu­ro), ge­ord­net nach Jahr des Ren­ten­be­ginns, bei der für 2016 noch kei­ne Steu­er an­fällt* Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolfgang Schäu­b­le *ge­setz­li­che Ren­te vor Ab­zug von Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung; al­lein­ste­hen­der Rent­ner oh­ne zu­sätz­li­che Ein­künf­te ver­si­che­rung aus­ge­zahlt. Muss ich Kran­ken­kas­sen-Bei­trä­ge zah­len? EX­PER­TEN Ja. Auf die ge­setz­li­che Ren­te wird der hal­be Satz des Kran­ken­kas­sen­bei­trags fäl­lig. Auf die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge der vol­le Satz – üb­ri­gens un­ab­hän­gig da­von, ob Sie das Geld auf ei­nen Schlag oder als mo­nat­li­che Ren­te er­hal­ten. Ich ha­be 25.000 Eu­ro in die Be­triebs­ren­te ge­steckt. Stimmt es, dass ich die Ren­te spä­ter ver­bei­tra­gen muss? Das ist doch ein schlech­tes Ge­schäft! EX­PER­TEN Ja. Sie müs­sen den vol­len Satz für Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zah­len. Das regt vie­le Men­schen auf und ist bis vor das Ver­fas­sungs­ge­richt ge­gan­gen. Die Rich­ter ha­ben ent­schie­den, dass die­se Re­ge­lung ver­fas­sungs­kon­form ist. Ich bin 37 Jah­re und möch­te pri­vat fürs Al­ter vor­sor­gen. Was soll ich tun? EX­PER­TEN Erst­mal bau­en Sie ei­ne Li­qui­di­täts­re­ser­ve in Form von Ta­ges­geld auf – am bes­ten drei bis sechs Net­to­mo­nats­ge­häl­ter. Für Au­to und Mö­bel be­nö­ti­gen Sie zu­dem ei­ne mitt­le­fris­ti­ge Rück­la­ge. Al­les wei­te­re Geld ste­cken Sie in die Al­ters­vor­sor­ge. Prü­fen Sie, ob für Sie staat­li­che För­de­rung (Ries­ter­ver­trag) oder ei­ne Be­triebs­ren­te in Fra­ge kommt. Das ist at­trak­tiv, wenn der Ar­beit­ge­ber zehn bis 15 Pro­zent zu­zahlt. In je­dem Fall soll­ten Sie sich per­sön­lich be­ra­ten las­sen. Ich bin 50 , ha­be sechs Jah­re als An­ge­stell­ter ge­ar­bei­tet, bin nun selbst­stän­dig. Wel­che Vor­sor­ge ist nö­tig? EX­PER­TEN Als Selbst­stän­di­ger be­nö­ti­gen Sie ei­ne Vor­sor­ge fürs Al­ter, der Staat hilft Selbst­stän­di­gen bei der Rü­rup-Ren­te. Zu­dem be­nö­ti­gen Sie Schutz für Er­werbs­min­de­rung, da Sie nicht mehr in die ge­setz­li­che Ver­si­che­rung ein­zah­len. Sie soll­ten ei­ne Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ab­schlie­ßen. Das geht auch mit 50. Mei­ne Toch­ter ist 25 und hat ei­nen Ries­ter-Ver­trag . Die­se sind ja ins Ge­re­de ge­kom­men. Soll sie kün­di­gen? EX­PER­TEN Nein. Grund­sätz­lich sind ge­ra­de die al­ten Ver­trä­ge at­trak­tiv, weil sie noch mit hö­he­ren Zin­sen ver­bun­den sind, als es sie für heu­ti­ge Ver­trä­ge gibt. Zu­dem zahlt der Staat ja wei­ter­hin Zu­la­gen. Ich ar­bei­te als An­ge­stell­te in ei­nem In­ge­nieur­bü­ro. Kann ich in ei­ne pri­va­te Ren­ten­ver­si­che­rung wech­seln? EX­PER­TEN Nein, als An­ge­stell­ter un­ter­lie­gen Sie der Pflicht­ver­si­che­rung. Vom Brut­to­lohn müs­sen 18,7 Pro­zent (die sich Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer tei­len) an die Ren­ten­kas­se ab­ge­führt wer­den.

ANT­JE HÖNING FASS­TE ZU­SAM­MEN.

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