Spio­na­ge­an­griff ge­gen Te­le­kom

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

Ma­na­ger des chi­ne­si­schen Kon­zerns ZTE sol­len ei­nen Te­le­kom-Mit­ar­bei­ter be­sto­chen ha­ben, um ge­hei­me In­fos zu er­hal­ten. Die Staats­an­walt­schaft er­mit­telt und durch­such­te Bü­ros – die Ver­däch­ti­gen ha­ben sich ab­ge­setzt.

BONN Die Te­le­kom ist ei­nem un­ge­wöhn­lich dreis­ten An­griff auf die Spur ge­kom­men. Nach ei­nem an­ony­men Hin­weis wur­de ein Ma­na­ger des Kon­zerns im Fe­bru­ar be­zich­tigt, Ge­heim­nis­se des mit Oran­ge (ehe­mals Fran­ce Tele­com) be­trie­be­nen Ein­kaufs­un­ter­neh­mens Buy­in ge­gen Be­ste­chungs­geld von mehr als 150.000 Eu­ro an den chi­ne­si­schen Kon­zern ZTE ver­ra­ten zu ha­ben. Buy­in ko­or­di­niert ein Ein­kaufs­vo­lu­men von 25 Mil­li­ar­den Eu­ro.

„Es wird ge­gen zwei Ma­na­ger von ZTE we­gen des Ver­dachts der Be­ste­chung er­mit­telt.“

Die­ser Vor­gang wur­de un­se­rer Re­dak­ti­on jetzt über ver­trau­li­che Kon­tak­te be­kannt, Te­le­kom und Staats­an­walt­schaft Bonn be­stä­ti­gen ihn.

Im Fe­bru­ar ge­stand der Te­le­komMit­ar­bei­ter dann auch die Ver­feh­lung nach in­ten­si­ver in­ter­ner Be­fra­gung. Er un­ter­schrieb ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag. Die Te­le­kom schal­te­te da­nach die Jus­tiz ein. Und die wur­de ak­tiv: „In die­sem Zu­sam­men­hang sind die Bü­ro­räum­lich­kei­ten von ZTE in Bonn durch­sucht wor­den.“Das er­klär­te ges­tern ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on Se­bas­ti­an Buß, Spre­cher der Staats­an­walt­schaft Bonn. Er er­klärt auch, wo­rum es geht: „Es wird ge­gen ei­nen frü­he­ren Mit­ar­bei­ter der Te­le­kom und zwei Ma­na­ger von ZTE un­ter an­de­rem we­gen des Ver­dachts der Be­stech­lich­keit und Be­ste­chung im ge­schäft­li­chen Ver­kehr er­mit­telt.“Die Te­le­kom be­stä­tigt, ge­gen zwei ZTEMa­na­ger Straf­an­zei­ge ge­stellt zu ha­ben.

Für ZTE ist der Vor­gang sehr pein­lich. Die Fir­ma aus Shen­zhen im Sü­den von Chi­na mit Eu­ro­pa­zen­tra­le in Düs­sel­dorf ver­sucht seit Jah­ren, bes­se­re Be­zie­hun­gen zu Eu­ro­pas Te­le­fon­kon­zer­nen auf­zu­bau­en. Um sich als Lie­fe­rant von Smart­pho­nes zu pro­fi­lie­ren, ist ZTE Co-Spon­sor von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach ge­wor­den.

Bei der Te­le­kom wird ZTE es künf­tig aber sehr schwer ha­ben. „Vor­stands­chef Tim Hött­ges sieht den Vor­gang als un­er­träg­lich an“, be­rich­tet ein Mit­ar­bei­ter. Im Kl­ar­text: Es sei nicht ak­zep­ta­bel, wenn ZTE sich ei­nen Vor­teil bei Aus­schrei­bun­gen durch Werks­spio­na­ge ver­schaf­fe. ZTE müs­se ei­ne in­ter­na­tio­na­le, un­ab­hän­gi­ge An­walts­kanz­lei ein­schal­ten, um die Vor­gän­ge auf­zu­klä­ren, er­klärt der Bon­ner Kon­zern.

ZTE äu­ßert sich nicht zu der Af­fä­re trotz viel­fa­cher Nach­fra­ge. „Al­le wich­ti­gen Leu­te sind in Ur­laub oder un­ter­wegs“, sag­te ges­tern ein Mit­ar­bei­ter in Düs­sel­dorf am Te­le­fon.

Nicht zur Auf­klä­rung des Sach­ver­hal­tes tra­gen je­den­falls die zwei ver­däch­ti­gen ZTE-Ma­na­ger bei. Die wa­ren näm­lich bei der Haus­durch­su­chung im Fe­bru­ar über­ra­schend ab­ge­reist. Ih­re Bü­ros wa­ren aber auf­fäl­lig gut auf­ge­räumt, heißt es in Fahn­der­krei­sen: „Die wa­ren wohl vor­ge­warnt wor­den und sind in die Hei­mat ab­ge­hau­en.“Pres­se­spre­cher Buß er­klärt: „Der Auf­ent­halt der zwei ZTE-Mit­ar­bei­ter ist uns ak­tu­ell nicht be­kannt.“

Die Ab­we­sen­heit der zwei Be­schul­di­gen sorgt nun teil­wei­se für Span­nun­gen. „Hät­te die Te­le­kom die Straf­an­zei­ge frü­her ge­stellt, hät­ten wir mög­li­cher­wei­se schon frü­her durch­su­chen kön­nen“, ver­mu­tet ein Fahn­der. „Dann hät­ten wir viel­leicht mehr Be­wei­se und die Tä­ter im Griff.“

Die Te­le­kom meint aber, ei­ne Straf­an­zei­ge sei erst sinn­voll ge­we­sen, nach­dem der be­sto­che­ne Mit­ar­bei­ter al­les ge­stan­den ha­be und da­bei an­gab, wer ihm kon­kret das Geld an­bot be­zie­hungs­wei­se gab.

Der Wirt­schafts­prü­fer Frank Hüls­berg (WKGT) meint da­zu: „Bei ei­nem so sen­si­blen Thema wie Be­ste­chung durch Aus­län­der muss man schon sehr klug tak­tie­ren. Da könn­te schlau­er sein, die Jus­tiz frü­her als üb­lich ein­zu­schal­ten.“

Das NRW-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um sieht sich durch die Af­fä­re dar­in be­stä­tigt, ein Straf­recht auch für Un­ter­neh­men statt nur für Per­so­nen zu for­dern: „Wenn ei­ne gan­ze Or­ga­ni­sa­ti­on für ei­ne Straf­tat ge­ra­de ste­hen muss, dann könn­ten Sank­tio­nen schwe­rer durch die Flucht ein­zel­ner Per­so­nen ver­hin­dert wer­den.“

FO­TO: DPA

Die Zen­tra­le der Deut­schen Te­le­kom in Bonn: Der Kon­zern hat neu­en Är­ger.

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