Ros­berg hat noch Ti­tel­träu­me

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON ECKHARD CZEKALLA FO­TO: DPA

Vier deut­sche For­mel-1-Fah­rer star­ten beim Gro­ßen Preis auf dem Ho­cken­heim­ring.

HO­CKEN­HEIM Wenn die Ziel­flag­ge ge­schwenkt wird, ist für die For­mel1-Fah­rer ih­re wich­tigs­te Ar­beit be­en­det. Für die Jungs, die mit den Las­tern un­ter­wegs sind, in de­nen Mo­tor­ho­mes und die gan­zen tech­ni­schen Ge­rä­te trans­por­tiert wer­den, geht der rich­ti­ge Stress dann erst los. Im Ju­li wa­ren sie be­son­ders ge­for­dert. Fünf Ren­nen in­ner­halb von vier Wo­chen – der Wahn­sinn! Von Spiel­berg (3. Ju­li) in Ös­ter­reich auf die In­sel nach Sil­vers­to­ne (10.), am ver­gan­ge­nen Sonn­tag noch in Bu­da­pest und nun in Ho­cken­heim – da kom­men schnell an die 4000 Ki-

Die For­mel 1 fährt in vier Wo­chen fünf Ren­nen, von Spiel­berg

bis Ho­cken­heim

lo­me­ter zu­sam­men. Schon am Mon­tag, gut 24 St­un­den nach Ren­nen­de, park­ten die ers­ten Trucks an der Stre­cke im Ba­di­schen. Spä­tes­tens don­ners­tags vor ei­nem Ren­nen muss al­les auf­ge­baut sein.

Oh­ne die­se Män­ner läuft nichts. Doch im Fo­kus ste­hen die Fah­rer. Vier von den 22 Pi­lo­ten kom­men aus Deutsch­land. Vor sechs Jah­ren wa­ren es so­gar sie­ben von 24. Schon da­mals mit da­bei: Ni­co Ros­berg. Sein Team­kol­le­ge hieß Michael Schu­ma­cher. Der Schock sei groß ge­we­sen, als Mer­ce­des bei der Rück­kehr als Werks­team den sie­ben­ma­li­gen Cham­pi­on aus dem Ru­he­stand zu­rück­hol­te, gibt Ros­berg zu. Doch er war der Er­folg­rei­che­re, setz­te sich ge­gen den Rou­ti­nier durch, von dem er in drei Jah­ren viel lern­te.

Aus dem ak­tu­el­len Quar­tett ist Ros­berg der Ein­zi­ge, der Ti­tel­räu­me he­gen kann. „Ich will das wie­der ge­ra­de­rü­cken hier in Ho­cken­heim“, sag­te der 31-Jäh­ri­ge vor dem Gro­ßen Preis von Deutsch­land (mor­gen (14 Uhr/RTL). 2014 und 2015 hat Ros­berg, der vor ei­ner Wo­che die WM-Füh­rung ab­ge­ben muss­te, das Ti­tel­du­ell mit dem Te­am­ri­va­len Le- wis Ha­mil­ton ver­lo­ren. Dies­mal schien er reif für den gro­ßen Coup. Die ers­ten vier Ren­nen ge­wann Ros­berg. Doch nach dem Crash von Bar­ce­lo­na, als bei­de Sil­ber­pfei­le kurz nach dem Start aus­schie­den, wen­de­te sich das Blatt.

„Ich war ganz un­ten. Spa­ni­en war der Wen­de­punkt. Da­nach ha­be ich mich zu­sam­men­ge­ris­sen“, sagt Ha­mil­ton. Von den fol­gen­den sechs Ren­nen ge­wann der En­g­län­der fünf, aus 43 Punk­ten Rück­stand mach­te er sechs Punk­te Vor­sprung. Seit Bu­da­pest steht er dort, wo er über­zeugt ist, hin­zu­ge­hö­ren: ganz oben. Bei­de Ri­va­len sit­zen im ak­tu­ell bes­ten Au­to mit der stärks­ten Po­wer­ein­heit. Und auch wenn die Ren­nen in der Re­gel gut 300 Ki­lo­me­ter lang sind, fällt die Ent­schei­dung, wer am En­de vor­ne ist, meis­tens schon auf den Me­tern zur ers­ten Kur­ve. Wer nach dem Start in Front liegt und kei­nen gro­ßen Bock mehr schießt, der darf sich als Sie­ger fei­ern las­sen. Nur ein­mal war kein Mer­ce­des vor­ne: In Bar­ce­lo­na war Red-Bull-Pi­lot zwei­ten Trai­ning der Schnells­te vor Ha­mil­ton. Doch WM-Punk­te gibt es nur mor­gen im Ren­nen.

Vom Ti­tel zu träu­men, ist für Se­bas­ti­an Vet­tel kein Thema. Bei drei der elf Ren­nen kam er nicht ins Ziel. Der ro­te Ren­ner ist zu lang­sam. Als WM-Fünf­ter liegt Vet­tel so­gar ei­nen Zäh­ler hin­ter sei­nem Team­kol­le­gen Ki­mi Räik­kö­nen und zwei Punk­te hin­ter Daniel Ric­ci­ar­do im Re­dBull-Re­nault. Statt kon­stant die zwei­te Kraft zu spie­len, muss Fer­ra­ri in den Rück­spie­gel schau­en. Noch im­mer war­tet die Scu­de­ria auf den ers­ten Sai­son­sieg.

Ni­co Hül­ken­berg will end­lich mal den Lohn ern­ten für die Ar­beit, die der Em­me­ri­cher als größ­ter Ent­wick­lungs­hel­fer bei Force In­dia leis­tet. Bis­lang pass­te es noch nicht zu­sam­men. De­bü­tant Pas­cal Wehr­lein macht beim Hin­ter­bänk­ler-Team Ma­nor ei­ne gu­te Fi­gur, soll­te aber Rio Ha­ryan­to noch deut­li­cher be­herr­schen. Viel­leicht hat der 21-Jäh­ri­ge bald ei­nen neu­en Team­kol­le­gen. Dem In­do­ne­si­er soll das Geld fürs Cock­pit aus­ge­hen. An­geb­lich steht McLa­ren-Test­fah­rer Stof­fel Van­door­ne (Bel­gi­en) schon be­reit.

Kon­zen­tra­ti­on vor dem Trai­nings­lauf: For­mel-1-Pi­lot Ni­co Ros­berg im Cock­pit sei­nes Mer­ce­des-Bo­li­den auf dem Ho­cken­heim­ring.

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