Viel­leicht mag ich dich mor­gen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG - AUS DEM ENG­LI­SCHEN VON KA­RIN DUF­NER

Der Typ sieht aus wie ei­ne not­gei­le Ki­cher­erb­se. Lie­be muss echt blind ma­chen.“Anna ki­cher­te. Sie war ziem­lich be­schwipst, dach­te Ja­mes. Es pas­sier­te im­mer bei Fest­lich­kei­ten, die im An­schluss an die Ar­beit statt­fan­den. Cham­pa­gner, kaum was im Ma­gen, und um neun war man stern­ha­gel­voll. Da­mals, in grau­er Vor­zeit, war er ei­ni­ge Ma­le ne­ben Kol­le­gin­nen auf­ge­wacht, von de­nen er bes­ser die Fin­ger ge­las­sen hät­te, und im­mer war der Scham­pus schuld dar­an. Das Zeug schien den Aug­äp­feln die Feuch­tig­keit zu ent­zie­hen. Und dem Kör­per die Schutz­re­fle­xe.

„Neee­ein. Er ist wirk­lich ei­ne Wucht. Ein Fach­mann auf sei­nem Ge­biet.“

„Schon. Aber er hat Slip­per aus Ze­bra­fell an. Macht macht zwar se­xy, ist aber kein K.o.-Tropfen.“

„Ich könn­te ihn stun­den­lang re­den hö­ren.“

„Er sich ver­mut­lich auch. Al­so habt ihr schon mal et­was ge­mein­sam.“

Sie fin­gen gleich­zei­tig zu la­chen an. Und Ja­mes er­kann­te, dass es et­was ziem­lich In­ti­mes war, mit ei­ner Ver­tre­te­rin des an­de­ren Ge­schlechts ver­schwö­re­risch zu la­chen. Man konn­te Blick­kon­takt hal­ten und zu­sam­men aus­ge­las­sen sein, weil man ein Ge­heim­nis mit­ein­an­der teil­te. Als er wie­der hin­schau­te, schleu­der­te TV-Tim noch im­mer an­züg­li­che Bli­cke in ih­re Rich­tung.

„Er hat ein­deu­tig In­ter­es­se. Möch­test du ihn dir an­geln?“, frag­te er Anna. „Wie soll ich das an­fan­gen?“„Fol­gen­der­ma­ßen: Ich flüs­te­re dir gleich et­was ins lin­ke Ohr. Beug dich zu mir rü­ber, wäh­rend ich re­de, und läch­le, als wüss­test du, dass ich dich an­ma­chen will. Du ge­nießt es zwar, springst aber nicht ganz dar­auf an. Und dann ki­cherst du ein biss­chen mäd­chen­haft, als hät­te ich ge­ra­de et­was Un­an­stän­di­ges ge­sagt. Ver­stan­den?“„Ist das dein Ernst?“„Ja. Wenn du das rich­tig hin­kriegst, steht er in ein paar Mi­nu­ten hier auf der Mat­te und stellt sich vor.“„War­um?“„Weil er, wenn er glaubt, dass ich dich ernst­haft an­bag­gern will, Tem­po zu­le­gen wird, dich selbst an­zu­bag­gern.“

„Und wenn er ein­fach nur an­nimmt, dass wir zu­sam­men sind?“

„Män­ner ver­hal­ten sich nicht so ge­gen­über ei­ner Frau, mit der sie schon et­was ha­ben. Paa­re las­sen sich von Män­nern in der Ge­sell­schaft mög­li­cher Ero­be­run­gen ganz ein­fach an­hand der Kör­per­spra­che un­ter­schei­den. Schau, im­mer­hin bin ich mit Lau­rence be­freun­det, und der hat auf die­sem Ge­biet ei­ne Men­ge Feld­for­schung be­trie­ben. Bist du be­reit?“– „Ja“, er­wi­der­te Anna und ver­such­te, den An­flug ei- nes Lä­chelns auf ihr Ge­sicht zu zau­bern. – Ja­mes beug­te sich zu ihr hin. Der Ge­ruch ih­res Par­füms, blu­mig und ein we­nig sal­zig vom Kon­takt mit ih­rer Haut, stieg ihm in die Na­se. Er strich ihr das Haar vom Ohr weg. Das ge­hör­te zwar nicht zum Plan, stei­ger­te je­doch die Wir­kung.

„Da ist et­was, das ich dir schon den gan­zen Abend sa­gen woll­te“, raun­te er. „Lu­ther hat Ver­stop­fung. Ich ha­be ihm zwar Ta­blet­ten be­sorgt, aber Eva ist aus­ge­flippt und be­steht auf na­tür­li­che Heil­me­tho­den. Al­so soll­te ich ihm Kür­bis aus der Do­se un­ters Fut­ter mi­schen. Ich ha­be wel­chen ge­kauft. Doch er hat die Nah­rung ver­wei­gert. Wie sich her­aus­stell­te, hat­te ich ver­se­hent­lich Pas­te­ten­fül­lung er­wischt. Al­so ha­be ich ei­nen rich­ti­gen Kür­bis ge­kauft und ihn ge­kocht und zer­stampft. Lu­ther hat al­les run­ter­ge­schlun­gen und ward nicht mehr ge­se­hen. (Fort­set­zung folgt)

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