Ge­päck­dieb oder ehr­li­cher Fin­der?

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Ein 28-Jäh­ri­ger und sei­ne Schwes­ter stan­den ges­tern vor Ge­richt, wur­den aber frei­ge­spro­chen.

(wuk) Über gro­ben Un­dank ei­nes Ge­schäfts­man­nes klag­te ein Ge­schwis­ter­paar ges­tern beim Amts­ge­richt. Zu­fäl­lig hät­ten sie im Herbst 2014 ei­nen Kof­fer und ein Han­dy die­ses Rei­sen­den ge­fun­den, ihm bei­des so­gar noch in die Lob­by ei­nes Kö-Ho­tels nach­ge­tra­gen. Doch da­für wur­de der an­geb­li­che Fin­der (28) jetzt als ge­werbs­mä­ßi­ger Ge­päck­dieb und zu­sam­men mit sei­ner Schwes­ter (30) als ge­schei­ter­te Er­pres­ser an­ge­klagt. Am En­de ließ sich aber kei­ne Straf­tat nach­wei­sen, bei­de wur­den frei­ge­spro­chen.

Die jun­ge Frau auf der An­kla­ge­bank er­klär­te in ih­rer Zeu­gen­aus­sa­ge, ihr Bru­der ha­be auf sei­nem Heim­weg nach Ge­schäfts­schluss na­he dem Zo­o­park ei­nen Kof­fer ge­fun­den. Dank ei­nes gol­de­nen An­hän­gers des Kö-Ho­tels ha­be er dort an­ge­ru­fen und nach dem Ei­gen­tü­mer des Kof­fers ge­fragt. Mit sei­ner Schwes­ter brach­te er dem Rei­sen­den aus Sau­di-Ara­bi­en den Kof­fer mit wich­ti­gen Pa­pie­ren der Aus­sa­ge zu­fol­ge so­gar in die Lob­by. Doch dort ha­be der Ho­tel­gast fest­ge­stellt, dass ne­ben Bar­geld auch sein 4000 Eu­ro teures Han­dy fehl­te. Ein Ho­tel­an­ge­stell­ter bat die Ge­schwis­ter gar, zum Fund­ort des Kof­fers zu­rück­zu­fah­ren und nach dem Mo­bil­te­le­fon zu su­chen. „Der Gast hat ge­weint, er war am En­de, sein Han­dy wä­re sein kom­plet­tes Le­ben“, so der Ho­tel­fach­mann ges­tern als Zeu­ge.

Das Ge­schwis­ter­paar hat­te da­mals nach ei­ge­nem Be­kun­den Glück: Die bei­den fan­den das ver­miss­te Te­le­fon tat­säch­lich und brach­ten auch die­ses zum Ho­tel. Doch als die Frau an­sprach, dass in Deutsch­land ein Recht auf Fin­der­lohn be­steht und der Ge­schäfts­mann sich „ir­gend­was raus­su­chen kann zwi­schen 500 und 5000 Eu­ro“, da ha­be man sich auf 1000 Eu­ro ge­ei­nigt. Be­vor der Ho­tel­gast die­sen Be­trag je­doch an der Re­zep­ti­on be­schaf­fen konn­te, rief ei­ne der Ho­tel­da­men die Po­li­zei.

„Ich war ex­trem wü­tend“, schimpf­te die An­ge­klag­te ges­tern dar­über. Mit ih­rem Bru­der ha­be sie al­les ge­tan, um dem un­glück­li­chen Mann zu hel­fen – und zum Dank sei sie mit dem Bru­der auf der An­kla­ge­bank ge­lan­det. Auch ihr Bru­der tat die An­kla­ge ab: „Al­les nur zu­sam­men­ge­reimt!“Der Ge­schäfts­mann, des­sen Kof­fer samt Han­dy da­mals schon bei der An­kunft am Flug­ha­fen ge­stoh­len wor­den sein soll, war als Zeu­ge nicht ge­la­den. Und Aus­sa­gen des Ho­tel­an­ge­stell­ten und ei­nes Po­li­zis­ten hal­fen auch nicht wei­ter. Al­so plä­dier­te die Staats­an­wäl­tin für den Frei­spruch des Ge­schwis­ter­paa­res. Dem ist der Rich­ter dann ge­folgt.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Sie be­rei­ten die Kunst­kom­mis­si­on vor: Ste­phan Mach­ac, Björn Leo Bock, Jör­gTho­mas Al­ver­mann, No­emi We­ber, Mar­kus Am­bach und Andrea Kno­bloch (von links)

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