Schmuck­ver­kauf: Ver­glei­chen lohnt sich

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON NI­CO­LE KAMPE UND HOLGER LODAHL

Vie­le Ju­we­lie­re und An­käu­fer lo­cken mit An­ge­bo­ten. Wir ha­ben ge­tes­tet, wie se­ri­ös die Händ­ler beim Ver­kauf von Schmuck sind.

Seit Jah­ren liegt die Gold­ket­te tief ver­gra­ben in der Schub­la­de, die Per­len der ver­stor­be­nen Tan­te sind nicht mehr mo­dern und Bro­schen trägt heu­te ei­gent­lich kaum noch je­mand. Aber wo­hin mit dem gan­zen Schmuck? Drei Mög­lich­kei­ten hat der Ei­gen­tü­mer: Ent­we­der er fin­det ei­nen Lieb­ha­ber für das al­te Stück oder er war­tet dar­auf, dass es mit den Jah­ren viel­leicht wert­vol­ler wird und wie­der in Mo­de kommt. Oder er sucht sich ei­nen Händ­ler, der ihm ein An­ge­bot macht. Wer fair be­ra­ten und aus­ge­zahlt wer­den will, „der soll­te lie­ber zum Gold­schmied oder Ju­we­lier ge­hen“, sagt Joa­chim Dah­men von der Gold­schmie­dein­nung. „Im Gold­an­kauf wer­den St­ei­ne oft nicht mit ein­ge­rech­net“, sagt er. Die Be­ra­tung soll­te kos­ten­frei sein, die Prei­se für das Schmuck­stück wer­den va­ri­ie­ren. „Das ist ein frei­er Markt“, sagt Dah­men. Bilk Wir wol­len es ge­nau wis­sen, ma­chen den Test und be­su­chen Gold­schmie­din An­ke Plö­ger. Bei ihr ge­ben wir uns als Re­por­ter zu er­ken­nen, sie soll ei­ne ers­te Ein­schät­zung ab­ge­ben zu den Schmuck­stü­cken. Plö­ger emp­fiehlt, ver­schie­de­ne An­ge­bo­te ein­zu­ho­len und zu ver­glei­chen. „Und nie­mals den Schmuck ir­gend­wo­hin schi­cken“, sagt sie. Zwei Gold­ket­ten, ei­ne Per­len­ket­te, ein Ring, ei­ne gol­de­ne Bro­sche mit St­ei­nen und Zahn­gold ha­ben wir mit­ge­bracht.

Für die Gold­ket­ten wür­de Plö­ger den ak­tu­el­len Gold­preis zah­len (22,47 Eu­ro für ein Gramm 750er Gold und 17,63 Eu­ro für 585er Gold), die Bro­sche sei schon schwie­ri­ger. Hand­ge­macht sei sie zwar, aus den 1960ern, „die St­ei­ne wür­de ich aber raus­ar­bei­ten und dem Kun­den zu­rück­ge­ben“, sagt sie. Den Rest ein­schmel­zen. Kei­ne neun Gramm wür­den dann noch blei­ben. Per­len kauft Plö­ger über­haupt nicht an, „auch wenn die Ket­te ganz gut ver­ar­bei­tet ist“. Der Ring da­ge­gen sei schon in­ter­es­san­ter, „ob­wohl un­se­re Groß­vä­ter oft sehr spar­sam wa­ren“, warnt An­ke Plö­ger. Ei­ni­ge Ma­le sei es pas­siert, dass die Oma 40 Jah­re lang dach­te, sie trägt ei­nen di­cken Klun­ker am Fin­ger und am En­de stell­ten die En­kel fest, er ist gar nicht so viel wert wie ge­dacht. Das Zahn­gold schließ­lich ist ganz un­in­ter­es­sant für die Gold­schmie­din, „die Zahn­ärz­te mi­schen da ganz un­ter­schied­li­che Sa­chen bei“. Carl­stadt Drei ver­schie­de­ne Adres­sen ste­hen auf der Lis­te, die

wir un­der- co­ver tes­ten. Drei ver­schie­de­ne An­ge­bo­te wird es am En­de des Tests ge­ben. Und nicht je­de Be­ra­tung ist freund­lich und hilf­reich, so auch bei ei­nem Gold­an­kauf in der Carl­stadt. Kein „Hal­lo“, kein „Was kann ich für Sie tun?“Die Per­len be­kom­men wir gleich wie­der auf den Tisch ge­wor­fen. „Per­len neh­men wir nicht“, sagt der Verkäufer. 990 Eu­ro wür­de er für die 750er Gold­ket­te be­zah­len, 600 Eu­ro für den Ring, den er mit ei­nem Ka­rat-Mess­ge­rät un­ter­sucht. Den Rest trau­en wir uns nicht mehr vor­zu­le­gen, be­son­ders will­kom­men füh­len wir uns nicht dort. Alt­stadt Ganz an­ders schaut das beim Ju­we­lier in der Alt­stadt aus. Char­mant wer­den wir emp­fan­gen, be­kom­men Kaf­fee und Was­ser an­ge­bo­ten, ei­nen kur­zen Au­gen­blick müs­sen wir war­ten. Der Chef per­sön­lich nimmt sich die Zeit, in sei­nem La­den darf man sich so­gar set­zen. „Die Per­len will ich Ih­nen nicht ab­kau­fen, die soll­ten sie tra­gen“, sagt der Mann mit dem schüt­te­ren Haar. So­gar auf­ar­bei­ten will er die Ket­te, „Sie wer­den es mir ir­gend­wann dan­ken“. Er wiegt die üb­ri­gen Sa­chen, 500 Eu­ro wür­de er für die 585er Gold­ket­te zah­len, 960 Eu­ro für die an­de­re. 500 Eu­ro für den Ring, er run­det auf und kommt auf 2000 Eu­ro. Viel Schmuck kau­fe er an, vie­le Stü­cke wür­den in sei­nen Schau­fens­tern lie­gen. Er ist der Ers­te und Letz­te, der uns ei­nen Zet­tel mit Brief­kopf mit­gibt, auf dem die ein­zel­nen Pro­duk­te samt Preis auf­ge­lis­tet sind. Be­denk­zeit be­kom­men wir, so viel wir brau­chen. Wir zie­hen wei­ter in die Stadt­mit­te. Stadt­mit­te Die Be­ra­tung dort ist freund­lich, wenn­gleich ein we­nig un­durch­schau­bar. Die Spe­zia­lis­tin für Schmuck­an­kauf, so wie sich die Frau vor­stellt, prüft die Stü­cke, wiegt sie, misst sie. Ver­deckt tippt sie auf ih­rem Ta­schen­rech­ner rum, 2500 Eu­ro wür­de sie ge­ben, wenn wir so­fort ver­kau­fen. „Da Sie Be­denk­zeit brau­chen und die Li­qui­di­tät hier mor­gen schon wie­der an­ders aus­se­hen kann, wür­de ich Ih­nen zwi­schen 2000 und 2500 Eu­ro bie­ten“, sagt sie. Für al­le Ket­ten und den Ring. Wie viel die ein­zel­nen Pos­ten wert sind, das sagt sie nicht. „Das ist ein Ge­samt­pa­ket.“ Fa­zit In je­dem Fall soll­te der Kun­de sich die Zeit neh­men, ver­schie­de­ne An­ge­bo­te ein­zu­ho­len und den Schmuck dort ver­kau­fen, wo er sich wohl­ge­fühlt hat. Be­ra­tung ist wich­tig und die Zeit, die sich der po­ten­zi­el­le An­käu­fer ge­nom­men hat. Un­be­dingt vor­her den ak­tu­el­len Gold­kurs che­cken, und auch wenn es schmerzt: „Man meint im­mer, der Schmuck ist un­heim­lich viel wert“, sagt An­ke Plö­ger. Oft sei­en es aber nur die per­sön­li­chen Er­in­ne­run­gen, die ei­nen Ring oder ei­ne Ket­te oder ei­ne Uhr so wert­voll ma­chen. Wer sein Geld in Gold an­le­gen will, der soll­te das nicht mit Schmuck tun, so­bald die­ser ver­ar­bei­tet ist, ver­liert er an Wert. „Lie­ber in Gold­bar­ren in­ves­tie­ren“, sagt Plö­ger. Die neh­men auch vie­le Ban­ken in Zah­lung.

RP-FOTO: LOD

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