Der Ham­mer Wi­der­stand

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON SEMIHA ÜNLÜ

Im dörf­li­chen Stadt­teil for­miert sich ei­ne Pro­test­be­we­gung ge­gen die Bau­plä­ne der Stadt. Die­se könn­te so­gar Aus­ma­ße wie die „Ret­tet-Hamm“-Ak­ti­on in den 1980er Jah­ren an­neh­men. Die Pla­nungs­amt-Lei­te­rin wirft der Initia­ti­ve vor, Un­wahr­hei­ten zu ver­brei­ten.

HAMM Im be­schau­li­chen Hamm ist man in Kampf­stim­mung. „Wir wer­den es nicht hin­neh­men, dass die Stadt die Plä­ne für den Wohn­bau plötz­lich ge­än­dert hat!“, sagt Pe­tra Tap­pert­z­ho­fen. Sie sorgt sich wie vie­le an­de­re Stadt­teil-Be­woh­ner, dass der dörf­li­che Cha­rak­ter durch die ge­än­der­ten Be­bau­ungs­plä­ne zer­stört wer­den und der Ver­kehr durch die vie­len neu­en Be­woh­ner zu­sam­men­bre­chen könn­te. Da­her hat sie am Wo­che­n­en­de mit an­de­ren Ham­mern ei­ne Initia­ti­ve ge­grün­det, um da­für zu kämp­fen, dass ge­nau das nicht pas­siert: „Wir sind da­mit ein­ver­stan­den, dass ge­baut wird. Doch die Stadt soll sich an den Kom­pro­miss aus dem Dia­log­ver­fah­ren hal­ten, und das be­deu­tet, dass nicht mehr als 400, son­dern ma­xi­mal 300 Wohn­ein­hei­ten ge­baut wer­den und die Häu­ser nicht zwei­ein­halb-, son­dern ma­xi­mal an­dert­halb­ge­schos­sig wer­den.“Bei dem Wi­der­stand wol­len es die Ham­mer nicht bei Fly­ern und Ban­nern be­las­sen: Man spie­le so­gar mit dem Ge­dan­ken, mit ei­nem Fa­ckel­zug zum Rat­haus zu zie­hen.

Un­ter­stüt­zung er­hält die Initia­ti­ve von CDU-Vi­ze­par­tei­che­fin An­ge­la Er­win. „Die Stadt kann nicht über die Köp­fe der Ham­mer hin­weg die Plä­ne än­dern. Hamm ist ein Dorf, und das muss man bei den Be­bau­ungs­plä­nen be­rück­sich­ti­gen und vor al­lem Ver­spre­chen ein­hal­ten“, sagt die An­wäl­tin. Auch die Christ­de­mo­kra­ten im Stadt­be­zirk 3 be­tei­li­gen sich an dem Pro­test: Sie ha­ben mehr als 1000 Un­ter­schrif­ten ge­gen die Plä­ne ge­sam­melt, die dem­nächst im Rat­haus über­ge­ben wer­den sol­len. Wi­der­stand regt sich auch im För­der­ver­ein Hamm.

Pla­nungs­amt-Lei­te­rin Ruth Or­zes­sek-Krup­pa be­ob­ach­tet die neue Pro­test­be­we­gung mit Sor­ge. „Ich bin teil­wei­se so­gar er­schro­cken“, sagt sie. Denn die Initia­ti­ve wür­de Un­wahr­hei­ten ver­brei­ten. Ei­ne sei es, dass die Stadt mehr als 400 Wohn­ein­hei­ten vor Ort bau­en wol­le. Tat­säch­lich ha­be die­se Zahl aber von An­fang an nicht zur Dis­kus­si­on ge­stan­den. Der Sie­ger­ent­wurf, auf den sich die Initia­ti­ve be­ru­fe, sei eben ein Ent­wurf, kein end­gül­ti­ger Plan. Das sei im Dia­log­ver­fah­ren so kom­mu­ni­ziert wor­den. In Ge­sprä­chen mit Grund­stück­ei­gen­tü­mern und Ei­gen­tü­mern von Land­schafts­be­trie­ben vor Ort ha­be man zu­dem fest­ge­stellt, „dass die In­ter­es­sen der Ham­mer gar nicht he­te­ro­gen sind“, so Or­zes­sek-Krup­pa. So wünsch­ten sich et­wa Grund­stücks­ei­gen­tü­mer be­zie­hungs­wei­se Ei­gen­tü­mer von Land­schafts­be­trie­ben sehr wohl Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser. Mit der Fra­ge, wie sehr das Be­völ­ke­rungs­plus den Ver­kehr vor Ort be­ein­flus­sen könn­te, müs­se man sich erst noch be­schäf­ti­gen. Man sei eben noch in ei­nem An­fangs­stu­di­um.

Das Pla­nungs­amt wol­le auch wei­ter­hin den Dia­log su­chen und des­we­gen am 27. März mit be­trof­fe­nen Ei­gen­tü­mern spre­chen. Zu­dem soll es mög­lichst noch vor Os­tern ei­ne gro­ße öf­fent­li­che Ver­an­stal­tung ge­ben, um den ak­tu­el­len Stand der Pla­nun­gen de­tail­liert vor­zu­stel­len und mit Ham­mern ins Ge­spräch zu kom­men.

An dem Dia­log (auch mit dem Ober­bür­ger­meis­ter) sei die Initia­ti­ve in­ter­es­siert, sagt Tap­pert­z­ho­fen. Man sei aber auch be­reit, „al­le Mit­tel bis zu ei­ner De­mons­tra­ti­on zu nut­zen, um die Plä­ne der Ver­wal­tung zu ver­hin­dern“. Da­bei kön­ne man so­gar auf Hil­fe von Ham­mern zäh­len, die in den 1980er Jah­ren mit Er­folg die „Ret­tet-Hamm“-Ak­ti­on auf die Bei­ne ge­stellt hat­ten.

RP-FOTO: ANDREAS ENDERMANN

En­de der dörf­li­chen Idyl­le? Vie­le Ham­mer un­ter­stüt­zen die neue Initia­ti­ve ge­gen die Be­bau­ungs­plä­ne der Stadt.

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