Gu­tes Zö­gern, schlech­tes Zö­gern

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

Zau­dern ist schlecht, wenn man han­deln könn­te. Hat man des­halb ein­mal ei­nen schlech­ten Ruf weg, hält der sich manch­mal jahr­tau­sen­de­lang. Ein Bei­spiel aus der rö­mi­schen Ge­schich­te. Die La­ge Der Kartha­ger Han­ni­bal ist in Ita­li­en ein­ge­fal­len und hat im Au­gust 216 vor Chris­tus das rö­mi­sche Heer bei Can­nae ver­nich­tet. Zehn­tau­sen­de rö­mi­sche Sol­da­ten sind ge­fal­len; Han­ni­bal bie­tet Frie­dens­ver­hand­lun­gen an. Die Rö­mer Rom lehnt ab; Kon­sul Quin­tus Fa­bi­us Ma­xi­mus be­für­wor­tet – so be­rich­ten es die an­ti­ken Au­to­ren – ei­ne Art Gue­ril­la-Krieg ge­gen Han­ni­bal statt of­fe­ner Feld­schlacht. Da­für er­hält er den Bei­na­men „Cunc­ta­tor“(„Zau­de­rer“) – zu­nächst zwei­schnei­dig, spä­ter als Eh­ren­ti­tel ge­meint. Denn sei­ne Stra­te­gie er­weist sich als er­folg­reich. Die Kartha­ger Han­ni­bal zieht durch Sü­dita­li­en, um Roms Bun­des­ge­nos­sen zum Ab­fall zu be­we­gen. Rom selbst greift er nicht an – wohl weil Trup­pen und Be­la­ge­rungs­werk­zeu­ge feh­len. Die Ge­schichts­schrei­ber aber le­gen ihm das als Zau­dern aus. „Zu sie­gen ver­stehst du, Han­ni­bal; den Sieg aus­zu­nut­zen, ver­stehst du nicht“, schreibt Li­vi­us. Hin­zu kom­men Nie­der­la­gen in­ner­halb und au­ßer­halb Ita­li­ens. Kartha­go ver­liert den Krieg.

FO­TO: DPA

Büs­te des Feld­herrn Han­ni­bal.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.