Bau­fir­men be­strei­ten Schuld an Köl­ner Ar­chiv-Ein­sturz

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

KÖLN (dpa) Die am Köl­ner U-BahnBau be­tei­lig­ten Fir­men wei­sen den Vor­wurf von sich, durch ei­nen Bau­feh­ler den Ein­sturz des Stadt­ar­chivs ver­ur­sacht zu ha­ben. „Zum jet­zi­gen Zeit­punkt sind die Un­ter­su­chun­gen vor Ort noch gar nicht ab­ge­schlos­sen“, sag­te Mar­kus Lem­pa, Spre­cher der Fir­men-Ar­beits­ge­mein­schaft Arge. Ei­ne kla­re Ein­sturz­ur­sa­che ha­be bis­her nicht nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen.

Nach ei­nem Be­richt von „Fo­cus On­li­ne“hat die Staats­an­walt­schaft gut acht Jah­re nach dem Ar­chiv­ein- sturz An­kla­ge ge­gen sie­ben Ver­ant­wort­li­che er­ho­ben. Die Vor­wür­fe rich­ten sich dem­nach ge­gen zwei Be­schäf­tig­te der Köl­ner Ver­kehrs­be­trie­be (KVB) und ge­gen fünf wei­te­re der Arge. Die Staats­an­walt­schaft und das Land­ge­richt woll­ten die­se In­for­ma­ti­on ges­tern nicht kom­men­tie­ren.

Das größ­te deut­sche Kom­mu­nal­ar­chiv war am 3. März 2009 ein­ge­stürzt. Zwei An­woh­ner star­ben, der Scha­den be­lief sich auf mehr als ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro. Schon früh ver­mu­te­te die Stadt Köln als Ur­sa­che ei­nen „Aus­füh­rungs­feh­ler“der Fir­men, die un­ter dem Ar­chiv­ge­bäu­de die neue Nord-Süd-Ver­bin­dung der U-Bahn bau­ten.

Nach An­sicht von Lem­pa ist es je­doch noch viel zu früh, um weit­ge­hen­de Schluss­fol­ge­run­gen zu zie­hen. „Wir müs­sen wirk­lich noch ab­war­ten“, sag­te der Arge-Spre­cher. Er be­stritt, dass die Bau­fir­men die Un­ter­su­chun­gen so lan­ge hin­zie­hen woll­ten, bis der Fall in knapp zwei Jah­ren ver­jährt sei. Nach An­sicht der Arge ist die wahr­schein­lichs­te Er­klä­rung für den Ein­sturz ein so­ge- nann­ter hy­drau­li­scher Grund­bruch. Da­bei kommt es durch ein­strö­men­des Grund­was­ser zu ei­ner plötz­li­chen Bo­den­be­we­gung un­ter der Er­de. Dies sei ein Ri­si­ko, das theo­re­tisch bei je­der Bau­stel­le die­ser Art be­ste­he, sag­te Lem­pa.

Die Staats­an­walt­schaft geht auf Grund­la­ge ei­nes Gut­ach­tens hin­ge­gen da­von aus, dass ei­ne der un­ter­ir­di­schen Wän­de ein Loch hat­te. Da­durch könn­te mit der Zeit so viel Was­ser, Sand und Kies ab­ge­flos­sen sein, dass das Ar­chiv un­ter­spült wur­de und ein­stürz­te.

Die Klä­rung des Falls war nur quä­lend lang­sam vor­an­ge­kom­men. Zu­nächst hat­te die Ber­gung der ver­schüt­te­ten Ar­chiv­do­ku­men­te Vor­rang ge­habt. Erst als al­les aus der Schutt­gru­be her­aus­ge­holt wor­den war, be­gann am Un­glücks­ort die Ur­sa­chen­su­che. Die Staats­an­walt­schaft steht un­ter gro­ßem Zeit­druck. Am 2. März 2019 en­det die Zehn­jah­res­frist für den Fall. Soll­te es bis da­hin kein erst­in­stanz­li­ches Ur­teil ge­ben, wä­re die ju­ris­ti­sche Schuld für den Ein­sturz des Ge­bäu­des ver­jährt.

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