ANALYSE

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT -

Der Pro­fi­fuß­ball büßt an Ver­trau­en ein, weil die Öf­fent­lich­keit zu­neh­mend den Ein­druck ge­win­nen muss, dass die Gro­ßen und Rei­chen gel­ten­de Re­geln un­ge­straft um­d­rib­beln kön­nen.

trof­fen wa­ren, wäh­rend gro­ße Klubs wie Pa­ris St. Ger­main das Re­gel­werk weit­ge­hend un­ter­lau­fen konn­ten. Wie sehr die Ue­fa mit die­ser frag­wür­di­gen Hal­tung lang­fris­tig dem eu­ro­päi­schen Fuß­ball scha­den könn­te, lässt sich auch mit Blick auf die ge­gen­wär­ti­ge Ver­trau­ens­kri­se der EU er­ah­nen, die nicht zu­letzt dar­auf zu­rück­zu­füh­ren ist, dass ih­re In­sti­tu­tio­nen – ähn­lich der Ue­fa – in den letz­ten Jah­ren selbst ent­wor­fe­ne Re­geln und Ver­trä­ge im­mer wie­der ge­bro­chen ha­ben, wenn es im In­ter­es­se gro­ßer Staa­ten oder Un­ter­neh­men zu sein schien.“

Der Deut­sche Fuß­ball-Bund hat­te zwar auch Leip­zig im Vi­sier, bei der Er­tei­lung der Li­zenz wur­den mög­li­che Be­den­ken aber schnell zur Sei­te ge­scho­ben. Strit­ti­ge Punk­te wa­ren un­ter an­de­rem die Be­set­zung der Füh­rungs­gre­mi­en mit Red-Bul­lMit­ar­bei­tern und zu ho­he Ein­tritts­bar­rie­ren für Ver­eins­mit­glie­der. Da­zu kommt die Ähn­lich­keit des Ver­eins­lo­gos mit dem Lo­go des ös­ter­rei­chi­schen Ge­trän­ke­her­stel­lers. Das Wap­pen hat­te der Säch­si­sche Fuß­ball­ver­band vor Jah­ren be­reits be­wil­ligt. Struk­tu­ren und Sat­zung des Klubs hat­te der DFB für sein Ho­heits­ge­biet – von der Drit­ten Li­ga ab­wärts – so ge­neh­migt.

Im Kern ver­stößt das Kon­strukt RB ge­gen die 50+1-Re­gel, nach der stets der Ur­sprungs­ver­ein Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter ei­nes Bun­des­li­gis­ten sein muss. Doch auch hier be­stä­ti­gen Aus­nah­men die Re­gel: Le­ver­ku­sen und Wolfs­burg durf­ten Son­der­we­ge ge­hen, weil Bay­er und VW als 100-pro­zen­ti­ge Ei­gen­tü­mer ih­re Ver­ei­ne zum Zeit­punkt der Ge­neh­mi­gung seit mehr als 20 Jah­ren för­der­ten. 2015 durf­te Diet­mar Hopp mit der­sel­ben Be­grün­dung in Hof­fen­heim die Mehr­heit in der Spiel­be­triebs-Gm­bH über­neh­men. Und Prä­si­dent Mar­tin Kind strebt so im Sep­tem­ber die Mehr­heit bei Han­no­ver 96 an.

De fac­to ist RB auf der recht­lich si­che­ren Sei­te, da die 50+1-Re­gel nur für Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten gilt, der Leip­zi­ger Klub aber ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein ist – al­ler­dings ei­ner, des­sen ein­zi­ger Zweck es ist, ei­nen Bun­des­li­gis­ten als Wer­be­trä­ger für die Red-Bull-Pro­duk­te auf­zu­bau­en.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.