Die Ber­ge un­se­res Le­bens

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KIRCHEN -

Vor ei­ni­ger Zeit war ich mit mei­nem Sohn in ei­nem Out­door­la­den in Bilk, um dort mit ihm ei­nen Ruck­sack für ei­nen Wan­der­ur­laub zu kau­fen. Da­mit man tes­ten konn­te, wie­viel Ge­wicht ei­nem da­bei er­träg­lich er­scheint, wa­ren Ge­wich­te im Ge­schäft aus­ge­legt, die man in den Ruck­sack pack­te.

Wie­viel kann ein Mensch tra­gen, wenn er sich auf den Weg durch sein Le­ben macht. Was ist zu­mut­bar? Was ist er­träg­lich? Was be­las­tet mich?

Ed­mund Hil­la­ry, der neu­see­län­di­sche Erst­be­stei­ger des Mount Eve­r­est hat­te auch ei­nen Berg vor sich, des­sen Gip­fel er er­rei­chen woll­te. Ein gro­ßes Ziel mit ei­nem an­stren­gen- den und kräf­te­zeh­ren­den Weg lag vor ihm. Schon meh­re­re Men­schen vor Hil­la­ry hat­ten die­ses Ziel an­ge­steu­ert – muss­ten aber auf­ge­ben, weil der Weg zu an­stren­gend oder der Sau­er­stoff knapp wur­de. Ed­mund Hil­la­ry war nicht al­lei­ne auf sei­nem Weg zum Gip­fel des Ber­ges. Er hat­te ei­nen Berg­stei­ger bei sich, der ihm da­bei half, das Ge­päck den Berg hoch­zu­tra­gen. Es war der ne­pa­le­sisch-in­di­sche Sar­dar Ten­zing Nor­gay, ein An­ge­hö­ri­ger des Vol­kes der Sher­pa. Oh­ne die­sen Trä­ger hät­te Hil­la­ry sein Ziel nicht er­rei­chen kön­nen. Und bei­de be­ton­ten im­mer wie­der, dass die Be­stei­gung des Mount Eve­r­est das Werk ei­nes Teams war.

Im­mer wie­der ste­hen wir auch vor Ber­gen un­se­res Le­bens. Man­che schei­nen un­über­wind­bar. Man­che zu steil, man­che zu hoch. Schnell kann da ei­nen Mut­lo­sig­keit oder An­triebs­lo­sig­keit über­kom­men. Das merkt man manch­mal schon, be­vor man sich auf den Weg macht. Manch­mal merkt man es erst auf hal­ber Stre­cke oder auch kurz vor dem Ziel. Da ist es gut, je­man­den an der Sei­te zu wis­sen, der ei­nem hilft, das schwe­re Ge­päck, das man mit sich durchs Le­ben trägt, zu tei­len. Das, was ich mit an­de­ren tei­le, ist nur noch halb so schwer.

Die Bi­bel re­det auch von Ber­gen und Tä­lern, weil es auch un­se­re Er­fah­rung im Le­ben ist, im­mer wie­der vor Ber­gen zu ste­hen, die für uns un­be­zwing­bar er­schei­nen. Men­schen, die in ei­ner Kri­se ste­cken, wün­schen sich sehr „über den Berg“zu sein. Wenn man aber weiß, dass Gott uns Men­schen im Le­ben be­glei­tet und uns Las­ten ab­nimmt, dann sind wir dem Ziel, dem Gip­fel­kreuz in un­se­rem Le­ben ganz nah.

In Psalm 121 heißt: „Ich he­be mei­ne Au­gen auf zu den Ber­gen. Wo­her kommt mir Hil­fe? Mei­ne Hil­fe kommt von Gott, der Him­mel und Er­de ge­macht hat.“ PFAR­RER RALF BREIT­KREUTZ, EVAN­GE­LI­SCHE LU­THER-KIR­CHEN­GE­MEIN­DE, BILK

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