„Flücht­lin­ge nach Afri­ka brin­gen“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Der CSU-Spit­zen­kan­di­dat will mehr Ab­kom­men mit Afri­ka nach dem Mus­ter EU-Tür­kei. Im Kampf ge­gen den Terror soll Whatsapp kon­trol­liert wer­den.

Herr Herr­mann, er­war­ten Sie, dass der Flücht­lings­zu­strom nach Deutsch­land noch ein­mal zu­nimmt? HERR­MANN Das ist nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen. Aber ich er­war­te das nicht. Doch die Flücht­lings­strö­me vom afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent blei­ben für die Eu­ro­päi­sche Uni­on ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung. Was muss die EU tun? HERR­MANN Wir müs­sen drin­gend da­für sor­gen, dass sich we­ni­ger Flücht­lin­ge auf den Weg über das Mit­tel­meer ma­chen. Es kann nicht sein, dass je­der Afri­ka­ner, der mit ei­nem Gum­mi­boot in See sticht, au­to­ma­tisch in der Eu­ro­päi­schen Uni­on auf­ge­nom­men wird. Wir brau­chen noch deut­lich mehr Ab­kom­men wie das EU-Tür­kei-Ab­kom­men mit afri­ka­ni­schen Län­dern, da­mit Flücht­lin­ge un­mit­tel­bar zu­rück­ge­bracht wer­den kön­nen. Au­ßer­dem müs­sen wir kri­mi­nel­len Schleu­ser-Or­ga­ni­sa­tio­nen das Hand­werk le­gen und mit mehr Ent­wick­lungs­hil­fe da­für sor­gen, dass die Men­schen in Afri­ka ei­ne Le­bens­per­spek­ti­ve be­kom­men. Müs­sen die Kon­trol­len an deut­schen Gren­zen auf Dau­er blei­ben? HERR­MANN Die Kon­trol­len an den deut­schen Au­ßen­gren­zen müs­sen wir so lan­ge auf­recht­er­hal­ten, wie die Eu­ro­päi­sche Uni­on es nicht schafft, die EU-Au­ßen­gren­zen wirk­sam zu schüt­zen. Die Grie­chen sa­gen, die Gren­zen las­sen sich nicht schüt­zen . . . HERR­MANN Hun­dert­pro­zen­ti­ge Si­cher­heit gibt es nicht. Aber früher hat­ten wir zu­min­dest in Mit- tel­eu­ro­pa un­se­re Gren­zen ja auch im Griff. Wenn es in der EU den ech­ten po­li­ti­schen Wil­len für ei­nen ef­fek­ti­ven Grenz­schutz gibt, dann wird das auch ge­lin­gen. Das ist die Grund­la­ge des Schen­gen-Ab­kom­mens: Wir ver­zich­ten auf Bin­nen­gren­zen, da­für wer­den die EU-Au­ßen­gren­zen um­so bes­ser ge­schützt. Wenn Grie­chen­land nicht in der La­ge ist, sei­ne Au­ßen­gren­zen zu schüt­zen, dann kann es nicht Teil des Schen­gen-Raums blei­ben. Bleibt die CSU bei ih­rer Ober­gren­ze für Flücht­lin­ge? HERR­MANN Horst See­ho­fer hat in die­ser Fra­ge ei­ne kla­re Po­si­ti­on be­zo­gen, und die steht. Sie ver­mei­den das Wort Ober­gren­ze. HERR­MANN Es kommt auf das Er­geb­nis an. Tat­sa­che ist, dass in­zwi­schen nie­mand mehr für ei­nen un­be­grenz­ten Zu­gang nach Deutsch­land ein­tritt, auch Grü­ne und Lin­ke nicht. Lo­gisch ist: Wenn ich kei­nen un­be­grenz­ten Zu­gang möch­te, brau­che ich ei­ne Be­gren­zung. In Ber­lin sind noch nicht al­le be­reit, die­se Kon­se­quenz zu zie­hen. Sie rü­cken da­von nicht ab? HERR­MANN Die Leu­te wol­len ei­ne kla­re Aus­sa­ge ha­ben, dass wir die Flücht­lings­zah­len dau­er­haft be­gren­zen. Zur­zeit sind die Zah­len so, dass wir in die­sem Jahr al­ler Vor­aus­sicht nach un­ter der von Horst See­ho­fer ge­nann­ten Gren­ze von 200.000 blei­ben wer­den. Ich ste­he mit mei­ner Kan­di­da­tur da­für, dass sich ein Flücht­lings­zu­strom wie 2015 nicht wie­der­ho­len wird. Und die­se Ver­bind­lich­keit wol­len wir in ei­nem Ko­ali­ti­ons­ver­trag ver­an­kern. Da­bei wer­de ich mich nicht über 1000 mehr oder we­ni­ger strei­ten. Wie lau­ten Ih­re kon­kre­ten Bot­schaf­ten für den Wahl­kampf? HERR­MANN In al­ler­ers­ter Li­nie müs­sen wir die Po­li­zei ver­stär­ken. Bund und Län­der müs­sen sich dar­auf ver­stän­di­gen, dass wir in den nächs­ten vier Jah­ren min­des­tens 15.000 zu­sätz­li­che Po­li­zis­ten ein­stel­len. Auch die Vi­deo­über­wa­chung von Kri­mi­na­li­täts­brenn­punk­ten muss vor­an­ge­trie­ben wer­den. Ein gro­ßes De­fi­zit ist, dass wir die Whatsapp-Kom­mu­ni­ka­ti­on im­mer noch nicht kon­trol­lie­ren kön­nen, ob­wohl wir bei­spiels­wei­se ge­nau wis­sen, dass der Tä­ter aus Ans­bach bis zum Schluss An­wei­sun­gen über die­sen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst aus dem Na­hen Os­ten er­hielt. Seit ei­nem Jahr mah­nen wir das bei der SPD an, ge­sche­hen ist nichts. Wir wis­sen, dass die Ter­ro­ris­ten Whatsapp nut­zen, des­halb müs­sen wir die ge­setz­li­che Kon­troll­mög­lich­keit nach der Wahl so­fort an­ge­hen. GREGOR MAYNTZ UND EVA QUAD­BECK FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

FO­TO: DPA

Joa­chim Herr­mann (60) ist seit 2007 baye­ri­scher In­nen­mi­nis­ter.

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