Fast 600 Kn­öll­chen für Hun­de­hal­ter

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON LISA KREUZMANN UND THORS­TEN BREIT­KOPF

589 Ver­warn- und Buß­gel­der hat das Ord­nungs­amt 2016 ge­gen Hun­de­hal­ter ver­hängt. Die meis­ten, weil ih­re Tie­re nicht an­ge­leint wa­ren. In der gan­zen Stadt gilt grund­sätz­lich Lei­nenzwang.

Das Ord­nungs­amt hat im ver­gan­ge­nen Jahr 589 Ver­warn- und Buß­gel­der ge­gen Hun­de­be­sit­zer ver­hängt. Der Groß­teil sei auf nicht an­ge­lein­te Hun­de zu­rück­zu­füh­ren, sagt Sebastian Veel­ken vom Ord­nungs­amt. In 37 Fäl­len ha­be ein Ver­stoß ge­gen das Hun­de­ver­bot auf Spiel­plät­zen vor­ge­le­gen, in sechs Fäl­len sei trotz Ver­pflich­tung kein Maul­korb an­ge­legt wor­den und in zehn Fäl­len sei ein Kn­öll­chen we­gen Ve­r­un­rei­ni­gung durch Hun­de­kot ge­schrie­ben wor­den.

Hun­de­hal­tung in der Groß­stadt ist ein Streit­the­ma. Hal­ter füh­len sich in die Ecke ge­drängt. Die Stadt müs­se mehr für Hun­de und ih­re Be­sit­zer tun und ei­ne art­ge­rech­te Hal­tung auch in der Stadt er­mög­li­chen, sagt et­wa Hun­de­trai­ne­rin Bur­ga Tor­ges. „Je­der hat das Recht, Hun­de zu wol­len“, sagt Tor­ges. Und das un­ab­hän­gig vom Wohn­ort.

Bei der Stadt hat man ei­nen an­de­ren Blick. „Wir se­hen nur die Ne­ga- tiv­bei­spie­le“, sagt Veel­ken. Die grund­sätz­li­che An­spruchs­hal­tung der Hun­de­hal­ter, die Öf­fent­lich­keit für ei­ne art­ge­rech­te Hal­tung in die Ver­ant­wor­tung zu neh­men, sei ihm aber fremd. „Die Stadt kann an die Ei­gen­ver­ant­wor­tung der Hun­de­hal­ter ap­pel­lie­ren und sie da­bei un­ter­stüt­zen“, sagt er . Die Fra­ge, ob ei­ne art­ge­rech­te Tier­hal­tung in der Stadt mög­lich sei, müs­se sich je­der Hun­de­hal­ter selbst be­ant­wor­ten.

Wo Hal­ter ih­re Hun­de aus­füh­ren kön­nen und wo nicht, re­gelt das Lan­deshun­de­ge­setz. Dem­nach müs­sen Hun­de­hal­ter ih­re Tie­re an be­leb­ten Plät­zen im­mer an­lei­nen. Da­zu zäh­len Fuß­gän­ger­zo­nen und Ein­kaufs­stra­ßen. Bei Ver­stoß wird laut Buß­geld­ka­ta­log der Stadt je nach Grö­ße und Ras­se des Hun­des ein Buß­geld zwi­schen 75 und 150 Eu­ro fäl­lig. Vor al­lem aber geht es um die Grün­flä­chen in der Stadt. Gera­de in den Som­mer­mo­na­ten treffen dort vie­le In­ter­es­sen­grup­pen auf­ein­an­der: Gril­ler, Pick­ni­cker, Hun­de­hal­ter, Familien mit Kin­dern, Son­nen­ba­der, Sport­ler. Hun­de­hal­ter kä­men da im­mer zu kurz, be­klagt Tor­ges.

Laut Lan­deshun­de­ge­setz dür­fen Hun­de le­dig­lich auf um­frie­de­ten Grün­flä­chen un­an­ge­leint spa­zie­ren ge­führt wer­den. Durch die Düs­sel­dor­fer Stra­ßen­ord­nung wer­den die Aus­lauf­ver­bots­flä­chen noch ein­mal er­wei­tert: Auch auf nicht um­frie­de­te­ten Frei­zeit­flä­chen, Wäl­dern und Parks dür­fen Hun­de nur an der Lei­ne ge­hen. Das är­gert Hun­de­be­sit­zer. „Wir for­dern Flä­chen, die tat­säch­lich für Hun­de und Hal­ter da sind“, sagt Bur­ga Tor­ges. Die vor­han­de­ne Ge­bie­te sei­en zu klein. Mehr als 30 aus­ge­wie­se­ne Hun­de­aus­lauf­flä­chen gibt es in der Stadt, et­wa an der

Grünan­la­ge Räu­scher Weg in Bilk, im Schloss­park El­ler oder im Hof­gar­ten in Pem­pel­fort. Je­doch gilt auch dort: Familien und an­de­re Park­gän­ger dür­fen nicht ge­stört wer­den. Be­läs­tigt ein Hund ei­nen Pas­san­ten, kann das zwi­schen 35 und 100 Eu­ro kos­ten. Tat­säch­lich aber hat die Stadt fünf wei­te­re Hun­de­frei­lauf­flä­chen aus­ge­wie­sen, die im Ge­gen­satz zu den Aus­lauf­flä­chen nicht ein­ge­zäunt sind. „Die Hun­de­hal­ter sind auf die­sen Frei­lauf­flä­chen al­ler­dings be­son­ders ge­for­dert“, heißt es beim Gar­ten­amt. „Sie müs­sen ih­re Hun­de un­ter Kon­trol­le ha­ben.“

Für man­che Hun­de­hal­ter ist das nicht ge­nug. Mehr als 20.000 Hun­de le­ben in der Stadt. „Die Flä­chen sind ein­fach zu eng, am En­de sind wir Hun­de­hal­ter ja auch ei­ne Wirt­schafts­kraft“, sagt Tor­ges.

Mit der Hun­de­steu­er nimmt die Stadt jähr­lich zwei Mil­lio­nen Eu­ro ein. 2.111.198 Eu­ro ste­hen für 2017 im Plan. Wie viel Geld die Stadt mit Kn­öll­chen ge­gen Hun­de­hal­ter ein­neh­me, wer­de nicht sta­tis­tisch er­mit­telt, sagt Veel­ken. Bei 589 Kn­öll- chen im ver­gan­gen Jahr und et­wa 130 Eu­ro Geld­bu­ße im Schnitt, dürf­ten knapp 80.000 Eu­ro ge­flos­sen sein.

Mit mehr Aus­lauf­flä­chen sei es je­den­falls nicht ge­tan, sagt Tor­ges. „Wir wün­schen uns ei­nen maß­vol­le­ren Um­gang mit Buß­gel­dern.“Hun­de­hal­te­rin Hei­di Sch­rou­ten be­rich­tet von ei­nem Fall, der sie ge­är­gert hat: 179 Eu­ro muss­te sie zah­len, weil ihr Hund sich auf ei­ner Wie­se in Nä­he ei­nes Spiel­plat­zes an­ge­leint ge­wälzt ha­be. Das Ver­bots­schild ha­be sie über­se­hen, er­zählt die 51jäh­ri­ge. „Ich kann das Ver­bot na­tür­lich ver­ste­hen, aber ei­ne Ver­war­nung hät­te es auch ge­tan“, sagt Hei­di Sch­rou­ten, „als die Rech­nung kam war ich ent­setzt.“

Beim Ord­nungs­amt hält man die Här­te durch­aus für nö­tig: „Gera­de im Be­reich ei­nes Spiel­plat­zes muss deut­lich spür­bar sein, dass der Auf­ent­halt ei­nes Hun­des Fol­gen hat, die un­er­wünscht sind“, sagt Sebastian Veel­ken. „Wenn El­tern im Sand­kas­ten Hun­de­kot se­hen, ist der Spiel­platz un­ten durch.“

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