Bür­ger for­dern Stra­ßen-Um­be­nen­nung

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON NI­CO­LE KAMPE

Die Wiss­mann­stra­ße ehrt ei­nen Ko­lo­ni­al­zeit-Hel­den. Nun soll ei­ne Ste­le das er­klä­ren. Vie­le An­woh­ner wol­len das nicht.

UNTERBILK Lang ist sie nicht, die Stra­ße, die an ei­ner Seite des Frie­dens­plätz­chens in Unterbilk ver­läuft. 32, viel­leicht 34 Haus­num­mern ge­hö­ren zur Wiss­mann­stra­ße, die ir­gend­wann An­fang des 20. Jahr­hun­derts so be­nannt wur­de. Ei­nen Ki­osk gibt es an der Stra­ße, ein Ca­fé, ei­ne hand­voll Alt­bau­ten ste­hen dort. Man­che frisch re­stau­riert, fast schon mo­dern, an­de­re als hät­te die Zeit ih­nen nichts an­ge­habt. Ei­gent­lich ist es schön an der Wiss­mann­stra­ße. Man kennt sich dort, man en­ga­giert sich, man trinkt Kaf­fee, man plauscht vor der Tür.

Die An­woh­ner­initia­ti­ve Frie­dens­plätz­chen ist vor 20 Jah­ren ge­grün­det wor­den, für ei­nen Bü­cher­schrank und ei­nen Wo­chen­markt ha­ben sich die Mit­glie­der stark­ge­macht. Rund um den Platz hat sich vie­les ge­tan, die Men­schen iden­ti­fi­zie­ren sich mit dem Vier­tel. Ein­zig der Na­me der Stra­ße, die dort ver­läuft, ist den An­woh­nern und Mit­glie­dern der Initia­ti­ve ein Dorn im Au­ge. Denn be­nannt ist die Wiss­mann­stra­ße kei­nes­wegs nach ei­ner Per­son, die ge­ehrt wer­den soll­te, fin­det Ros­wi­tha Heim­lich. „Her­mann von Wiss­mann war ein üb­ler Söld­ner“, sagt die 66-Jäh­ri­ge. Als Reichs­kom­mis­sar für Ost­afri­ka un­ter­drück­te er mit sei­nen Trup­pen den Wi­der­stand der Küs­ten­be­völ­ke­rung im heu­ti­gen Tan­sa­nia und wur­de da­für als Kriegs­held ge­fei­ert. Au­ßer­dem wird er ver­ant­wort­lich ge­macht für den Ma­ji-Ma­ji-Krieg, in dem rund 100.000 Ein­hei­mi­sche star­ben, „vie­le Kin­der und Frau­en“, sagt Heim­lich, die viel re­cher­chiert hat zur Ge­schich­te der Ko­lo­ni­al­zeit. ren. „Der Be­schluss, ei­ne Ste­le zu er­rich­ten, ist par­tei­über­grei­fend ge­fasst wor­den“, sagt Be­zirks­bür­ger­meis­ter Wal­ter Schmidt. Wie die Ste­le aus­se­hen soll und ob sie auf dem Frie­dens­plätz­chen auf­ge­stellt wird, das hät­te man noch nicht ent­schie­den, hieß es in der letz­ten BVSit­zung. Wolf­gang Mül­ler von der CDU reg­te an, die Ste­le an der Ecke Wiss­mann­stra­ße/Bil­ker Al­lee auf­zu­stel­len, dort wür­den vie­le Men­schen die Ta­fel le­sen. Thors­ten Ga­eß­ner von den Grü­nen setzt sich für ei­ne kla­re Ab­gren­zung von Eh­renS­te­len ein: „Ide­en wer­den mit der Mahn- und Ge­denk­stät­te aus­ge­ar­bei­tet“, sagt er. „Das stimmt aber nicht“, wi­der­spricht Heim­lich, „da­für ist das Stadt­ar­chiv zu­stän­dig.“

„Ei­ne In­fo­ta­fel kann hier ger­ne auf­ge­hängt wer­den, wenn die Stra­ße um­be­nannt wird“, meint Gu­drun Bein­ke, die seit 30 Jah­ren an der Wiss­mann­stra­ße lebt und in­zwi­schen Kon­takt hat zur Hein­richHei­ne-Uni­ver­si­tät, die an ei­nem Ent­wurf sitzt, mit Hin­ter­grün­den zur Be­nen­nung. Das Fo­rum Frei­es Thea­ter hat Kon­takt zu Bein­ke auf­ge­nom­men, ein Schau­spie­ler will die Ta­ten auf­ar­bei­ten. „Wir wür­den uns auch da­für ein­set­zen, dass die Ge­schich­te nicht ver­ges­sen wird“, sagt die 56-Jäh­ri­ge. „Mit Ak­tio­nen auf dem Frie­dens­plätz­chen et­wa.“

Wenn es nach Michael Kös­ter geht, könn­te die Stra­ße ein­fach wie­der Kaul­bach­stra­ße hei­ßen, so wie sie es vor mehr als hun­dert Jah­ren ge­tan hat. „In Ur­den­bach ist ein gan­zes Ko­lo­ni­al­vier­tel um­be­nannt wor­den“, sagt er. Ei­nen Ko­lo­ni­al­ver­bre­cher eh­ren, der nicht ein­mal et­was mit Düsseldorf zu tun hat­te, das ver­steht der 41-Jäh­ri­ge nicht.

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Gu­drun Bein­ke und Ros­wi­tha Heim­lich (v.l.) kämp­fen für die Um­be­nen­nung der Wiss­mann­stra­ße.

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