Führmann ist ein rei­zen­der Hoch­stap­ler

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT -

Die­ser Ro­man, den Tho­mas Mann einst schrieb, hat es dem Schau­spie­ler Mo­ritz Führmann an­ge­tan: Er­neut gab er in ei­ner mit ge­wal­tig Text an­ge­rei­cher­ten One-Man-Show den be­rühm­ten Schelm und Hoch­stap­ler Fe­lix Krull. Die Zu­schau­er im Saal im Cen­tral ap­plau­dier­ten be­geis­tert, und am En­de ser­vier­ten er und Pia­nist Klaus-Lothar Pe­ters nach ge­ball­ten 70 Mi­nu­ten ei­ne char­man­te mu­si­ka­li­sche Zu­ga­be. Nicht nur Führmann kennt sich mit dem cha­ris­ma­ti­schen Lüg­ner aus („Die Chuz­pe die­ses Kerls reizt mich un­ge­mein!“), auch Jörg Knör hat ei­nen Nar­ren an ihm ge­fres­sen. So heißt auch sein Pro­gramm, mit dem er am 22. und 23. Ju­ni im Thea­ter an der Kö gas­tiert, „Fi­lou“. In ge­wis­ser Wei­se sei die Fe­lix-Krull-Ge­schich­te auch sein Kar­rie­re-Prin­zip: im­mer mit der „Lü­ge“, gibt er frei­mü­tig zu. „Ich kann das, mir ein En­ga­ge­ment oder ei­ne TV-Sen­dung zu er­gat­tern – oh­ne je­de Er­fah­rung. Und dann die Lü­ge zur Wahr­heit zu ma­chen.“Manch­mal müs­se man auch hoch sta­peln, um sich un­ter Druck zu set­zen: „Als mich ei­ne Com­pu­ter­fir­ma frag­te, ob ich mein Pro­gramm auch in New York auf Eng­lisch ma­chen kann, ha­be ich das tat­säch­lich mit Bra­vour ge­schafft, ob­wohl ich das noch nie ge­macht hat­te.“Das Fas­zi­nie­ren­de sei die Per­sön­lich­keit, die das kön­ne, sagt Thea­ter­in­ten­dant Re­né Hei­ners­dorff über den schil­len­den Fe­lix Krull. „Ein Schuss Ero­tik, ei­ne Por­ti­on Bür­ger­lich­keit für die Se­rio­si­tät, ei­ne Spur Wahn­sinn. In­so­fern ist mein Freund Mo­ritz ziem­lich gut be­setzt.“Sei­ne Fa­mi­lie ist üb­ri­gens voll von Krul­len, wie Hei­ners­dorff sagt. „Mein Groß­va­ter, den ich sehr ge­liebt ha­be, war zum Bei­spiel in der La­ge, Leu­ten zu ver­mit­teln, ihm ge­hö­re halb Düs­sel­dorf, und für das Wet­ter sei er auch zu­stän­dig. Das Pro­blem war, dass er es in dem Mo­ment sel­ber ge­glaubt hat.“Wir al­le hät­ten tief in un­se­rem Her­zen ei­ne Schwä­che für sol­che Men­schen fan­gen­den Fi­lous, meint Par­füm-Ex­per­te Frank Schnitz­ler. Mehr­mals sei er sol­chen be­geg­net. „Aber ich ha­be die­se Vor­fäl­le ver­drängt. Ich schä­me mich ein we­nig.“Der Film aus den 1950er Jah­ren ha­be ihn als jun­gen Mann fas­zi­niert, schwärmt Jon­ges-Baas Wolf­gang Rols­hoven. Und auch er hat im wah­ren Le­ben ein­schlä­gi­ge Er­fah­rung mit die­sem Ty­pus sam­meln kön­nen: Bei ei­nem dach­te er mal, er wä­re der Ober­stadt­di­rek­tor von Düs­sel­dorf, und er war „nur“ein „klei­ner“An­ge­stell­ter in der Stadt­ver­wal­tung. „Dau­ernd und un­ent­wegt“be­geg­net Ver­mö­gens- und Zu­kunfts­for­scher Tho­mas Druy­en Fe­lix Krulls. „Wir soll­ten uns ernst­haft wie­der auf die Su­che nach Wahr­heit und Cha­rak­ter ma­chen“, ist er über­zeugt. Ein Freund Mo­ritz Führ­manns schum­mel­te sich jün­ger, um mal ei­ne Frau ken­nen­zu­ler­nen, und nun sind sie ein Paar. „Ob­wohl das ei­ne völ­lig la­pi­da­re Schum­me­lei war, wird es im­mer schwe­rer, das wah­re Al­ter zu sa­gen. Da wä­re ich gern da­bei, wenn es raus­kommt.“Bri­git­te Pa­ve­tic

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Mo­ritz Führmann spielt den be­rühm­ten Schelm und Hoch­stap­ler Fe­lix Krull aus dem un­voll­endet ge­blie­be­nen Ro­man von Tho­mas Mann.

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