Chris­ta Schle­cker bleibt un­be­straft

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WINTERS

Das Ver­fah­ren ge­gen die Frau von An­ton Schle­cker wird ge­gen Zah­lung von 60.000 Eu­ro ein­ge­stellt.

STUTT­GART Ei­nes von vier an­ge­klag­ten Fa­mi­li­en­mit­glie­dern kommt im Schle­cker-Pro­zess auf je­den Fall oh­ne Stra­fe da­von. Das Ver­fah­ren ge­gen An­ton Schle­ckers Ehe­frau Chris­ta wird ge­gen ei­ne Geld­auf­la­ge von 60.000 Eu­ro ein­ge­stellt, wie das Land­ge­richt Stutt­gart mit­teil­te. Die 69-Jäh­ri­ge hat sich be­reit er­klärt, die Sum­me an vier ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen zu zah­len. Sie gibt da­mit ziem­lich genau das Geld zu­rück, das vor Jah­ren als Ho­no­rar von Kon­ten ei­ner Schle­cker-Toch­ter­fir­ma auf ih­res ge­flos­sen sein soll – für Be­ra­tungs­leis­tun­gen, die die Mut­ter der Schle­cker-Kom­pa­nie nach An- sicht der Staats­an­walt­schaft nie er­bracht hat.

So­lan­ge das Geld noch nicht ge­zahlt ist, gilt das Ver­fah­ren ge­gen Chris­ta Schle­cker nach Pa­ra­graf 153 a, Ab­satz 2 der Straf­pro­zess­ord­nung (StPO) nur als vor­läu­fig ein­ge­stellt. Aber das ist ei­ne Form­sa­che. „Ei­ne Ver­ur­tei­lung ist mit der Ein­stel­lung ge­gen Geld­auf­la­ge nicht ver­bun­den. Es gilt wei­ter­hin die Un­schulds­ver­mu­tung“, be­ton­te das Land­ge­richt. Ei­ne der­ar­ti­ge Ein­stel­lung kommt laut StPO in­fra­ge, wenn die Auf­la­gen „ge­eig­net sind, das öf­fent­li­che In­ter­es­se an der Straf­ver­fol­gung zu be­sei­ti­gen, und die Schwe­re der Schuld nicht ent­ge­gen­steht“.

Dass der Pro­zess ge­gen die Ehe­frau des Fir­men­grün­ders vor dem En­de steht, hat­te sich be­reits in der ver­gan­ge­nen Wo­che an­ge­deu­tet. Da hat­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter er­klärt, der Vor­wurf der Bei­hil­fe zum Bank­rott ge­gen Chris­ta Schle­cker sei auf Ba­sis der bis­he­ri­gen Zeu­gen­aus­sa­gen nicht zu be­wei­sen. Die Staats­an­wäl­te hat­ten die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens zu­nächst ab­ge­lehnt.

Das Ver­fah­ren ge­gen ih­ren Mann so­wie ge­gen die Kin­der Lars und Mei­ke wird fort­ge­setzt und ist der­zeit bis Ok­to­ber ter­mi­niert. Ein En­de des Pro­zes­ses sei noch nicht ab­seh­bar, hat das Land­ge­richt Stutt­gart jüngst mit­ge­teilt. Da­bei geht es um den Ver­dacht auf vor­sätz­li­chen Bank­rott, Un­treue, In­sol­venz­ver­schlep­pung und Bei­hil­fe zum Bank­rott. Da­ge­gen ist das Ver­fah­ren ge­gen zwei ehe­ma­li­ge Schle­cker-Wirt­schafts­prü­fer eben­falls ge­gen Auf­la­ge ein­ge­stellt wor­den. Die bei­den müs­sen ins­ge­samt 40.000 Eu­ro an ge­mein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen und 5000 Eu­ro an die Staats­kas­se zah­len.

Die Schle­cker-In­sol­venz ge­hört zu den öf­fent­lich­keits­wirk­sams­ten Fir­men­plei­ten der deut­schen Ge­schich­te. Schle­cker war mal der größ­te Dro­ge­rie­markt­be­trei­ber; in den gro­ßen Zei­ten hat­te er 9000 Fi­lia­len und 30.000 Be­schäf­tig­te. Beim In­sol­venz­an­trag 2012 hin­ter­ließ die Fir­men­grup­pe Mil­li­ar­den­schul­den.

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