Face­book lehnt Ge­setz­ent­wurf ab

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - MEDIEN -

Ge­gen Hass­kri­mi­na­li­tät und Fa­ke News hat das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf vor­ge­legt. Face­book er­hebt Ein­spruch.

BERLIN (epd) Das so­zia­le Netz­werk Face­book hat das von Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) ge­plan­te Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz (Net­zDG) als „um­fas­send rechts­wid­rig“kri­ti­siert: „Der Ge­set­zes­ent­wurf ist un­ver­ein­bar mit dem Eu­ro­pa­recht, wirft da­ten­schutz­recht­li­che wie rechts­staat­li­che Be­den­ken auf und miss­ach­tet die Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der“, heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me von Face­book, die dem Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst vor­liegt. Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um be­kräf­tig­te sein Vor­ha­ben, das Ge­setz durch­zu­set­zen. Die­ses be­fin­det sich be­reits in par­la­men­ta­ri­scher Be­ra­tung.

Mit dem Ge­setz will Maas Be­trei­ber so­zia­ler Netz­wer­ke da­zu ver­pflich­ten, rechts­wid­ri­ge In­hal­te schnel­ler und kon­se­quen­ter zu lö­schen. „Of­fen­sicht­lich straf­ba­re In­hal­te“sol­len bin­nen 24 St­un­den ge­löscht wer­den. Zu­dem sol­len Un­ter­neh­men wie Face­book dar­über Aus­kunft ge­ben, wie sie ge­gen straf­ba­re In­hal­te vor­ge­hen, so­wie gut er­reich­ba­re Be­schwer­de­stel­len für Nut­zer schaf­fen. Ver­stö­ße ge­gen die­se Pflich­ten kön­nen den Plä­nen von Maas zu­fol­ge mit ei­ner Geld­bu­ße in Hö­he von meh­re­ren Mil­lio­nen Eu­ro ge­ahn­det wer­den.

„Die Ver­hin­de­rung und Be­kämp­fung von Ha­te Speech und Falsch- mel­dun­gen ist ei­ne öf­fent­li­che Auf­ga­be, der sich der Staat nicht ent­zie­hen darf“, be­ton­te Face­book. Der Rechts­staat dür­fe die ei­ge­nen Ver­säum­nis­se und die Ver­ant­wor­tung da­für nicht auf pri­va­te Un­ter­neh­men ab­wäl­zen.

Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ent­geg­ne­te ges­tern in Berlin, dass der Rechts­staat wei­ter ge­for­dert blei­be: Die Jus­tiz ha­be über das Straf­maß für straf­ba­re In­hal­te zu ent­schei­den: „Der Mi­nis­ter hat wie­der­holt be­tont, dass der Ge­set­zes­vor­schlag nur ei­ne Maß­nah­me sein kann ge­gen Hass­kri­mi­na­li­tät und straf­ba­re Fa­ke News“, sag­te ei­ne Spre­che­rin des Mi­nis­te­ri­ums.

Face­book be­fürch­tet durch das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz ei­ne vor­schnel­le Lö­schung von le­gi­ti­men Bei­trä­gen: „Deutsch­land eta­bliert ein Modell für ein Ge­setz zur Be­schrän­kung der Mei­nungs­äu­ße­rung.“Die An­dro­hung von un­ver­hält­nis­mä­ßig ho­hen Buß­gel­dern füh­re da­zu, dass die Netz­wer­ke eher lösch­ten als Bei­trä­ge ste­hen zu las­sen. In ei­nem In­ter­view mit dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Der Spie­gel“sag­te Maas, er se­he für die Ge­fahr, dass da­bei auch ju­ris­tisch harm­lo­se Posts ge­löscht wer­den könn­ten, „kei­ner­lei Be­le­ge oder Er­fah­run­gen“. Er sei zu „sinn­vol­len An­pas­sun­gen“am Net­zDG be­reit, aber die Sank­tio­nie­rung von Rechts­ver­stö­ßen durch Geld­bu­ßen sei we­sent­li­cher Be­stand­teil des Ge­set­zes.

Laut Face­book stellt der Ge­setz­ent­wurf ei­nen „na­tio­na­len Al­lein­gang“dar, oh­ne „Ein­bet­tung in ei­nen über­ge­ord­ne­ten eu­ro­päi­schen Rah­men und ei­ne durch­dach­te po­li­ti­sche Stra­te­gie“. Er ver­sto­ße da­mit ge­gen be­ste­hen­des EU-Recht. Die un­schar­fe De­fi­ni­ti­on ei­nes „so­zia­len Netz­wer­kes“schaf­fe ei­nen kaum ein­zu­gren­zen­den An­wen­dungs­be­reich, kri­ti­sier­te Face­book. Zu­dem re­ge­le das Ge­setz nicht, wann ein In­halt „rechts­wid­rig“im Sin­ne des Net­zDG sei.

GRA­FIK: RP

Der US-Kon­zern Face­book liegt mit dem deut­schen Staat im Clinch.

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