ANA­LY­SE

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS -

In Deutsch­land sei der so­zia­le Auf­stieg fast un­mög­lich ge­wor­den, kla­gen Ex­per­ten. Al­ler­dings sei das be­ruf­li­che Fort­kom­men für vie­le Men­schen nicht das wich­tigs­te, er­gab ei­ne Stu­die der CDU-na­hen Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung.

stieg ein zen­tra­ler Punkt in ih­rem Le­ben ist. Zugleich ist das, was die Men­schen für Auf­stieg hal­ten, sehr un­ter­schied­lich. Die KAS-For­sche­rin Po­kor­ny hat vier Auf­stiegs­men­ta­li­tä­ten ent­deckt: Selbst­ver­wirk­li­chung, Kar­rie­re, Fes­ti­gung des Um­felds und Nicht-Ab­stieg. Und vie­le, die in­ten­siv be­fragt wur­den, ver­ste­hen Auf­stieg eher als Voll­en­dung des ei­ge­nen Le­bens­wegs. Man­che se­hen da­rin auch die Chan­ce, ei­ne ei­ge­ne Fa­mi­lie zu grün­den, wäh­rend Schei­dun­gen oft mit Ab­stieg gleich­ge­setzt wer­den. „Die rein ob­jek­ti­ve Mes­sung von Auf­stieg mit­tels der be­ruf­li­chen Po­si­ti­on greift zu kurz“, ur­teilt die Stu­di­en­lei­te­rin Po­kor­ny.

An­ders als bis­he­ri­ge Auf­stiegs­stu­di­en na­he­le­gen, nennt der Durch­schnitt der Be­völ­ke­rung we­ni­ger die Un­ter­stüt­zung durch das El­tern­haus als viel­mehr ei­ne gu­te Aus­bil­dung für aus­schlag­ge­bend, wenn man Er­folg ha­ben will. Als not­wen­di­ge Ei­gen­schaf­ten nen­nen die Be­frag­ten Fleiß (für 45 Pro­zent sehr wich­tig) und Selbst­be­wusst­sein (42 Pro­zent). Da­ge­gen wer­den Netz­wer­ke (20 Pro­zent) oder die gu­te fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on des El­tern­hau­ses (13 Pro­zent) für we­ni­ger maß­geb­lich ge­hal­ten.

Die KAS-Stu­die zeigt ei­ne selbst­zu­frie­de­ne Re­pu­blik. Um un­ge­rech­te Auf­stiegs­be­din­gun­gen ma­chen sich vie­le kei­ne all­zu gro­ßen Ge­dan­ken. Selbst wenn sie schlech­ter aus­ge­bil­det sind, se­hen sie sich nur sel­ten als Ver­lie­rer. Un­zu­frie­den­heit mit den Ver­hält­nis­sen wie in den USA scheint in Deutsch­land nicht zu herr­schen. Da­rin mag sich auch die Tat­sa­che aus­drü­cken, dass hier­zu­lan­de die Ge­ne­ra­ti­on zwi­schen 1945 und 1960 her­vor­ra­gen­de Chan­cen auf ei­ne bes­se­re Po­si­ti­on hat­te. Denn wer ein El­tern­teil mit Hoch­schul­stu­di­um be­sitzt, kann nach die­ser De­fi­ni­ti­on nicht mehr auf­stei­gen. Doch trotz der all­ge­mei­nen Zuf­rie­den­heit sind die­je­ni­gen, die in ih­rer Klas­se blei­ben oder ab­stei­gen, ge­fähr­det. Das gilt um­so mehr, wenn die­se Grup­pe sich zu­rück­ge­las­sen fühlt. Hier bleibt die KAS-Stu­die Ant­wor­ten schul­dig. Die Mo­bi­li­täts­stu­die, in der ob­jek­ti­ve und sub­jek­ti­ve Kri­te­ri­en ver­bun­den wer­den, ist noch nicht ge­schrie­ben.

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